20.04.2018 - 17:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bernhard Weigl berichtet über Geisterbeschwörung in der Oberpfalz Hexenpeter und Culimetto

Was haben eine Adelsfrau und ihr Jäger aus Rupprechtsreuth, ein Zauberkundiger aus dem Bayreuther Raum und der Kurfürst Karl Theodor miteinander zu tun? Sie sind die Hauptakteure in einer wahrlich kuriosen Geschichte des 18. Jahrhunderts.

In einem kurzweiligen Vortag erzählt Historiker Bernhard Weigl aus Mantel von einem Fall der Geisterbeschwörung aus der Oberpfalz. Bild: abu
von Angela BuchfelderProfil

Gut 50 Interessierte kamen am Mittwochabend ins Kloster Speinshart, um von Historiker Bernhard Weigl einen Einblick in die damalige Welt des Aberglaubens zu bekommen. Manch einer vielleicht auch mit dem Gedanken, selbst den einen oder anderen Zauberspruch zu erlernen.

Die Geschichte der Geisterbeschwörung selbst klingt wie eine kuriose erfundene Erzählung, fast schon wie ein konstruierter Film. Historiker Bernhard Weigl aus Mantel jedoch bestätigt: Alles ist wahr und durch erhaltene Gerichtsakten bestätigt. Zeugenaussagen der Beteiligten sind im Münchener Hauptstaatsarchiv bis heute verwahrt.

Im Mittelpunkt steht Freifrau Maria Magdalena von Junker, geborene von Satzenhofen, verwitwet 1746. Ihr Ehemann Freiherr von Junker, ein hoher Beamter, hinterlässt seine erst 33-jährige Frau und mehrere unmündige Kinder auf dem Adelsgut in Rupprechtsreuth. Und die Witwe plagen schwere Geldnöte, denn das Gut wirft nicht genug ab, um Familie und Dienstboten zu versorgen. Eine Magd erzählt ihr von einem Schatz, der im Gut vergraben sei. Dieser könne jedoch nur durch eine Geisterbeschwörung gehoben werden. So nah lag also die Lösung für das leidige Geldproblem der Freifrau. Doch wer könnte nun die Zauberei vollziehen?

Die Freifrau fragt ihren Jäger Franz Peter Peter, den "Hexenpeter", um Rat. Dieser sollte sich etwas mit der magischen Materie auskennen. Die Kenntnisse des Jägers reichen jedoch für die Beschwörung nicht aus und so holt er sich Rat von dem Bayreuther Michel Braun. Dieser weilte öfters in Kemnath bei Glaser Lenz. Von mehreren Reisen des Jägers und der Freifrau nach Kemnath wird berichtet, der Erfolg jedoch lässt auf sich warten. Und das, obwohl die Freifrau ihr Hab und Gut dafür einsetzt, ja sogar ihr Seelenheil aufs Spiel setzt.

Unterschrift mit Blut

Denn der Experte Braun aus dem Bayreuther Raum überlässt sein Wissen nicht kostenlos. Wertvolle Ringe, Ohrringe, geschliffene Flaschen und die Uhr des Dieners schickt die Freifrau mit. Neben diesen Gaben war ein Blatt mit der Unterschrift der Freifrau für den Zauber nötig. Diese sollte mit ihrem Blut geschrieben werden. Das löst große Angst bei der Freifrau aus, denn mit dem eigenen Blut will sie sich nicht der Unterwelt verschreiben. So muss das Blut eines Truthahns herhalten. Und Jäger Peter gibt sich alle Mühe, die Geisterbeschwörung zu erlernen. Sogar das Zauberbuch des Herrn Braun, "Die Schule", schreibt er ab und lernt die benötigten Charaktere, die Geheimzeichen und allerlei anderes magisches Wissen.

Und dann ist er da - der Geist Culimetto. Laut Jäger Peter taucht er sogar mehrmals auf, doch entweder zur falschen Zeit oder nur kurz. Der Geist stinkt, knabbert am Strohbett und spricht nicht oder nur unverständlich. Die Aussagen des Jägers werden immer kurioser. Der Amtsrichter in Parkstein erfährt von der Sache und fragt den Kurfürsten des Herzogtums Sulzbach, Karl Theodor, um Rat. Eine Adelige sei von einem Fall der Geisterbeschwörung und Hexerei betroffen - das Aufsehen wäre groß, wenn die Öffentlichkeit davon erführe. Dienstboten müssen aussagen, der Jäger wird befragt und festgenommen. Ein Jahr sitzt er im Gefängnisturm von Sulzbach, bis der Kurfürst ihn begnadigt. Alle Aktionen geschehen im Geheimen, denn niemand darf davon erfahren. Die Schande für das Herzogtum wäre zu groß.

Flehen um Gnade

Die Freifrau wird in Weiden vorgeladen. Von einer Zauberei wisse sie nichts, sie sei lediglich eine arme, unschuldige Frau. Was der Jäger und Herr Braun getrieben hätten, davon wisse sie nichts. Mit bitterlichen Tränen um Gnade flehend, entgeht sie einer Bestrafung. Ihr Sohn wird zwei Jahre nach der Geisterbeschwörung Frater im Kloster Speinshart und die Freifrau besucht ihn mehrmals dort. Von der "Sache" ist bis zum Tod der Freifrau von Junker im April 1783 nie wieder die Rede.

Bereits in früheren Jahrhunderten waren Zauberei, Geheimzeichen, Haselnussstäbe und Zauberkreise präsent. Auch die Vorstellung der Hölle mit einem hierarchischen Aufbau aus Fürsten, Unterfürsten und Teufeln stammt bereits aus dem 12. und 13. Jahrhundert, erklärt Historiker Bernhard Weigl.

Bei seinem kurzweiligen Vortrag erzählt der Manteler Historiker viele Einzelheiten und Hintergründe des kuriosen Falls aus Rupprechtsreuth. Einblicke in die Literatur der Zeit, den Glauben und Aberglauben der Leute sowie Hintergründe zur Zauberkunst runden den Vortrag perfekt ab. Die Zuschauer und Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart, bedankten sich mit einem kräftigen und langen Applaus für die zeit- und kulturgeschichtlichen Einblicke in ein wenig bekanntes Grenzgebiet von Glauben und Aberglauben im 18. Jahrhundert. Die Verbindung zum Kloster Speinshart sei das "Tüpfelchen auf dem i", so Englberger.

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