06.06.2017 - 20:10 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Zwei Chöre im Kloster Speinshart Mit Psalmen Brücken bauen

Lobet den Namen des Herren heißt es zum Fest des Heiligen Geistes in Speinshart. In der barocken Klosterkirche erklingen Psalmenvertonungen christlicher und jüdischer Komponisten. Für die Besucher ein reicher, erhebender Pfingstsonntag.

Musikalische Brücken zwischen Judentum und Christentum bauen die Chöre "Moravia Cantat" (Stuttgart) und "Vivat Musica" (Graslitz) mit Walter Thurn an der Orgel beim Pfingstkonzert in Speinshart. Bild: Dotzauer
von Robert DotzauerProfil

Psalmen gehören zum ältesten Liedgut überhaupt. Sie erklingen mit einer Breite und Tiefe, die Sänger und Zuhörer immer wieder berühren. Und: Sie sind eine wichtige Brücke zwischen Judentum und Christentum. Musiker beider Religionen haben über Jahrhunderte, ja Jahrtausende, immer wieder neue Vertonungen verbindender Psalmengebete geschaffen. Heinrich Schütz (1585-1672) und Louis Lewandowski (1821-1894) sind hervorragende Beispiele. Die Chöre "Moravia Cantat" (Stuttgart), entstanden aus Vertriebenen des Sudetenlandes, und "Vivat Musica" (Graslitz/Kraslice) vertonen Psalmen aus der reichen Musikkultur böhmischer Länder.

Vom Gotteshaus inspiriert

"Lobt Gott mit Schall" hieß es deshalb zu allererst. "Moravia Cantat" mit den Chorleitern Jennifer Beutlich, Monika Schmitz und Wolfram Hader lassen sich von der Atmosphäre des Gotteshauses inspirieren. Der Chor huldigt mit Heinrich Schütz einem "Vater der deutschen Musik". Der Komponist steht wie kein anderer für den Psalter. Aus den "Kleinen Geistlichen Konzerten II" stammt auch der Psalm 34: "Ich will den Herren loben allezeit".

Als Solistin glänzt Monika Schmitz, an der Orgel zaubert Walter Thurn. Dann wählt das Ensemble den "Böhmen" Antonín Dvorák zum Favoriten. "Singet ein neues Lied" und "Der Herr ist mein Hirte", eine der bekanntesten biblischen Textstellen, erklingt es in den ruhigen Werken. Jennifer Beutlich und Monika Schmitz beeindrucken mit einer feierlichen Tonfolge. Die verhaltene Melodieführung stellen alle Sängerinnen - zu den Genannten gesellen sich Sabine Haslinger und Regina Retter - mit inniger Stimmführung dar.

Ebenso ergreifend wie einfühlsam singt der Chor. Das Repertoire erscheint unendlich. Auf dem weiteren Programm stehen Werke von Hugo Distler, Widmar Hader, Felix Mendelssohn Bartholdy, Eduard Birnbaum, David Rubin, Yehezkel Braun und Louis Lewandowski. Mit Lewandowskis Fest-Präludium Nr. 1 entwirft Walter Thurn an der Orgel ein wirkungsvolles Klanggemälde. Es vereinigt machtvolle Klänge nach Art von Wagners "Meistersingern" mit diffiziler Chromatik.

Inspiriert von der Einfühlsamkeit der Kompositionen sind auch die weiteren Beiträge mit Werken von Lewandowski. Die Synagogen-Melodie Nr. 2 und der Psalm "Wie ein Hirsch lechzet nach frischem Wasser" demonstrieren höchste synagogale Feinfühligkeit. Mit Max Regers "Führe mich, Herr" verneigt sich "Moravia Cantat" vor einem Oberpfälzer Komponisten.

Böhmische Volkslieder

Das vielseitige Programm setzt sich mit böhmischen und internationalen Werken fort. Für erhebende Stimmung sorgt der tschechische Chor "Vivat Musica" aus Graslitz (Kraslice). Kunstvoll schafft es Dirigentin Iveta Posledni, das Speinsharter Publikum für das böhmische und mährische Volkslied zu gewinnen und doch das Thema des Abends nicht zu verfehlen. Das Ensemble erinnert an die gemeinsamen Wurzeln der Musik. Mit "Spirit of god" - im Geiste Gottes gelingt der schrittweise feierliche Einzug der Akteure und das folgende Kyrie imponiert mit dynamischer Frische. Aus einem Guss geht es weiter. Opernsängerin Eveta Posledni und Andela Prevrátilová glänzen mit dem "Gloria" und Georges Bizets "Agnus Dei" mit anrührendem Hochgenuss.

Wohlpräparierte Klangpoesie entwickelt der Chor mit seinen weiteren Beiträgen, die mit dem grandiosen Sehnsuchts-Song des Norwegers Rolf Levland "You Raise Me Up" einen Konzerthöhepunkt finden. Das zeitlose und unvergängliche Thema "Du ermutigst mich" wird zum Hoffnungsträger nachbarschaftlicher Harmonie zwischen Böhmen und Deutschen.

Diesen Wunsch demonstrieren beide Chöre gemeinsam im chodischen Volkslied "Ha ty svatyj Vavrenecku", dem "That we may be one" mit einem Appell an die Gemeinsamkeit und "Ubi caritas", einer Hymne an die Nächstenliebe. Ein farbenreiches Interpretations-Feuerwerk, das Freude am Zuhören bereitet und zu einer Zugabe einlädt, die die Chorgemeinschaft dankbar erfüllt.

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