20.02.2018 - 20:00 Uhr
Speinshart

Begeisterter Schlussapplaus: Konzert des Duos "Cantar alla Viola" beendet spektakuläres ... Erlesene musikalische Perlen

Kammermusik in trauter Zweisamkeit erklingt im Musiksaal von Kloster Speinshart. Der besondere Konzertnachmittag rundet ein spektakuläres Herbst-/Winter-Programm der Internationalen Begegnungsstätte ab, wie deren Leiter Thomas Englberger anmerkt.

Unter dem Titel "Cantar alla Viola - Musica Poetica" verzauberten Sopranistin Nadine Balbeisi und Fernando Marín an Cello und Viola da Gamba im Musiksaal von Kloster Speinshart die Zuhörer. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Als Duo "Cantar alla Viola" hielten Sopranistin Nadine Balbeisi und der Lyra-viol-Spezialist Fernando Marín ein entsprechend romantisches Liederprogramm bereit. Gesänge ganz nach dem Zeitgeschmack, für die Balbeisi das rechte Gefühl mitbrachte. Im Gleichklang fesselten die Konzertbesucher die Basslinien der Viola da Gamba von Fernando Marín. Geschmeidig wie ein zweiter Sänger und mit gleichsam wischenden und stützenden Gesten ergänzte der Musiker die Gesangsbeiträge.

Für die lauschende Hörerschaft im voll besetzten Musiksaal entwickelten sich Harmonien für feine Ohren, eingebettet in romantische Frühbarock-Klänge. "Cantar alla Viola" nennt man die alte Kunstfertigkeit, Gesang nur durch eine einzelne Viola da Gamba zu begleiten und so eine Melodie durch Polyphonie zu bereichern. Die Wiederentdeckung dieser einstmals in ganz Europa verbreiteten Spieltechnik inspirierte auch die große Besucherschar.

Aufs Träumen eingestellt

Schon beim Auftakt verneigten sich die beiden Künstler vor dem Reformationsjubiläum. "Ich komm aus fremden Landen her", hieß die Volksweise aus der Zeit vor 1530, die frei nach Martin Luther erklang. Und auch der Beitrag "Vom Himmel hoch, da komm ich her" des Komponisten Johann Walter, 1496 im thüringischen Kahla geboren und 1570 in Torgau an der Elbe verstorben, versprach romantische Stunden. Diese Einschätzung des ganz aufs Träumen eingestellten Publikums sollte sich rasch bestätigen. Das sanfte dunkle Spiel der Fidel und Balbeisis mühelos fließende, glockenreine Naturstimme mit warm leuchtenden Höhen und gehauchten Pianos spürten mystischen Linien nach. Da öffneten sich die Herzen der Zuhörer.

Zu Unrecht vergessen

Sie genossen ein Singen und Musizieren der Extraklasse, das in drei Konzertabschnitte unterteilt und immer wieder durch einführende Worte des Duos ergänzt war. Johann Walter, Heinrich Isaac, Sylvestro Ganassi oder Juan del Encina: Diese Komponisten aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind außer Musikhistorikern kaum jemandem bekannt, ihre Werke werden nur noch selten gespielt. Dass sie jedoch zu Unrecht vergessen sind, zeigte das kleine, feine Konzert aufs Schönste.

Dass das Duo auch einen Oberpfälzer Komponisten würdigte, fiel vermutlich nicht einmal den Künstlern auf. Das "frische teutsche Liedlein" aus der Renaissance feierte Wiedergeburt: "Erweckt hat mir das Herz" stammt aus der Feder von Georg Forster, der einer alteingessenen Amberger Bürgerfamilie angehörte.

In warmer Vollendung folgten weitere religiöse und weltliche Werke vom Mittelalter bis zur Renaissance. Feinsinnig und voller archaischer Merkmale interpretierten Nadine Balbeisi und Fernando Marín auch die zauberhaften Kompositionen spanischer und italienischer Romantiker. Der Nachmittag mit erlesenen musikalischen Perlen inspirierte die Zuhörer zu einem begeisterten Schlussapplaus und das Künstler-Duo zu einigen Zugaben.

Die Künstler

Die jordanisch-amerikanische Sängerin Nadine Balbeisi ist Preisträgerin des "Emerging Artist Award" der Uni Michigan. Zu ihrem Repertoire gehört das Spektrum der Kammermusik bis zur Oper vom 14. bis 18. Jahrhundert. Als Spezialistin für alte Musik hat sie besondere Gesangskunst für ihr Duo "Cantar alla Viola" entwickelt. Als Solistin tritt sie mit Orchestern auf und gab Konzerte und Liederabende in Europa und in den USA. Der aus Alicante stammende Gambist und Cellist Fernando Marín hat sich auf Streichinstrumente der Renaissance und des Barock spezialisiert. Im Duo "Cantar alla Viola" hat er eine eigene Technik zur Gesangsbegleitung entwickelt. Als promovierter Musikwissenschaftler forschte er auch zu Herkunft, Spieltechniken und Repertoire von Streichinstrumenten. (do)

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