29.08.2017 - 16:02 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Interview mit Frater Korbinian König Zweifel dürfen durchaus sein

Kloster Speinshart feiert: Am Samstag bindet sich Frater Korbinian König bei der Ewigen Profess dauerhaft an den Konvent. Zeit für ein Interview.

Musik ist Teil seiner Spiritualität: Frater Korbinian König an der Orgel in der Klosterkirche. Bilder: exb (2)
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Frater Korbinian König sagt am Samstag, 2. September, "Ja" zum Kloster. Über seine Entscheidung für den Konvent und seine Zweifel spricht er im Interview ebenso wie über seinen Musikgeschmack.

Frater Korbinian, Sie sind häufig "in Zivil" unterwegs. Wie oft hören Sie dann den Ausspruch: "Das hätte ich nicht gedacht", wenn die Sprache auf Ihr Leben im Klosterkonvent kommt?

Frater Korbinian König : Das passiert schon manchmal. Zuletzt musste ich auf dem Gäubodenfest meinen Ausweis mit meinem Ordensnamen als Beweis vorzeigen. Die Reaktionen sind dann aber immer positiv. Die Leute interessieren sich für meine Beweggründe und für das Leben im Konvent. Wenn ich im Habit unterwegs bin, sind die Reaktionen anders. Die Menschen sind dann distanzierter.

Und anders herum? Raten ältere Geistliche Ihnen, sich gedeckter zu kleiden?

Nein, das ist noch nie vorgekommen. Bei entsprechenden Anlässen trage ich den Habit oder auch einen Anzug. Es kommt auf die Situation an. Im Alltag fühle ich mich in dieser Kleidung einfach wohler.

Sie sind seit fünf Jahren im Kloster. Wenn Sie an Ihre Vorstellungen damals zurückdenken: Was hat Sie am meisten überrascht?

Schon kurz vor der Einkleidung habe ich dem "Neuen Tag" ein Interview gegeben. Ich habe es vor kurzem wieder gelesen und mir gedacht: "Was hast Du da für Sachen erzählt." Ich hatte sehr idealtypische Vorstellungen vom Kloster. Aber dort leben eben auch nur Menschen.

Hatten Sie in den vergangenen fünf Jahren jemals Zweifel?

Natürlich gibt es Zweifel. Ich denke, das ist normal. Man darf auch Zweifel haben.

Was waren solche Momente?

Manchmal denkt man darüber nach, ob eine Partnerschaft der bessere Weg wäre. Mein Neffe wird demnächst zwei Jahre alt. Ich finde es schön, ihn aufwachsen zu sehen. Dabei taucht die Frage auf, ob Kinder für einen selbst eine Option wären.

Sie binden sich mit Ihrer Profess an eine Kirche, die schwere Zeiten erlebt. Nicht nur bei den Gläubigen, auch intern scheint umstritten, ob sich die Kirche öffnen oder an ihren Dogmen festhalten soll.

Theologie war nie etwas Festes, sie hat sich entwickelt und wird sich auch weiterentwickeln. Es gilt, sie im Lichte des Evangeliums und der Zeit zu deuten. Ich denke an Papst Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil.

Papst Franziskus steht in seiner Tradition. Der Papst sagt, dass im Zweifel die Pastorale vor der Dogmatik steht. Was hilft es, an der Lehre festzuhalten und dabei den Kontakt zu den Menschen zu verlieren?

Als jüngster Chorherr im Konvent: Machen Sie sich Gedanken, dass Sie der letzte Prämonstratenser Speinsharts sein könnten? Dass eine 1000 Jahre währende Tradition mit Ihnen zu Ende gehen könnte?

Früher hat mich das beschäftigt. Heute glaube ich, dass es immer weiter geht. Mit Reformation und Säkularisation gab es zwei Unterbrechungen und doch gibt es den Konvent noch immer. Als Johannes Bosco und ich eingetreten sind, war der Prior der Jüngste hier. Pater Benedikt könnte unser Vater sein. Heute gibt es zwei junge Chorherren. Das macht den Schritt für andere leichter.

Bei der Speinsharter Feuerwehr haben Sie ein Leistungsabzeichen abgelegt. Welche Aufgabe hatten Sie dabei übernommen?

Meine Kameraden haben mir den leichtesten Posten zugeteilt: Melder. Das geht aber nur beim Bronzeabzeichen. Beim nächsten Mal wird der Posten ausgelost.

Waren Sie schon bei einem echten Einsatz ?

Leider noch nicht. Ich bin zum Studieren in Regensburg und auch sonst viel unterwegs. Und seit wir unsere neuen Zimmer Richtung Süden bezogen haben, kann ich die Sirene nicht mehr hören. Vergangene Woche gab die Brandmeldeanlage im Kloster Alarm. Ich hab überlegt, zum Feuerwehrhaus zu laufen, hab mich dann aber dafür entschieden, direkt nachzuschauen. Es hat sich dann als Fehlalarm herausgestellt.

Sie sind Musik-Fan. Was läuft in Ihrem CD- oder MP3-Player?

Zuletzt bin ich von Regensburg nach Speinshart gefahren und hab mir "Once" von Williams Orbit aus Weiden angehört. Schade, dass es die Band zurzeit nicht gibt. Ansonsten bin ich als Organist natürlich Bach-Fan. Für die Profess-Feier habe ich zuletzt immer wieder das Chor-Stück: "Also hat Gott die Welt geliebt" von Heinrich Schütz gehört, das auch am Samstag zu hören sein wird. Zum Arbeiten höre ich bei Spotify gerne die Playlist Ambiance und Trance. Der heilige Augustinus hat gesagt: "Wer singt betet doppelt." Das sehe ich auch so. Musik ist ein Teil meiner Spiritualität. Nur mit Heavy Metal kann ich nichts anfangen.

Profess am Samstag

Frater Korbinian bindet sich am Samstag, 2. September, während eines Gottesdienstes um 10 Uhr für immer an die Gemeinschaft der Speinsharter Prämonstratenser. Die Chorgemeinschaft Sankt Georg und NOpf-Brass um Rene Bauer gestalten die Feier. Nach dem Gottesdienst wird es einen Empfang für alle Besucher geben. "Wer möchte, ist eingeladen." Der 24-Jährige wuchs als Florian König in Oberbibrach auf. Mit 16 Jahren konvertierte er vom evangelischen zum katholischen Glauben. Seit 2012 lebt Korbinian im Kloster Speinshart, 2013 begann er in Regensburg sein Theologiestudium. Wenn er studiert, wohnt er im Priesterseminar. Für das Kloster arbeitet er derzeit an einem Bildband über die Renovierung, die Anfang Oktober mit dem Rosenkranzfest nach über 20 Jahren abgeschlossen wird.

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