04.09.2017 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Landwirte berichten Minister Helmut Brunner vom Schwarzwildproblem Die Wildsau ist los

Haselbrunn/Speinshart. Die Runde, die sich da im Bauernhof von Josef Rupprecht in Haselbrunn zu einem "Brandgespräch" mit Minister Helmut Brunner traf, war zwar klein, aber das Thema ist bundesweit groß und hochaktuell. Die Schäden in der Landwirtschaft nehmen durch die Wildschweinpopulation zu, Verkehrsunfälle häufen sich, die Jagdpächter schließen bei Neuverpachtungen von Jagden Haftungen aus und auch der Staatsforst steht im Kreuzfeuer der Kritik.

Symbolbild: Lino Mirgeler/dpa
von Robert DotzauerProfil

"Überall dort, wo Gemeinschaftsjagden an den Staatsforst grenzen, brennt es lichterloh", hieß es bei der Diskussion mit dem Landwirtschafts- und Forstminister. "Das Dilemma sind die extrem hohen Wildschweinschäden, die nicht nur im Raum Speinshart paradiesische Verhältnisse vorfinden", bemerkte Bürgermeister Albert Nickl. Bisher herrschte ein gutes Miteinander zwischen Landwirten, Jagdpächtern und Gemeinde, betonte er. Heuer seien zum Beispiel schon 40 Sauen geschossen worden.

Doch der gemeinsame Strang scheint zu reißen. Die Schwarzwild-Population wird von der Staatsjagd zu wenig ernst genommen, hieß es am Freitagabend am "runden Tisch". Alfons Höllerl, Jagdvorsteher des 600 Hektar großen Reviers Seitenthal, klagte: "Zum ersten Mal muss die Jagdgenossenschaft für Wildschäden haften." Ohne diese Garantie sei das Revier nicht mehr zu verpachten. Höllerl sprach von Mais-Schäden in Höhe von mindestens 6000 Euro in diesem Jahr. Noch halten die Bauern still, erzählte der Jagdvorsteher dem Minister. Doch dieser Entschädigungsverzicht werde nicht von Dauer sein. Als ersten Schritt forderte Höllerl eine Drückjagd der Staatlichen Forsten nicht nur auf Rehe. "Auf 80 Hektar Eigenjagdfläche schießt der staatliche Revierförster 20 Rehe", wusste er. Höllerl empfahl, auch auf die Wildsauen das Feuer zu eröffnen. "Die stehen nicht mehr im Einklang mit der Natur."

Für das Jagdrevier Tremmersdorf schlug Thomas Gmelch vor, einen Mindestabschuss für Wildschweine anzuordnen. Immer wieder steht Hans Traßl, Jagdvorsteher der 600 Hektar großen Speinsharter Jagd vor verwüsteten Flächen, die einmal Maisfelder waren. Der ausgeweitete Anbau von Mais ist geradezu eine Einladung für die Schwarzkittel. Für den Jagdvorsteher ist deshalb klar: "Es müssen neue Jagdmethoden zugelassen werden." Der sogenannte Saufang (eine große Falle, in die eine ganze Wildschweinrotte gelockt wird) sei zum Beispiel eine effiziente Möglichkeit, das Schwarzwildproblem in den Griff zu bekommen.

Bürgermeister Nickl ergänzte die Klagen der Jagdvorsteher mit der Bemerkung: "Wenn das so weitergeht, finden die Jagdgenossen keinen Jagdpächter mehr." Diese Entwicklung schade auch der Gemeinde und mancher sozialer Einrichtung, weil die Jagdgenossenschaften bisher Teile des Jagdpachtschillings für Wegebaumaßnahmen und soziale Zwecke zur Verfügung stellten. Der Rest der Jagdpacht diene der Absicherung bei Wildschäden.

Zum Thema der mangelnden Kooperationsbereitschaft des Staatsforstes verwies Brunner auf die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Staatlichen Forsten. Dennoch versprach der Minister in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender eine Abklärung. Er räumte ein, dass das Schwarzwildproblem bayernweit trotz riesiger Abschusszahlen aus dem Ruder laufe. Der Fachminister verwies auf Bestrebungen, mit allen Akteuren Konzepte zu erstellen, die Wildsaujagd effizienter zu gestalten.

Auch der Jäger gehöre zu diesem Verbund, Verantwortung zu übernehmen. Der Minister nannte als Beispiele den Saufang oder die Jagd mit Nachtzielgeräten. Zuständig für eine Genehmigung sei die jeweilige Untere Jagdbehörde bei den Landratsämtern. "Alle müssen Interesse haben, auch der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes", betonte Brunner und verwies auf die Notwendigkeit waldangepasster Wildbestände. Hintergrund

Hintergrund

Afrikanische Schweinepest

Speinshart. (do) Gleichzeitig warnte Minister Helmut Brunner vor einem noch größeren Schadensszenario. Es kursiere die Angst vor der Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest (ASP), bemerkte der Minister. Die Seuche sei schon in Polen diagnostiziert worden und damit nur noch 300 Kilometer von der Staatsgrenze entfernt. Für Menschen sei die Krankheit zwar ungefährlich, Wild- und Hausschweine könnten sich jedoch leicht auch über Gegenstände und Essensreste, die mit dem Virus infiziert sind, anstecken. "Die Auswirkungen eines Ausbruchs der ASP wären verheerend", betonte Brunner. Einen Impfstoff gebe es bislang nicht.

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