05.03.2018 - 12:30 Uhr
Speinshart

FC Tremmersdorf braucht Führungskräfte Erfolgreich - vor dem Abgrund

Der sportliche Höhenflug ist bemerkenswert, der FC Tremmersdorf schuldenfrei. Und dennoch: Keiner will dem Creußenclub vorstehen. Die vergebliche Suche nach Vorsitzenden trübt die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung.

"Niemand kann so einen Verein aus 120 Kilometer Entfernung führen." Zitat: Johannes Karl, Noch-Vorsitzender des FC Tremmersdorf
von Robert DotzauerProfil

Tremmersdorf. Es hatte sich vor einem Jahr angedeutet: Der junge FC-Vorsitzende Johannes Karl, erst 2016 ins Amt gewählt, kündigte seinen Rückzug an. Das FC-Gewächs nannte berufliche Gründe. "Niemand kann so einen Verein aus 120 Kilometer Entfernung führen." Ein gutes Argument, fanden die Mitglieder. Da setzte der Stellvertreter noch eins drauf. Auch Mathias Pleiß war auf Dauer die Doppelbelastung eines Arbeitsplatzes im Landkreis Neumarkt und die Verantwortung in der FC-Führung zu viel.

Beide Vorstände verwiesen in der Jahreshauptversammlung im FC-Sportheim auf ergebnislose Gespräche auf der Suche nach Nachfolgern. Was nun? Auf der Tagesordnung waren die Neuwahlen angekündigt. Ein Appell an die Mitglieder, fruchtete nicht. Auch als Johannes Karl das Schreckensszenario einer Vereinsauflösung ins Spiel brachte: Niemand reagierte. Johannes Karl informierte deshalb über die weiteren Schritte, verwies auf die Satzung und Auskünfte des Registergerichts. Er erklärte sich mit seinem Co-Vorsitzenden Mathias Pleiß bereit, den Club bis zu einer weiteren Versammlung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt Neuwahlen weiterzuführen. Deshalb verzichtete Karl auch auf die anderen Neuwahlen. "Für eine hoffentlich kurze Übergangszeit regieren wir weiter", erklärte Karl. Dies sieht auch die Satzung so vor.

Zum Dilemma meldete sich als erster das Ehrenmitglied Norbert Schnödt zu Wort. Das FC-Gründungsmitglied gab zu: "Heute taucht ein Problem auf, dass es so noch nicht gab." Er erinnerte an glorreiche Zeiten, verwies auf den Top-Zustand des Vereins: "Auf diesem Fundament müssen wir es schaffen, zukunftsfähige Strukturen aufzubauen." Norbert Schnödt dachte unter anderem an eine Arbeitsentlastung der Führungscrew. Er wolle vermitteln.

In der weiteren Diskussion wurde die frühere Führungsrolle der ehemaligen Vorstände Andreas Steinl senior und Andy Steinl junior deutlich. Erst jetzt werde klar, wie groß der Einsatz der Familie Steinl gewesen war. Hoffnung verbreitete zweiter Vorsitzender Mathias Pleiß. Der Verein stehe so gut da, dass eine Welle der Begeisterung Vereinsmitglieder an die Führungsspitze spülen müsste. Auf diese Euphorie hofft Pleiß bei den Sondierungsgesprächen.

Auch Josef Scherl junior gibt die Hoffnung nicht auf. "Wir sollten an eine neue Aufgabenverteilung denken", erklärte er. "Wir wollten vor zwei Jahren einen Generationenwechsel, der zunächst gelang", bemerkte Scherl. Niemand habe mit den zusätzlichen Belastungen der Vorstände rechnen können. Scherl gab zu: "Am Vorsitzenden hängt brutal viel". Umso größer sei die Herausforderung, Nachfolger zu finden. Scherl empfahl als Sofortmaßnahme eine Task Force, um im kleinen Kreis eine neue Führungsriege zu suchen.

In die Debatte schaltete sich schließlich Bürgermeister Albert Nickl ein. Der Gemeindechef betrachtete es als ein "Muss", die erfolgreiche FC-Geschichte fortzuschreiben. Auch Nickl plädierte für Arbeitserleichterungen und eine Verteilung der Aufgaben. Rückblickend zeige sich erst jetzt die multifunktionelle Tätigkeit der Familie Steinl. "Eigentlich müsste der Verein FC Steinl heißen." Der Bürgermeister verwies auf die eigenen Initiativen im Vorfeld und empfahl wie Josef Scherl die Bildung eines ausgewählten Mitgliederkreises. "Jemand muss über seinen Schatten springen", forderte Nickl und beförderte den FC zum Flaggschiff der Gemeinde und zum Herz des Vereinslebens.

Niemand kann so einen Verein aus 120 Kilometer Entfernung führen.Johannes Karl, Noch-Vorsitzender des FC Tremmersdorf

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