15.04.2018 - 19:28 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Gerissenes Schaf auf einem Hof bei Speinshart Wolf unter Verdacht

Seit Wölfe in die Nordoberpfalz zurückgekehrt sind, machen sich Viehzüchter sorgen. Gut möglich, dass nun tatsächlich ein Wolf auf einem Hof zugeschlagen hat.

Symbolbild: Carsten Rehder/dpa
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Hat ein Wolf erstmals seit der Rückkehr der Raubtiere in die Nordoberpfalz ein Haustier gerissen? Sicher beantworten kann diese Frage nur ein DNA-Abgleich, ein Ergebnis wird wohl erst in mehreren Wochen vorliegen. Schon heute sprechen Indizien dafür, dass es tatsächlich ein Wolf war, der vergangene Woche ein Kamerunschaf auf einem Hof im Speinsharter Ortsteil Barbaraberg (Kreis Neustadt/WN) gerissen hat.

Hans Lehner war als Experte des "Netzwerk große Beutegreifer" im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt in Barbaraberg vor Ort, um den Kadaver zu begutachten. Er sagt, dass er sich nicht festlegen will, bevor ein eindeutiges Ergebnis vorliegt. Zu häufig wurde in den vergangenen Monaten ein Wolf ins Spiel gebracht, wenn irgendwo ein Tier verendete und die Todesursache unklar war. Bisher habe sich immer eine andere Todesursache nachweisen lassen. Oft seien die Tiere auf natürlichem Weg verendet, erst danach fraßen Räuber den Kadaver an.

Diesmal könnte der Fall anders liegen, sagt Lehner. Zwar war das Schaf schon etwa 30 Stunden tot, als er zur Begutachtung nach Barbaraberg kam. Ein typisches Merkmal für einen Wolfsriss war aber immer noch deutlich erkennbar: Das Schaf starb durch einen Kehlenbiss, eine Technik die typisch ist für den Wolf. Anschließend fraß das Raubtier von den Innereien der Beute, auch dies passe zum Wolf. Dass das Schaf am Nachmittag gerissen wurde, sei kein Gegenargument. "Es kommt vor, dass Wölfe bei Tageslicht aktiv sind."

Was ebenso dazu passt: Ein Nachbar ist sich sicher, am frühen Morgen des besagten Tages einen Wolf nahe am Dorf gesehen zu haben. Gegen 7 Uhr sei es gewesen, erinnert sich Thomas Ackermann. Der Wolf sei keine 30 Meter an seinem Haus vorbei über ein Feld Richtung Wald getrottet. "Mir und meiner Frau war sofort klar, dass das ein Wolf gewesen sein muss." Jagdpächter Christof Diepold glaubt den Ackermanns. Gesehen habe er noch keinen Wolf im Revier, aber seit die Tiere auf dem Übungsplatz leben, häufen sich Hinweise - ungewöhnliche Spuren, Rehwild, das sich merkwürdig verhält

Hubert Anton glaubt dagegen nicht, dass ein Wolf vom Truppenübungsplatz dem Schaf zum Verhängnis wurde. Ausschließen kann es der Wolfsbeauftragte des Bundesforsts Grafenwöhr zwar nicht. Wenn es sich aber tatsächlich um einen Wolfsriss handelt, hält der Experte vom Übungsplatz eine andere Erklärung für wahrscheinlicher: "Wölfe haben momentan Paarungszeit. Das bedeutet, dass die Elterntiere in den vergangenen Wochen die Welpen des Vorjahres aus ihrem Revier vertrieben haben", erklärt Anton. Deshalb seien derzeit viele junge Wölfe in Deutschland unterwegs auf der Suche nach einem neuen Platz.

Dabei legen die Tiere laut Anton Hunderte Kilometer zurück. Es sei also wahrscheinlich, dass Wölfe auf Wanderschaft die Region passieren. Bei solchen Tieren hänge es von ihren Erfahrungen ab, wie sehr sie Siedlungen meiden. "Wenn ein Tier gelernt hat, dass ein Schaf auf einer Weide leichte Beute ist, ist die Chance groß, dass es erneut nach Schafen Ausschau hält." Aber auch Anton mahnt wie Hans Lehner zur Vorsicht: Bis auf Weiteres sei alles Spekulation. Nur der DNA-Test könne klären, was dem Barbaraberger Schaf das Leben gekostet hat.

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