Kloster Speinshart
Betten sorgen für Unruhe

Vor allem im kleinen Klosterhof ist die Belastung für die Anwohner groß. Wenige Meter gegenüber vom Haupteingang zum Kloster liegen die Wohnhäuser der Speinsharter. Vielen Besuchern ist nicht klar, dass es sich dabei nicht um einen Teil des Klosters handelt. Bild: idu
Politik
Speinshart
21.03.2018
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"So viel Zuschuss kann es gar nicht geben." Zitat: Pater Benedikt Schuster über die schlechten Aussichten für den Bau eines Bettenhauses

Dem Kloster Speinshart fehlt Geld. Um das zu ändern, müsste die Abtei erstmal noch mehr Geld ausgeben. Und dies ist nicht das einzige Problem. Manchem Speinsharter sorgt das Kloster inzwischen für zu viel Trubel.

Der Alltag ist zurück: Nach der Freude über die abgeschlossene Sanierung drängt im Kloster nun die Frage nach dem "Wie weiter". So gut die bauliche Situation, so schwierig die finanzielle. Trotz hoher Zuschüsse blieb bei der Sanierung ein Eigenanteil, der den Konvent belastet, sagt Speinsharts Bürgermeister Albert Nickl. Dazu kommt, dass die Internationale Begegnungsstätte Geld kostet und keines bringt. Der Konvent lebt vom Gehalt der Mitglieder, was die Patres als Pfarrer und Lehrer verdienen reicht kaum, um die Anlage zu unterhalten.

Um die Situation zu verbessern, müsste das Kloster wohl zunächst wieder Geld in die Hand nehmen. Das zeigt die Bachelorarbeit von Sergej Depperschmidt, die der OTH-Student am Wochenende im Kloster vorstellte (wir berichteten). "Wir brauchen einige Betten mehr", fasst Prior Pater Benedikt das Ergebnis zusammen. Das Kloster bietet Raum für Seminare mit bis zu 40 Teilnehmer, Gästebetten stehen nur 28 zur Verfügung. Und: Die Betten stehen in 14 Doppelzimmern. "Für Seminare sind Einzelzimmer nötig", erklärt Bürgermeister Nickl. Wenn es um mehrtägige Seminare geht, kann Speinshart meist nicht mithalten, dabei wären die vergleichsweise lukrativ.

Doch neben der Finanzierung steht dem Ausbau ein weiteres Problem im Wege: Bei manchem Bewohner des historischen Klosterdorfs ist die Begeisterung für die Aktivitäten deutlich abgekühlt. Das war auch bei der Vorstellung der Arbeit festzustellen. "Grundsätzlich war die Stimmung im Saal für den Bau eines Bettenhauses", sagt Nickl. Mehrfach wurde die Erweiterung aber auch hinterfragt und als überdimensioniert kritisiert. In der Zeitung wollen die Kritiker nicht mit ihrem Namen stehen, aus Sorge, als Gegner des Klosters und Miesmacher dazustehen. Tatsächlich gehe es darum, die Atmosphäre des Klosterhofs zu erhalten. Diese sei schließlich das Alleinstellungsmerkmal Speinsharts.

Schon jetzt sorgen Busladungen voller Touristen für übermäßigen Trubel in der sonst beschaulichen Klosteranlage. Vielen Besuchern falle es im historischen Ensemble zudem schwer zu unterscheiden, wo das öffentliche Kloster aufhört und die privaten Wohnbereiche beginnen. Nicht nur einmal sei es vorgekommen, dass plötzlich Touristen in einem privaten Wohnzimmer standen, weil ihnen nicht klar war, dass die Räume der früheren Klosterlandwirtschaft in Privatbesitz sind. Manch Bewohner fürchtet, dass eine Erweiterung der Kapazität auch eine Ausweitung der Belastungen bedeutet.

Das glaubt Pater Benedikt nicht. "Die Gästebetten sind für Seminarteilnehmer gedacht, nicht für Touristen." Grundsätzlich hat der Prior aber Verständnis für die Sorgen der Speinsharter, genau wie Bürgermeister Albert Nickl. Natürlich belaste der Betrieb die Anwohner. Allerdings müsse man sich entscheiden, was man denn wolle. "Jahrelang hat man sich gewünscht, das Kloster möge aus dem Dornröschenschlaf erwachen", sagt der Prior. Vielleicht war sich mancher nicht bewusst, was dies bedeutet. Fest steht, dass das Kloster mehr Gästebetten benötigt, um sich selbst zu tragen. "Natürlich müssen wir die Belange der Nachbarn dabei beachten."

Auch die Anwohner signalisieren Verständnis für den wirtschaftlichen Druck auf das Kloster. "Wir wollen nur nicht, dass unsere Interessen völlig untergehen." Manchmal mache man sich deswegen Sorgen. Wenn es nach Bürgermeister Nickl geht, sind diese unbegründet. Ganz ohne Belastung werde es nicht gehen. Allerdings gebe es Spielraum, um diese Belastung zu minimieren. Nickl denkt an die Parkplatzsituation. Vielleicht lassen sich Besucherströme besser lenken. "Wir müssen kreativ sein, wenn wir nach Lösungen suchen." Kreativität ist zunächst aber bei der Umsetzung des Bauprojekts gefragt. Kurzfristig werde nichts daraus, sagt Benedikt. "So viel Zuschuss kann es gar nicht geben."

So viel Zuschuss kann es gar nicht geben.Pater Benedikt Schuster über die schlechten Aussichten für den Bau eines Bettenhauses
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