03.04.2018 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bavaria Brass spielt im Kloster Speinshart Mächtige Tonkunst zu Ostern

Ein Halleluja entfährt am Ostermontag vielen Musikfreunden. Ein Jubeln und Jauchzen schallt durch die Klosterkirche Speinshart. Dem Weiß und Blau beim Emmaus-Spaziergang folgen Glanz und Gloria beim Osterkonzert von Bavarian Brass.

Stehende Ovationen ernten die "glorreichen Sechs" von Bavarian Brass zum Schluss des Osterkonzerts. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Zum Auftakt der Speinsharter Konzertsaison gastierten am Ostermontag die Musiker von Bavarian Brass mit ihrem unverwechselbaren Klang aus Trompeten und Pauken, Orgel und Marimbaphon in der Klosterkirche. Festliche Klänge in einem festlichen Raum für die Sinne, wie Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, ankündigte, bestimmten den Emmausgang zum barocken Juwel der Nordoberpfälzer. Sein Wunsch nach einem traumhaften Klangerlebnis sollte sich bestätigen.

Festlich barock eröffnete Bavarian Brass das Konzert mit vier Sätzen aus dem "Gelegenheitsoratorium" von Georg Friedrich Händel. Während bei der Uraufführung des Werks 1746 das Parkett im Theater leer blieb, zog das Sextett von Bavarian Brass, das im kommenden Jahr bereits ein Vierteljahrhundert besteht, rund 700 Zuhörer in die Speinsharter Klosterkirche. Schon bei der Ouvertüre war zu spüren, welch unglaubliche Musikalität und Spielfreude jeder einzelne Musiker des Ensembles besitzt: Die Trompeter brillierten gleich von Beginn an in der höchsten Lage, Christoph Günther verlieh während des gesamten Konzerts den Werken bestechend klare Akzente an Pauken und Schlagwerk, und Walter Thurns Fingerfertigkeit begleitete gekonnt an der Orgel in rasenden Sechszehnteln-Noten. Voller Lebendigkeit und österlicher Freude war sogleich das Rondo in G von John Bull, das der Eschenbacher Orgelvirtuose solistisch auf der Steinmeyer-Orgel präsentierte, deren Klangreichtum der Organist voll ausschöpfte.

Viele Eigenbearbeitungen

Mit fünf Eigenbearbeitungen erwies das Ensemble dann dem großen Barockmeister Johann Sebastian Bach seine Referenz. Mit einfühlsamer Virtuosität bestach wie so oft Christoph Günther auf seinem Marimbaphon. Mit zwei Werken wandelte der Hofer in unglaublicher Leichtigkeit mit den Hölzern seines Stabspiels in Klangsphären, die verzücken mussten. Andächtig lauschte das Publikum den schmeichelnden Klängen des Instruments. Ein Markenzeichen von Bavarian Brass sind Eigenbearbeitungen moderner Werke, die auf das Ensemble zugeschnitten sind. Diese bildeten den zweiten Teil des Konzertnachmittags. Das "En Aranjuez Con Tu amor" entstammt einem der bekanntesten Gitarrenkonzerte des spanischen Komponisten Rodrigo und beschreibt die Gärten des Königlichen Palastes von Aranjuez südlich von Madrid. Dass ein Gitarrenkonzert mit vier Trompeten und Orgel wundervoll klingen kann, war dem Spiel des ersten Trompeters Benjamin Sebald zu verdanken, der viele Eigenbearbeitungen selbst schreibt.

Wie so oft glückten Bavarian Brass mit ihrer Programmauswahl weitere Volltreffer. Mit einer stetig sich steigernden Dynamik präsentierten die sechs Vollblutmusiker Karl Jenkins "Palladio". Bei "Conquest of Paradise" griffen die Trompeter anfänglich zur Stimme, um dann die zunächst mollschwere, dann dur-feierliche "Henry-Maske"-Hymne im Bolero-Rhythmus grandios zu interpretieren und später Ravels Bolero-Melodie einzubauen. Noch einmal verbreitete Walter Thurn Osterfreude pur, indem er ein "Trumpet Tune" des bekannten britischen Komponisten Christopher Tambling auf der Königin der Instrumente präsentierte.

25-jähriges Bestehen

Nach einem einfühlsamen "Hearts and Amor" erklangen weitere musikalische Ohrwürmer. Edward Elgars "Pomp and Circumstance", das im Vereinigen Königreich mindestens genauso bekannt ist wie die Nationalhymne, entzückte die Besucher. Eine Musik, die sich König Edward VII. für seine Krönungsfeier wünschte, versinnbildlichte in Speinshart die Auferstehung des Königs der Könige. So gelang es Bavarian Brass, die Ostertage erfahrbar zu machen.

Stehende Ovationen der zirka 700 Konzertbesucher spornten das Ensemble zu Zugaben an. Mit wirbelnden Klöppelköpfen streichelte der Hofer Christoph Günther mit einem "Carmen"-Medley erneut die Tonplatten seines Marimbaphons. Schließlich entfaltete das Ensemble noch einmal seine mächtige Tonkunst mit dem sehnsüchtig erwarteten "Highland Cathedral". "Wir kommen wieder", versprach Ensemble-Chef Benjamin Sebald. Zum 25-jährigen Bestehen von Bavarian Brass darf sich das Publikum gleich zweimal freuen. Am Ostermontag 2019 und bei einem Freiluft-Konzert im Innenhof des Klosters.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.