15.09.2017 - 15:50 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Scheune gerettet

Die Gemeinde Speinshart ist reich an historischen Bauten. Nicht immer sind die Privateigentümer über diesen "Segen" glücklich. Dennoch machen sie das Beste aus den Gegebenheiten, wie das jüngste Beispiel im Gemeindeteil Haselhof zeigt.

Gemeinsam wagen sich die beiden Eigentümer Gerhard Diepold und Georg Schraml an die Sanierung des stattlichen Stadels in Haselhof. Das Gebäude diente ab dem 17. Jahrhundert dem Kloster Speinshart als Meierhof und steht unter Denkmalschutz. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

"Es schaut gut aus." Diese regelmäßige Feststellung des Speinsharter Bürgermeisters klingt wie Musik in den Ohren der Gemeinderäte. Der Rubel rollt bei den Projekten der Gemeinde. Und wenn es sich einmal um eine Privatmaßnahme handelt, ist die Gemeinde unterstützend dabei, auch ohne Rubel. Deshalb scheint auch das "Projekt Haselhof" in trockenen Tüchern. Dabei handelt es sich um einen riesigen Stadel mit den Ausmaßen von 40 mal 15 Meter, der auf eine Substanzsicherung und Sanierung wartet.

Der Steinstadel mit der Hausnummer Haselhof 1 ist keine gewöhnliche Scheune. Das Gebäude ist uralt. Vermutlich der älteste Bau in der Gemeinde. Eigentlich eine Allerwelts-Angelegenheit, das "Gerümpel" abzubrechen, wie es schon mehrfach hieß. Wenn da nicht der Denkmalschutz auf die Scheune aufmerksam geworden wäre. Seitdem gehört das Gebäude zu Bayerns Denkmälern. In der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz heißt es: "Haselhof 1a: Stadel des ehemaligen Klostermeierhofs, stattlicher Satteldachbau, Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderungen, im Kern spätmittelalterlich, 1652 wiedererrichtet. Bildstock und Sandstein-Inschrift."

Den Landwirten Gerhard Diepold und Georg Schraml gehört der mächtige Bau je zur Hälfte. Die Scheune abzubrechen, ein früherer Wunsch von Gerhard Diepold, hat keine Chance. Für die Denkmalschützer ist der Stadel eine der bedeutendsten historischen Anlagen in der Region. Deshalb suchten seit einem Jahr die Beteiligten nach Lösungen jenseits einer "Entsorgung". Die scheint nun in Reichweite. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend berichtete Bürgermeister Albert Nickl von einem Kompromiss zwischen den Eigentümern, dem Denkmalamt und dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Der Stadel wird saniert, heißt es nun. Gleichzeitig bestehe Einverständnis, alle Anbauten zu entfernen, um das Gebäude in seiner ganzen imposanten Mächtigkeit erstrahlen zu lassen.

Für Bürgermeister und Gemeinderat eine gute Entscheidung. Nickl sieht die Restaurierung des ehemaligen Meierhofes des Klosters als wichtigen Mosaikstein im Bemühen um die Revitalisierung des gesamten Klosterdorfes. Der Dank des Gremiums war den beiden Bauherren deshalb gewiss. Leichter macht die Sanierungsbereitschaft der Eigentümer eine großzügige Förderung durch staatliche Institutionen. Dennoch bleibe für die Haselhofer eine erhebliche Belastung, beeilte sich der Bürgermeister festzustellen. Zu erwarten sind Zuschüsse aus den Fördertöpfen des Denkmalschutzes, der Dorferneuerung und der Bayerischen Landesstiftung. An eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde sei nicht gedacht, bemerkte Nickl.

Fragen zur künftigen landwirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes blieben in der Gemeinderatssitzung offen. Die Informationen des Bürgermeisters dienten dem Gremium zur Kenntnisnahme. Nickl hatte den Behörden bereits in einer Eilentscheidung das Einverständnis der Gemeinde zur sogenannten Erteilung einer Erlaubnis nach dem Denkmalschutzgesetz mitgeteilt.

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