22.05.2018 - 20:00 Uhr
StadlernOberpfalz

Der Böhmerwaldturm ist Ort internationaler Begegnung und zeigt sich als Stätte der Versöhnung An Pionierleistung erinnert

Der Böhmerwaldturm ist Ort internationaler Begegnung und zeigt sich als Stätte der Versöhnung. Über Turmbau und Berge ist auch im alten und neuen Testament geschrieben.

BGR Pfarrer Michael Reitinger zelebrierte den Festgottesdienst am höchsten Punkt im Landkreis Schwandorf. Er wurde umrahmt von der Blaskapelle Stadlern. Bilder: mmj (3)
von Ludwig HöcherlProfil

In seiner Begrüßung erinnerte BGR Pfarrer Michael Reitinger an den Wunsch der heimatvertriebenen Sudetendeutschen die Möglichkeit zu schaffen, einen Blick in die alte Heimat werfen zu können. Dieses Begehren war treibende Kraft, den Turm Wirklichkeit werden zu lassen. Auch nach der Grenzöffnung hätte dieser aber nicht an Bedeutung verloren. Besucher aus Deutschland und Tschechien, wie Aufzeichnungen in den Turmbüchern zeigen, bringen dort ihre Freude über den herrlichen Ausblick zum Ausdruck.

Wallfahrer aus Böhmen

verbinde nach Böhmen dazu die Tatsache, dass bereits in früheren Zeiten Wallfahrer aus dem Böhmischen am Frauentag das Fest der Marienverehrung mitfeierten. Für Christen sei es dazu selbstverständlich, miteinander versöhnt leben und die Hand zur Versöhnung zu reichen.

In seiner Predigt erinnerte der Geistliche an den Turmbau zu Babel. Die Menschen wollten damals ein Werk schaffen, um Gott gleichzukommen. Dieser ruft aber ein Sprachengewirr hervor, sodass eine gegenseitige Verständigung der Bauleute das Zustandekommen des Projekts verhinderte. Anders war es aber, so beschreibe die Apostelgeschichte, beim Treffen der Jünger Jesu am Pfingstfest. Jesu Nachfolger wurden vom heiligen Geist erfüllt und konnten in verschiedenen Sprachen das Wort Gottes verkünden. Der heilige Geist brachte und bringt für die Menschheit Verständnis, Einheit und Frieden.

Auch der Böhmerwaldturm auf diesem Berg sei für Pfarrer Reitinger ein Bauwerk des Friedens und der Verständigung, der zudem mit seinem Ausblick die Schöpfung der Natur widerspiegelt. Auf Bergen wie Tabor, Sinai, Ölberg oder Kalvarienberg gab es auch bedeutende Ereignisse im Leben Jesu. Auch Wallfahrtsstätten zur Verehrung der Gottesmutter seien häufig auf Bergen zu finden. Die Ehre Gottes aus der Natur unterstrich auch die Blaskapelle Stadlern, die unter Leitung von Franz Riedl den Gottesdienst musikalisch begleitete, mit dem Choral "Die Himmel rühmen".

Für die Veranstalter begrüßte Gerald Reiter als Vorsitzender des Turmbauverein, sowie für den OWV mit Vorsitzendem Michael Koller und die Bergwacht mit Bereitschaftsleiter Dieter Güll, die Gäste, unter ihnen Bürgermeister Manfred Dirscherl, Weiding. Das 35-jährige Bestehen des Aussichtsturms gebe Anlass zu dieser Feierstunde.

Langgehegter Wunsch

Die Sehnsucht nach einem Blick in die alte Heimat war für ehemalige Bewohner Westböhmens Idee für dieses Bauwerk. In Erinnerung an die Verstorbenen, die diesen Gedanken zur Wirklichkeit werden ließen, bat Reiter, derer im Stillen zu gedenken.

13 Jahre, so der Vorsitzende, vergingen von der Idee bis zur Realität. Verschiedene Konstruktionen standen zur Auswahl, bürokratische und finanzielle Hürden, die Mitglieder mit Spenden und Bürgschaften aus dem Weg räumten, galt es zu überwinden. Besonders dankte Reiter dabei der Familie Josef Sperl, Dietersdorf, die den Turmbau auf deren Gelände überhaupt möglich machten. Nicht einfach war schließlich, das Baumaterial auf dieses unwegsame Gelände zu bringen. Heute sei es für jeden Besucher eine Freude, nach dem Ersteigen der 142 Treppen, vom Turm die herrliche Aussicht genießen zu können. Als Zeitzeuge berichtete der 1929 nahe Heiligenkreuz geborene Walter Gimpl in bewegenden Worten von verschiedenen Gesprächen unter den Heimatvertriebenen, von der Idee bis zur Verwirklichung dieses Projekts.

Dabei gab es auch Skeptiker in den Reihen der Sudetendeutschen. Gerne und oft besuche der inzwischen 90-jährige aus Bad Mergentheim das Schönseer Land und verbinde damit selbstverständlich einen Aufenthalt am Weingartenfels.

Das von Franz Riedl und Reinhard Wurm gespielte Böhmerwaldlied war würdiger Abschluss des Festakts. Beim folgenden Frühschoppen und im Programm am Nachmittag dominierten die Unterhaltung sowie Vorführungen der Bergwacht (Bericht folgt).

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp