03.09.2017 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bayern Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in Speinshart Minister im Gespräch

Eines der schönsten Dörfer Süddeutschlands - Bayerns Minister für Landwirtschaft, Forsten und Ernährung schmeichelt im Gemeindezentrum Speinshart den etwa 100 Besuchern. Danach kommt Helmut Brunner rasch zum Thema: die bayerische Agrarpolitik.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (Dritter von rechts) besuchte vor seinem Auftritt in Speinshart den Hof der Familie Rupprecht in Haselbrunn. Bürgermeister Albert Nickl (Fünfter von links) sowie die Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht (Zweiter von rechts) und Reiner Meier (Vierter von links) begleiteten ihn. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Nach einem Begrüßungsintermezzo von Bürgermeister Albert Nickl, der mit wohlgesetzten Worten die Leistungen der Landwirte würdigt, zeigt sich der Agrarminister als exzellenter Experte der Land- und Forstwirtschaft. Der ehemalige Vollerwerbslandwirt aus dem Bayerischen Wald vermeidet mit Blick auf die nahende Bundestagswahl Wahlkampfgetöse, wenngleich er keinen Zweifel an den Leistungen der CSU lässt: "Es gibt keine Partei, die die Bauern stärker unterstützt, als die CSU." Sein Anliegen am Freitagabend ist, den Zuhörern Schwerpunkte bayerischer Zukunftsstrategien im ländlichen Raum zu erklären.

"Früher wurde der bayerische Weg in der Agrarpolitik mit seinen Kleinstrukturen belächelt", erinnert der Minister an nord- und ostdeutsche Beispiele überdimensionierter Höfe. Diesem Modell setzt Brunner ein "weniger ist mehr" gegenüber. "In Bayern steht jeder dritte deutsche Bauernhof." Das garantiere eine intakte Kulturlandschaft als Teil des bayerischen Weges. Brunner verweist auch auf die hohe Qualifikation und die Heimatliebe bayerischer Bauern. Bäuerliches Denken heiße Verbundenheit mit dem Beruf: "Das Können macht den Erfolg und nicht Geld oder die Hektarzahl."

Deshalb glaubt der Staatsgast an den Berufsstand und die Talente in den Betrieben. Dazu brauche die Landwirtschaft gesellschaftliche Akzeptanz, fordert Brunner. Nur für etwas, was der Kunde kenne und wertschätze, sei er bereit, einen fairen Preis zu zahlen, mahnt der Minister. Zudem seien Frische, hohe Qualität, kurze Wege und Transparenz wichtige Kriterien zum Kauf regionaler Produkte.

Regulierung und Preispolitik

Ein weiteres Kernthema des Abends ist die Subventionspolitik der Europäischen Union. Damit meint Brunner den Abbau eines unüberschaubaren Regulierungsdschungels in Brüssel. Er favorisiert ein Zwei-Säulen-Modell mit höheren Fördermitteln für die ersten Hektare und eine Förderung der Jung-Landwirte. Gleichzeitig fordert Brunner den Ausbau eines Kriseninstrumentariums auf EU-Ebene, möglichst nicht nur für das Leitprodukt Milch, sondern für alle wichtigen Agrarmärkte.

Sich in der landwirtschaftlichen Preispolitik künftig allein auf den Staat zu verlassen, hält der Minister für den falschen Weg. Es werde auf Dauer von der Bevölkerung nicht akzeptiert, wenn hohe Steuermittel zum Beispiel zur Unterstützung für eine zu hohe Milchproduktion eingesetzt werden. Unabhängig von staatlichen Eingriffen in Krisenzeiten bis hin zu einer befristeten entschädigungslosen Begrenzung der Milchmenge sei es wichtig, dass Erzeuger und Verarbeiter endlich ihre Hausaufgaben machen, um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen, stellt der CSU-Mann klar.

Zu den weiteren Themenschwerpunkten zählt beim CSU-Landwirtschaftsforum der Wunsch der Staatsregierung nach einem Innovationspakt mit den Landwirten, um den Wissenstransfer in der Landwirtschaft von morgen zu stärken. "Bereit sein für Neues", lautet der Appell des Ministers. Als große Chance sieht er den Sektor der technologischen Entwicklung. Landwirtschaft 4.0 bedeute Drohnentechnologie, Roboter-Einsätze, künstliche Intelligenz und neue Züchtungsverfahren. Brunner prophezeit: "Das Bild der Landwirtschaft, wie wir sie heute kennen, wird sich tiefgreifend verändern." Die große Herausforderung bestehe darin, allen Familienbetrieben Zugang zu den neuen Technologien zu verschaffen.

"Anstelle von Wachsen oder Weichen müssen den Betrieben Zukunftsperspektiven eröffnet werden", erklärt Brunner. Heute nutzen bereits 3000 Landwirte jährlich die Angebote für 170 Qualifizierungsmaßnahmen. Als Beispiele nennt er Gründer-Coaches, neue Vermarktungskonzepte, die Genussakademie in Kulmbach und das ganzheitliche Konzept BioRegio 2020. "Die Zukunft gehört dem, der anpackt, Marktnischen findet, den Geschmack für regionale Angebote entdeckt und daraus mehr Wertschöpfung erzielt", betont der Minister in seinem Schlussappell. Schon heute sei Bayern einer der zukunftsfähigsten Agrarstandorte Europas - das müsse so bleiben. "Grüne Berufe haben glänzende Zukunftschancen".

Kritische Stimmen

Das Publikum, überwiegend aus dem land- und forstwirtschaftlichen Bereich, nutzt die Gunst der Stunde, um auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Kritische Äußerungen fallen zur Düngeverordnung und zu grotesken Entwicklungen bei Flächenberechnungen im Zusammenhang mit der EU-Förderung. Kopfschütteln herrscht am Beispiel eines Flächenabzuges wegen der Lagerung von Siloballen. "Was in der Sache nicht falsch ist, muss in der Praxis nicht sinnvoll sein", urteilt der Minister. Zum Kritikpunkt des Bürokratiemonsters in der Landwirtschaft verweist Brunner auf die Einrichtung eines Bürokratiefilters im Ministerium.

Der Minister wird auch gebeten, sich für die Bekämpfung der Wildschweinpopulation einzusetzen. Besonders das Verhalten des bayerischen Staatsforstes wird moniert. Kritik kommt auch von den Milchbauern. Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter demonstrieren mit einem Transparent und einem Sack Milchpulver gegen die verfehlte Milchpolitik.

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