04.03.2018 - 18:12 Uhr
Speinshart

Schlichte Platten oder stolzes Familiendenkmal: Grabmale in der Klosterkirche erzählen ... Ein Epitaph auf Wanderschaft

Nicht lange hat das Epitaph des 1580 verstorbenen letzten vorreformatorischen Abts und ersten protestantischen "Verwalters" Johann Georg von Gleißenthal in der Klosterkirche verbleiben dürfen, erzählte Pater Benedikt Schuster in seinem Vortrag über Gräber und Grabmale in dem Gotteshaus (wir berichteten). Im Zuge der Gegenreformation im 17. Jahrhundert soll es als Denkmal eines zum Protestantismus übergetretenen "Abtrünnigen" im Brauereigebäude (heute Klostergasthof) vermauert und nach der Wiederentdeckung 1880 in die evangelische Pfarrkirche von Neustadt am Kulm überführt worden sein: "Der Speinsharter Pfarrer, so heißt es, hatte eine Wiederaufstellung in den Klostergebäuden abgelehnt."

Eines der schönsten Grabdenkmale in der Speinsharter Kirche ist die Grabplatte für Georg Nebenheg. Er fungierte als Klosterrichter, also als leitender Verwaltungsbeamte mit gewissen richterlichen Kompetenzen.
von Bernhard PiegsaProfil

Überliefert sei, dass beim Hochaltar der alten Kirche der 1629 verstorbene Oberbibracher Pfarrer und "Rückführer zum katholischen Glauben" Thaddäus Stralenwein begraben wurde, berichtete Schuster. Der Benediktinerpater sei vom niederbayerischen Kloster Oberalteich in die Nordoberpfalz entsandt worden: "Der Oberalteicher Abt Veit Höser stammte aus Kirchenlaibach, seine Familie musste aus Glaubensgründen die evangelisch gewordene Heimat verlassen. Und deshalb war sein Kampfziel: Wo wir die Protestanten niedermachen können, tun wir das." Hierfür habe Höser zahlreiche Geistliche in die Oberpfalz geschickt: "Diese massive gegenreformatorische Benediktinermission ist im Gegensatz zur Jesuitenmission wenig bekannt."

Im Altarraum der 1706 geweihten neuen Kirche habe das Grabmal des 1674 verstorbenen Paters Marian Staiger, der der erste Präses nach der Wiedererrichtung des Klosters 1661 war, einen neuen Ehrenplatz gefunden, informierte der Prior. Dort seien auch die sechs im 18. Jahrhundert verstorbenen Äbte in Einzelgrüften oder Erdgräbern bestattet worden.

Diese seien mit schlichten Platten gekennzeichnet worden: "Die Fehler in einigen lateinischen Inschriften haben anscheinend niemanden mehr gestört." Eine Krypta (Grabgewölbe) habe es, anders als etwa in Waldsassen, nicht gegeben. Der von 1734 bis 1771 amtierende Abt Dominikus von Lieblein habe zwar ein aufwendigeres Grabdenkmal im Stil der Epitaphe aus dem 16. Jahrhundert vorbereiten lassen, es sei aber nicht verwendet worden, teilte der Redner mit.

Erst 1960 sei der zerbrochene Stein in einem zugemauerten Durchgang zwischen Kirche und Kreuzgang aufgefunden, restauriert und in eine Wand unter der Orgelempore eingefügt worden. Auch "Laien" hätten in der Klosterkirche ihre letzte Ruhestatt gefunden, wie ein Blick in die Nepomukkapelle, die traditionelle Begräbnisstätte der Klosterrichter, zeige.

Unter anderem befinde sich dort "das stolzeste Familiendenkmal unserer Kirche", das an den 1738 verstorbenen Klosterrichter Georg Nebenheg, seine Gattin und elf gemeinsame Kinder erinnert. Auch einige ursprünglich im Kirchenschiff befindliche Grabdenkmale seien in die jetzige Beichtkapelle versetzt worden, sagte Pater Benedikt. So etwa die Grabplatte für Ludwig von Riquette, einen katholischen Minister am evangelischen markgräflich-bayreuthischen Hof: "Er besuchte die Messe in Speinshart und wollte auch hier begraben sein."

Frühbiedermeierliches Flair verbreitet die mit holprigen Versen beschriftete Tafel für Pater Kajetan Odino von Werner: "Aus Gnade durfte der zeitweilige Pfarrer von Eschenbach und Kastl auch nach der Säkularisierung im Kloster wohnen und starb 1813 mit 83 Jahren. Dies war das letzte Begräbnis in unserer Kirche." Die Forstmeister seien in der Silvesterkapelle beigesetzt worden, merkte der Prior an: "Von diesen Gräbern sind keine Spuren mehr da."

Kreuzgang als Friedhof

Ein Kuriosum verbinde sich mit der Person einer "Frau Kürzendörffer" aus Seitenthal, wusste Pater Benedikt Schuster zu berichten: "Unter Abt Dominikus von Lieblein wurde der alte Friedhof zwischen Wieskapelle und Klostergasthof aufgehoben, der neue Friedhof hinter der Wieskapelle aber nicht sogleich geweiht." In der Zeit dazwischen sei die Frau jedoch gestorben: "Weil ein Begräbnis in ungeweihter Erde ein Skandal gewesen wäre, wurde ihr die Ehre zuteil, in der Silvesterkapelle begraben zu werden."

Zum Schluss seines Referats sprach der Prior noch über die Beisetzung von Konventsangehörigen im Ost-, Nord- und Westflügel des Kreuzgangs. Die Fußbodenplatten seien dort zugleich Grabsteine gewesen. Einige davon seien, wenn auch teilweise nur als Fragmente, erhalten geblieben, darunter jene des 1698 verstorbenen "missionarius steingadensis" ("Missionars aus Steingaden") Pater Edmund Haimblinger: "Er gehörte zu den ersten, die 1661 von der Abtei Steingaden aus unser Kloster neu besiedelten."

Auf einigen Platten sei die "Landsmannschaft" vermerkt: So weise "Neopalatinus" (Neupfälzer) auf eine Herkunft aus pfalz-neuburgischem oder Weidener Gebiet hin, "Palatinus" (Pfälzer) stehe für die eigentliche Oberpfalz. (bjp)

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