Norbert Neugirg legt Speinshart in Schutt und Asche
Feuersbrunst mit Humor

"Zündeln" gehört zu seiner Philosophie. Auch eine Weihnachtlesung hinderte Norbert Neugirg nicht daran, im seit langem ausverkauften Gemeindezentrum Speinshart zu einem rhetorischen Rundumschlag auszuholen. Bild: do
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Speinshart
12.12.2016
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Brandrodung wurde für den Freitagabend angekündigt. Feuer marsch, hieß es dann im Gemeindezentrum. Wie so oft versteht es Norbert Neugirg, mit der Altneihauser Feierwehrkapell'n zu zündeln. Wer es besinnlich haben will, der ist an diesem Abend in Speinshart am falschen Ort. Und doch ist es eine textlich und musikalisch tiefgreifende Bescherung, verpackt in Witz und Humor, die die Zuhörer fesselt.

"Weihnachtslesung" nennt der Kommandant aus "Eschawo" das Programm, das am Freitag die Besucher verzückt. Norbert Neugirg präsentiert ein großes Weihnachts-Special. Das Programm überrascht, inspiriert, provoziert und lässt doch Wünsche offen - wie an Weihnachten auch.

Zur textlich tiefgreifenden Bescherung begleiten ihn fünf Musikanten der Altneihauser Feierwehrkapell'n, statt Ochs und Esel, wie der Künstler sagt. Musikalisch dominieren Tuba, Trompete, Horn, Posaune, Akkordeon, Klarinette und Saxofon. Schon in seinem Prolog sinniert Neugirg über die Zeit vor Weihnachten: "Advent, das ist die schöne Zeit, wo der Briefkasten Prospekte speit."

Zwei Stunden Feuersbrunst

Diesem eher bedächtigen Einstieg folgen auf Einladung der Gemeinde Speinshart rhetorische Peitschenhiebe in Reimform. Die Gastfreundschaft, die die Kultformation in Speinshart genießt, ist Neugirg völlig wurscht. Rücksichtslos müssen sich Bürgermeister Albert Nickl und die Gemeindebürger beschimpfen lassen. Und wer versteht diese Kunst besser als der Kommandant mit seiner Kapell'n, die jedes Jahr zu den unverzichtbaren Höhepunkten des Veitshöchheimer Faschings gehört. Doch während Neugirg mit seiner kultigen Mannschaft in der Fernsehsendung nur 20 Minuten zündeln darf, zerlegt er in einer zweistündigen Feuersbrunst mit seiner personell abgespeckten Löschtruppe die Speinsharter Idylle und legt besonders nach der Pause alles, was den Deutschen an Weihnachten wichtig und heilig ist, in Schutt und Asche.

Norbert Neugirg, am Freitagabend hochverdächtig in Zivil, legt einen Brandherd nach dem anderen. Mit einem "Feuer marsch" gibt er die Richtung vor. Und so brennt es lichterloh im Gemeindezentrum, als er für eine Verlegung der Prämonstratenser-Abtei nach Tremmersdorf wirbt. "Die Tremmersdorfer sind viel heller, kapieren des Pfarrers Predigt schneller", heißt es da und nach dem Zwischengesang "Fürchtet euch nicht" bekommt der Bürgermeister als Hilfs- und Notlandrat der Reserve sein Fett weg. "Von Langsamkeit befeuert, dieses Dorf seit Jahrzehnten erneuert. Das kommt dem Albert sehr gelegen, sich langsam zu bewegen, genauso wie die schwarzen Geister - und Nickl ist der Bürgermeister."

Prologe und Musik

Zu diesen örtlichen Wortwatschn gesellen sich "internationale Erfahrungen". Auf die Kreuzfahrt der "Altneihauser" mit der Costa-Linie eingehend findet Neugirg: "Italiens Kapitäne sind zwar nicht die hellsten, aber beim Untergang sind sie die schnellsten." Und auch die Deutsche Bundesbahn muss einstecken: "Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all. Morgen kommt das Christkind auf seinem Wagen, kommt es mit der Bahn, dann erst in 14 Tagen."

Auch im zweiten Teil der Lesung brennt es lichterloh. Neugirg provoziert und philosophiert. Die Botschaften des Kabarettisten, manches aus seinem Büchlein "Tusch eineinhalbmal" zitiert, haben Tiefenwirkung und auch Regisseur Christian Höllerer am Lesepult versprüht Esprit. Besonders die Männerwelt kann bei einigen Gedichten nicken. Der Kabarettist nennt sie Zyklen bayerischer Weihnachtstragödien. Die Erfahrungen aus dem Christbaumkauf bringt er auf den Nenner: "Soll ein Kauf in Ruh verlaufen, lass die Frau den Christbaum im Finstern kaufen." Es folgen Geschichten über ein Packerl aus Amerika, den Bratwurstbrauch, Rezepte für den Weihnachtskuchen, den Winterausbruch oder die Weihnachtsgans.

Zwischen den Prologen zaubern die fünf Instrumentalisten ein beachtliches musikalisches Repertoire bekannter Weihnachtslieder in Eigenkompositionen auf die Bühne. Schließlich zieht Neugirg aus dem Rundumschlag die Schlussfolgerung: "Advent, der Christbaum raucht. Euer Eintrittsgeld ist aufgebraucht. Der Himmel segne den Bürgermeister und seine einfallslosen Rathausgeister. Möge sie der heilige Geist erleuchten, sie sehen aus, als ob sie's bräuchten."
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