Wasserzweckverband Seitenthaler Gruppe: Vorsitzender Josef Wiesend geht
"Wasserpapst" dankt ab

Beim Wasserzweckverband Seitenthaler Gruppe kam es zu einem "Regierungswechsel": Nach dem Rückzug des langjährigen Vorsitzenden Josef Wiesend (Dritter von rechts) aus dem Amt wählten die Verbandsräte Roland Hörl (links daneben) zu seinem Nachfolger. Mit im Bild (von links) Bürgermeister Albert Nickl und stellvertretender Verbandsvorsitzender Hans Besold aus Scheckenhof sowie (von rechts) Stadtrat Manfred Rix als Vertreter der Stadt Neustadt am Kulm und Reinhard Stöckl, der Geschäftsführer des Zweckverbands
Wirtschaft
Speinshart
05.07.2017
172
0

Er war 22 Jahre lang erster Garant für bestes Trinkwasser. In der Sitzung des Wasserzweckverbandes Seitenthaler Gruppe legte Vorsitzender Josef Wiesend die Verantwortung nun aber in jüngere Hände. Zum Bedauern aller Verbandsräte: "Josef Wiesend war ein Ass." Und viele Bürger bezeichneten den 64-jährigen Haselbrunner als "Wasserpapst der Gmoi".

Schon vor einigen Jahren hatte Josef Wiesend seinen Rückzug als erster Mann des Wasserzweckverbandes angekündigt - altershalber, wie er sagte. Im 22. Amtsjahr machte er die Ankündigung wahr: "Nach so vielen Jahren der Verantwortung wird es Zeit, ins zweite Glied zurückzutreten." In Vorberatungen fanden die Verbandsmitglieder in Speinsharts zweitem Bürgermeister Roland Hörl einen würdigen Nachfolger.

Josef Wiesend gab in der Versammlung einen letzten Jahresbericht. Dieser enthielt Informationen über die klassischen Aufgaben des Wasserzweckverbands 2016: Rohrbruch-Schäden, Hydranten-Korrekturen, große Wasseruntersuchungen mit Checklisten auf sieben Seiten, Untersuchungen auf Radioaktivität, Tiefbrunnen-, Leck- und Wasserwerkkontrollen sowie vieles mehr.

Zwei Prozent Wasserverlust

Als Fazit zog Wiesend eine erfreuliche Bilanz: "Der Wasserverlust im Netz betrug 2016 zwei Prozent." Ein Spitzenwert, klagen doch manche Kommunen und Wasserversorger über Verluste im Leitungsnetz von bis zu 30 Prozent. Stolz berichtete der scheidende Vorsitzende auch über die Reinheit des Speinsharter Trinkwassers: "herbizidfrei und vernachlässigbare 1,35 Milligramm Nitrat im Wasser bei einem Grenzwert von 50 Milligramm". Die Ergebnisse ließen die Verbandsräte ebenfalls aufatmen.

Für den Neubau des Hochbehälters in Haselbrunn meldete Wiesend dem Gremium Vollzug. 520 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, versorgt die 450 Kubikmeter fassende Wasserreserve mit 5 bar Druck bei natürlichem Gefälle das Verbandsgebiet. Dazu gehören auch Teile der Stadt Neustadt am Kulm, wie der Ortsteil Scheckenhof. Der Vorsitzende verwies auf noch auszuführende kleinere Arbeiten im Außenbereich und zeigte sich optimistisch, die Kostenkalkulation von einer halben Million Euro nicht zu überschreiten. Äußerst bemerkenswert erscheint die Finanzierung der Großinvestition, die aus Rücklagen gestemmt wurde.

Als "besonders erfreulich" nannte der "Wasserpapst" die stabile Entwicklung des Wasserpreises. "Eine Verbrauchsgebühr von 88 Cent je 1000 Liter Trinkwasser von höchster Qualität gibt es weit und breit nur in Speinshart", stellte Wiesend nicht ohne Stolz fest. Den Bericht über die örtliche Prüfung der Jahresrechnung erstattete Geschäftsführer Reinhard Stöckl. Manfred Rix aus Filchendorf signalisierte das O.k. des Prüfungsausschusses. Einstimmig erfolgte daraufhin die formelle Feststellung der Jahresrechnung.

Finanziell gut aufgestellt

Noch einmal zog Josef Wiesend dann Bilanz. Zum Schluss seiner Amtszeit reichte das Resümee über 21 Jahre. In seinem Rückblick ging er unter anderem ein auf die vielen Rohrnetz-Erweiterungen, die Sanierungsarbeiten an den Tiefbrunnen und Hochbehältern, die Investitionen in neue Pumpanlagen und elektronische Steuerungen, den Anschluss der Ortschaft Zettlitz und den Bau des neuen Hochbehälters in Haselbrunn.

"Und trotzdem sind wir nicht pleite", erklärte der scheidende Vorsitzende mit Blick auf den Rücklagenstand. "Mit dem Restvermögen von circa 400 000 Euro ist der Verband gut aufgestellt." Damit könnten auch die anstehenden Investitionen, etwa in den Bau einer Ringleitung zwischen Tremmersdorf und Speinshart sowie die Sanierung des Hochbehälters in Scheckenhof, ohne finanzielle Belastungen der Wasserabnehmer geschultert werden. "Lob und Dank" galt schließlich den Verbandsräten und dem Personal: "Wir haben Spitzen-Wasserwarte."

Kompetent, fleißig, leidenschaftlich: Bürgermeister Albert Nickl würdigte in seiner Laudatio noch einmal die Leistungen des langjährigen Verbandsvorsitzenden und bescheinigte ihm außergewöhnliches Engagement. Einstimmig wählten die Verbandsräte in geheimer Abstimmung Speinsharts zweiten Bürgermeister Roland Hörl zum Nachfolger des "Wasserpapstes". Josef Wiesend bleibt dem Zweckverband als "einfaches" Mitglied erhalten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.