18.08.2014 - 00:00 Uhr
StadlernOberpfalz

Bewohner von Weißensulz haben ihren Heimatort nicht vergessen - Treffen am Gedenkstein Vertreibung, Tränen und Triumph

Die noch lebenden ehemaligen Bewohner von Weißensulz (Belá nad Radbuzou) haben ihren Heimatort seit ihrer Vertreibung im Jahre 1946 nicht vergessen. Obwohl stark reduziert, treffen sie sich alljährlich um den Großen Frauentag in Stadlern. Hier haben sie im Jahre 1988 im Friedhof einen Gedenkstein errichtet, um den Verstorbenen, insbesondere den in der Heimaterde ruhenden Angehörigen zu gedenken, aber auch Erinnerungen und Erfahrungen auszutauschen.

Ortsbetreuerin Regina Hildwein verlas vor dem Gedenkstein im Stadlerner Friedhof die Namen der verstorbenen Weißensulzer Landsleute nach den Gebeten von BGR Pfarrer Michael Reitinger. Bild: gl
von Autor GLProfil

Am Beginn des Gedenkens stand ein Gottesdienst in der Stadlerner Wallfahrtskirche, zelebriert von Ruhestandspriester BGR Michael Reitinger und gesanglich vom Kirchenchor Sankt Wenzeslaus (Schönsee) unter Leitung von Hubert Reimer umrahmt.

Kirche als Zuflucht

Auch die in der Kirche befindliche Votivkerze mit dem Abbild der 1697 eingeweihten Heimatkirche "Sieben Schmerzen Mariens" ist ein Ort der Erinnerung. Ortsbetreuerin Regina Hildwein und ihre Schwester Veronika trugen die Lesung und Fürbitten vor. In seinen einleitenden Worten verwies BGR Reitinger auf die in beiden Kirchen verehrte Gottesmutter, deren Familie auch von Vertreibung, Leid und Tränen, aber zuletzt von Triumph geprägt war. In der Predigt erinnerte er an jene, die die angestammte Heimat noch persönlich erlebten. Zwar werde ihre Zahl immer kleiner, aber für die Weißensulzer sei die Wallfahrtskirche in Stadlern Zufluchtsstätte geworden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges gebe es sicher Überlegungen über einen möglichen Verbleib unter Gewaltherrschaft, nachdem eine neue Heimat gefunden wurde.

Neues Kapitel

Ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen mit Arbeitsplätzen, Existenzen und Freundeskreisen sowie erfreulichen Kontakten zur jetzigen Bevölkerung jenseits der Grenze. Dafür nannte er einige Beispiele, wie die Anwesenheit des Pilsener Bischofs Frantisek Radkovsky in Plöß und bei der Wallfahrt in Neukirchen beim heiligen Blut.

Er verband damit die Hoffnung auf eine Belebung des gemeinsamen Glaubens: "Denn ohne Gott geht nichts." Es war eine kleine Schar, die sich anschließend vor dem Gedenkstein im Friedhof mit dem Abbild der markanten Radbusabrücke versammelte, um der in letzter Zeit verstorbenen und in der Heimaterde ruhenden Landsleute zu gedenken. Nach besinnlichen Worten, Fürbitten und Gebeten von BGR Michael Reitinger und der Begrüßung von Bürgermeister Gerald Reiter und Rudolf Lohwasser von der Landsmannschaft verlas Ortsbetreuerin Regina Hildwein die Namen der seit dem letzten Treffen verstorbenen Landsleute. Wobei sie auch, soweit noch bekannt, die einstigen Hausnamen hinzufügte.

Erfahrungsaustausch

Die Gedenkfeier wurde von zwei Bläsern mit dem Böhmerwaldlied umrahmt und nach dem gemeinsamen Lied "Wir sind nur Gast auf Erden" abgeschlossen; es folgte der übliche Erfahrungsaustausch bei einem gemeinsamen Mittagessen.

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