Landestheater Oberpfalz trumpft mit dem VolkssStück "Die Lokalbahn" auf
Ein "Grüßgott" mit Folgen

Begeistert feierte das Speinsharter Publikum die Leuchtenberger Schauspieltruppe: Das Landestheater Oberpfalz gastierte mit dem Stück "Die Lokalbahn" im Gemeindezentrum. Bilder: do (2)
Vermischtes
Speinshart
03.07.2017
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Bürgermeister Rehbein (Gerhard Kühner, von links) berichtete Redakteur Heitzinger (Tobias Schäffler) von seinem angeblich couragierten Auftreten beim Minister - Journalist und Gemeinderäte (rechts) staunten. Doch dann stellte sich heraus: Rehbein schaffte es in München lediglich zum "Grüß-Gott-Bürgermeister".

115 Jahre hat das Volksstück von Ludwig Thoma schon auf dem Buckel. Doch die Parallelen zu heute sind augenscheinlich. Im 19. Jahrhundert löst ein Bürgermeister eine Begeisterungswelle aus, weil er angeblich dem Minister die Stirn bietet. Doch bald stellt sich das Gegenteil heraus. Sündenbock ist die "Lügenpresse".

Die zeitlose Komödie, mit der die Akteure des Landestheaters Oberpfalz (LTO) in der Klosterdorfgemeinde auftrumpften, ist so ganz nach dem Geschmack von "Wutbürgern". Zunächst wird ein "Hosianna" auf den Dorfbürgermeister angestimmt. Aber bald schlägt dieses in Wut um. Der Provinzpolitiker scheint geflunkert zu haben. Und schuld ist nur das örtliche Volksblatt, das alles übertrieben hat.

Diese Geschichte elektrisierte am Samstagabend die circa 250 Besucher im überfüllten Gemeindezentrum. Schlechte Wetterprognosen lotsten das Publikum dorthin. Bürgermeister Albert Nickl war glücklich, eine "der besten bayerischen Theatergruppen" zu Gast zu haben, - und mit den auf Kurzweil eingestellten Besuchern von der grandiosen Schauspieltruppe begeistert.

Im Gegensatz dazu kann einem der Bürgermeister auf der Bühne leidtun. Im Dornstein herrscht dicke Luft wegen der geplanten Eisenbahnstrecke, die nicht durch den Ort, sondern nur daran vorbeiführen soll. Das hat die Regierung so beschlossen. Die Einwohner erwarten deshalb ein energisches Eingreifen des Bürgermeisters. Und dieser handelt. Er fährt nach München und protestiert heftig, wie er verkündet. Damit nehmen allerdings die Turbulenzen ihren Lauf.

Spießbürgerliche Posse

Das Publikum erlebte, inszeniert von Regisseurin Marlene Wagner-Müller, ein Stück mit doppeltem Boden: vordergründig, lustig, unterhaltsam, situationsbezogen, aber auch satirisch. Thoma schrieb das Stück 1902 in einer Zeit mit politischem und sozialem Sprengstoff. Damals herrschten in Bayern Prinzregent Luitpold und in Deutschland Kaiser Wilhelm II.

In der spießbürgerlichen Posse brillierte auf der Bühne in Speinshart Gerhard Kühner als Bürgermeister Rehbein. Sein Kampf gegen die Obrigkeit lässt die Bevölkerung zunächst jubeln und führt zu einer Lobeshymne in der Presse. Redakteur Heitzinger (Tobias Schäffler) preist den Bürgermeister als furchtlosen Gemeindechef. Dumm nur, dass die Realität ganz anders ist. Der Lokalpolitiker muss zugeben, dem Minister nur "Grüßgott" gesagt zu haben.

Die Turbulenzen verstärken sich durch die beruflichen Interessen von Rehbeins künftigem Schwiegersohn Adolf ((Tobias Schmauß). Der stocksteife Jurist fürchtet um seine Karriere und droht, die Verlobung mit Suschen (Barbara Kießling) zu lösen.

Zeitlos aktuell

Köstlich die Bonmots des Bürgermeister-Bruders und Ex-Majors Karl Rehbein (Holger Popp), der die Doppelmoral der Dornsteiner Gesellschaft immer wieder hinterfragt. So entstehen zeitlos aktuelle Wortspielereien. "Es fehlt überall an Rückgrat", findet der Major. Und: "Ein jeder wird so behandelt, wie er es sich gefallen lässt". "Die Männer sind launisch, aber daran gewöhnt man sich", behauptet die kluge Bürgermeistersgattin (Brigitte Beer).

Auch die herrlich überdrehte Martina Striegl als Bürgermeister-Schwägerin und "Dorfratschn" trug zu den Lachsalven bei. Bestückt mit vielen weiteren Lebensweisheiten bleibt das Volksstück temperamentvoll, spannungsgeladen und aktuell bis zum Schluss. Eine Glanznummer des LTO-Ensembles, die vom begeisterten Publikum mit einem Beifallssturm honoriert wurde.
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 04.07.2017 | 00:03  
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