Dr. Anja Heidenreich untersucht Untergrund im Klosterdorf - Mittelalterliche Mauerreste ...
Auf den Spuren der Brauer

Archäologen Dr. Anja Heidenreich (rechts) und Ibrahim Joumaa, der aus Syrien stammt und derzeit an der Universität Bamberg promoviert, entdeckten beim Graben alte Mauerreste. Bilder: ly (2)
Lokales
Speinshart
20.04.2013
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Der Geschichte des Brauens im Klosterdorf ging in den vergangenen zwei Wochen Dr. Anja Heidenreich aus Bamberg auf den Grund. Weil für die Klostergaststätte eine Drainage am Mauerwerk angebracht werden soll, hatte die Archäologin die Gelegenheit, den Untergrund zu untersuchen.

Die gefundenen Mauer- und Fundamentstücke versucht sie mit dem Prior und Archivar des Klosters, Pater Benedikt Schuster, in Einklang zu bringen. Das ist nicht leicht, denn Pater Benedikt kann sich nur auf Pläne stützen. "Den Glauben an Pläne habe ich mittlerweile verloren", erklärt er, weil sich diese in der Bauphase häufig geändert hätten und letztlich ganz anders verwirklicht wurden.

Gaststätte neben Nordtor

Laut den Plänen des Abts Dominikus I. von Lieblein, der das Kloster im barocken Stil umbauen ließ, liefen ab 1736 die Vorbereitungen zum Umbau. Im Frühjahr 1739 wurde das alte Malzhaus abgebrochen. 1740 zog das Brauhaus um, an die Stelle, wo heute der Klostergasthof steht. Die Gaststätte befand sich damals neben dem Nordtor.

Mit der Säkularisation wurde das Brauhaus ebenso wie alle anderen Gebäude des Klosters versteigert. Dramatisch wurde es nach einigen Besitzerwechsel, als in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1885 die Brauerei ein Opfer der Flammen wurde. Kunsthistoriker Adolf Mörtl, der die Aktenlage untersuchte und seine Ergebnisse in einem Artikel in der "Heimat Eschenbach" zusammenfasste, ist sich sicher, dass nicht das ganze Gebäude den Flammen zum Opfer fiel. Er zweifelt, ob überhaupt der Dachstuhl komplett abgebrannt ist. Das Feuer griff auf alle Gebäude zwischen den heutigen Anwesen Johann Girischs und Albert Müllers über.

"Kein eigenes Bier gebraut"

Ab Mail 1886 wurde das Brauhaus wieder aufgebaut. "Ich glaube nicht, dass jemals in diesem Haus gebraut wurde, denn im Amtsblatt wird immer mit fremden Bier beworben, und keiner, der eigenes Bier braut, schenkt fremdes aus", erklärt der Prior.

"Altbestand" entdeckt

Zur Überraschung der Archäologen Heidenreich und Ibrahim Joumaa, der aus Syrien stammt und derzeit an der Universität Bamberg promoviert, stießen die beiden auf einen mittelalterlichen Mauerrest im Bereich der Nordostecke, den sie als "Altbestand" bezeichnet.

Nicht ganz erklären kann die Archäologin die Funktion einer Rinne, die noch dazu gebogen ist und in dem barocken Fundament verläuft. Ob es Zulauf oder Ablauf für die Brauerei war, kann sie zumindest aus der jetzigen Sicht und dem schmalen Schnitt, den sie zur Verfügung hat, nicht klären.

"Die Klostermauer haben wir vorher noch nie isoliert erwischt", freut sich Heidenreich, dass in dem Bereich hinter der Klostergaststätte ein nicht in einem Haus verbautes Teilstück zutage kam. Wo genau die Klostermauer zwischen kleinem und großem Klosterhof einen Knick macht, kann sie nicht nachvollziehen. Zum einen fand im Inneren der Klostergaststätte keine ausgiebige Grabung statt, zum anderen ist der Bereich zwischen Klostergaststätte und Stadel noch nicht untersucht worden. "Was wir hier haben, ist eine Serie von Schwarzbauten", beschreibt Heidenreich.

Speinsharter helfen

Unterstützung bekam sie in den vergangenen Tagen von Speinshartern wie dem Postkartensammler Rainer Meyer, der ihr eines seiner Exemplare überließ. Dieses zeigt einen Spitzbogen neben der Klostergaststätte aus der Zeit vor 1927 und angeschnitten das Gebäude, das der Nachbar Johann Girisch 1965 abriss.

Näheres will Heidenreich bei ihrer nächsten Grabung in Erfahrung bringen. Im Juli will sie den Bereich unter dem Toilettenhäuschen in Angriff nehmen, nachdem dieses abgerissen ist.
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