01.03.2018 - 20:00 Uhr
Speinshart

Pater Benedikt Schuster spricht über Grabmale und "Denkbilder" in der Klosterkirche Wenn "stumme" Gräber sprechen

"Stumm wie ein Grab": Wer offenen Auges einen Friedhof durchstreift, weiß, wie unpassend diese Redewendung ist. Denn Grabsteine und -platten sind nicht nur Denkmale für Verstorbene, sondern auch künstlerischer Widerschein ihrer Entstehungszeit.

Schon in der alten, 1692 abgerissenen Klosterkirche fand sich ein gotisches Stifterbild. Für das barocke neue Gotteshaus wurde es, ergänzt um eine Anspielung auf die Klostergründungslegende (Knappe mit Schimmel), als Deckengemälde nachgemalt. Ob das Stifterehepaar Adelvolk und Richenza je in der Kirche beigesetzt war, ist aber unbewiesen. Bilder: bjp (2)
von Bernhard PiegsaProfil

Pater Benedikt Schuster, der Prior der Prämonstratenserabtei, "übersetzte" im Dientzenhofer-Saal des Klosters rund 20 Besuchern einige der "Geschichten aus der Geschichte", die die Grabmale in der Klosterkirche dem aufmerksamen Besucher erzählen. 25 Begräbnisse in der 1692 abgerissenen alten und in der 1706 geweihten neuen Klosterkirche habe er ermitteln können, verriet er. Etliche Grabmale seien verschollen, einige habe man "zum Teil unter abenteuerlichen Umständen" bewahrt, von anderen gebe es zumindest Beschreibungen.

Das in seiner Gestaltung älteste "Denkbild", das Stifterbild an der Decke der Eingangshalle, sei die ergänzte Kopie eines gotischen Gemäldes: "An der Nordwand der alten Kirche muss sich zum Gedenken an die Klosterstifter ein Denkmal oder ein Altar befunden haben." Das Bild zeige Adelvolk und Richenza von Speinshart und mehrere ihrer Verwandten, erläuterte der Prior.

Eine dieser Personen, Eberhard von Reifenberg, werde oft als späterer Bamberger Bischof bezeichnet, doch sei dies umstritten: "Wäre er es gewesen, hätte man ihn auf dem Bild sicher mit einer Mitra oder einem anderen passenden Sinnbild gekennzeichnet." Die Stifter, beschrieb Pater Benedikt das Bild, übergäben der heiligen Maria eine Kirchenminiatur: "Nach damaliger Denkweise stifteten sie nicht dem Prämonstratenserorden eine Kirche, sondern der Gottesmutter, und beriefen dann Ordensleute, die den Dienst an dieser Kirche ausüben."

Das Modell des Gotteshauses trage die idealisierten Züge der alten Klosterkirche, wie sie wohl ursprünglich geplant gewesen sei: "Zwei Türme erhielt sie aus Kostengründen nie, doch waren Fundamente hierfür vorbereitet." Letztlich habe man aber nur den Wehrturm von Adelvolks Ansitz als Kirchturm in den Bau einbezogen, merkte der Redner an. Eine barocke Ergänzung des gotischen Ur-Bildes und eine Anspielung auf die Gründungslegende des Klosters sei der Knappe mit dem Schimmel. Naheliegend, aber nicht mehr zu belegen sei, dass Adelvolk und Richenza in dem von ihnen gestifteten Gotteshaus beigesetzt worden seien, erklärte der Prior.

Beim Abbruch der alten Kirche sei Denkmalpflege im modernen Sinn kein Thema gewesen: "Alles nicht verbaubare Alte wurde verramscht; in dieser Hinsicht war man im Barock nicht zimperlich." Die Grabmale zweier Äbte (siehe Infokasten) haben jedoch überlebt: "Sie wurden wohl im 'alten Museum', einem Gartenarbeitsraum, zwischengelagert, um sie als Zeugen für das Alter des Klosters vorweisen zu können." Auch nach der Säkularisierung 1803 sei vor einer Zerstörung zurückgeschreckt worden. Nun seien die Platten aber etliche Jahrzehnte in einem Garten gelegen, berichtete Pater Benedikt.

Eine Mitte des 19. Jahrhunderts von der Denkmalschutzbehörde angestoßene Auseinandersetzung um das Schicksal der Monumente sei fruchtlos verlaufen: Pfarrei wie Staat hätten gleichermaßen bestritten, Eigentümer zu sein, um nicht mit Baulast und Unterhaltspflicht beschwert zu sein. Derlei Streitereien habe es auch um das im Klosterhof ungeschützt lagernde Epitaph Christoph von Gleißenthals, eines 1554 verstorbenen Verwandten des letzten vorreformatorischen Abts, gegeben: "Der Stein ist später verschollen."

Neuer Platz unter Orgelempore

Erst im 20. Jahrhundert wurden die beiden Abt-Grabdenkmale aus dem 16. Jahrhundert in die Kirche zurückgebracht, wie es der Denkmalschutz schon ein Jahrhundert zuvor bei der Pfarrei angeregt hatte. Die Steine wurden in die Wände unter der Orgelempore eingefügt.

Einer davon habe den Begräbnisort des 1503 verstorbenen und vor dem Hochaltar der alten Kirche beigesetzten ersten Speinsharter Abts Georg Ochs von Gunzendorf geziert, erläuterte Pater Benedikt Schuster: "Im 15. Jahrhundert wurde das Kloster zur Abtei erhoben, aus Pröpsten wurden Äbte." Mutmaßlich sei Abt Georg der Sohn eines markgräflich-brandenburgischen Landpflegers von Neustadt am Kulm gewesen: "Beweisen kann man es aber nicht."

Die zweite Platte erinnere an den dritten, 1522 verstorbenen Abt Konrad von Wichsenstein, der aus einer Landadelsfamilie aus der Fränkischen Schweiz stammt: "Unser Konvent rekrutierte sich im Mittelalter aus dem fränkischen Kleinadel." Beide Steine zeigten die Häupter der Äbte auf Kopfkissen liegend: "So, wie sie nach ihrem Ableben auf dem 'Paradebett' aufgebahrt waren". (bjp)

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