Turkmenisches Jugendkammerorchester begeistert zum Abschluss der Speinsharter Sommerkonzerte
Hohe Kunst aus einem unbekannten Land

Zum Abschluss der diesjährigen Speinsharter Sommerkonzerte in Kooperation mit dem 64. Festival junger Künstler Bayreuth gastierte das Turkmenische Jugendkammerorchester. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
21.08.2014
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Es sind wohl nicht einmal die "harten" Fakten über diesen Staat landläufig bekannt: Die Hauptstadt ist Aschgabat, der Staatspräsident heißt Gurbanguly Berdimuhamedow und Turkmenistan liegt in Zentralasien am Kaspischen Meer. Und darüber hinaus schotten die Regierenden das Land und die Bevölkerung ziemlich stark ab. Ein Umstand, der auch aus künstlerischer Sicht sehr bedauerlich ist, wie am Dienstagabend in der Speinsharter Klosterkirche deutlich wurde. Zum Abschluss der Speinsharter Sommerkonzerte in Kooperation mit dem 64. Festival junger Künstler Bayreuth gastierte das Turkmenische Jugendkammerorchester und lieferte einen bemerkenswerten Auftritt ab.

Unbekannte Tradition

Bemerkenswert aus mehreren Gründen: Erstens die praktisch unbekannten turkmenischen Kompositionen, zweitens die eindrucksvollen traditionellen Gewänder der Künstler, drittens der erstaunlich junge Dirigent der Formation und viertens die große Leichtigkeit der Instrumentalisten. Es waren die äußerst präzise und ausgefeilte Technik sowie das enorme Gespür für Dynamik, die die Zuhörer in der Klosterkirche das ganze Konzert hindurch begeisterten. Schon beim Auftakt, Arenskys "Variationen über ein Thema von P. Tschaikowski op. 35a", wurde dies überdeutlich. Es bedurfte nicht vieler Zeichen und Gesten des Dirigenten, um sein Orchester zu führen: Sehr stimmig und äußerst harmonisch fanden sich die Streicher zum gemeinsamen Klangkörper zusammen. Dieses Grundprinzip sollte sich durch den ganzen Konzertabend ziehen - ganz gleich, ob bei Richard Wagners "Adagio", Camille Saint-Saens' "Tarantelle op.6" oder turkmenischen Kompositionen wie "Name sen?" und "Bu gun". Besondere Akzente setzten aber auch die drei Instrumentalsolisten Ovezov Yusup (Klarinette), Samir Rizayav (Violine) und Ovezova Selbi (Querflöte), die teils auch im Duett auftraten. Über einen herausragenden Auftritt durfte sich auch die Sopranistin Seytkuliyeva Ayna mit ihrer glockenreinen und expressiven Stimme freuen. Der lange Zwischenapplaus für die Solisten kam von Herzen und war wahrlich verdient.

Tango im Gepäck

Dass in den turkmenischen Musikern auch südamerikanisches Blut steckt, durften sie gegen Ende des Konzerts beweisen: Mit schon leidenschaftlicher Hingabe an ihre Instrumente verschafften sie den Tango-Klängen von Astor Piazzolla Gehör. Und wenn einige Zuhörer beim Hinausgehen das Konzert mit drei Worten zusammenfassen - nämlich "einfach nur schön" - dann mag man ihnen wirklich nicht widersprechen.
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