10.11.2017 - 20:00 Uhr
StadlernOberpfalz

Michaela Gottmeier erfüllt sich mit Sanierung des Böhmrwaldhauses einen Traum Wie bei Oma mit Komfort

Im Dorf hat man sie erst nur belächelt. Dieses alte "Klump" wollte sie retten? Doch Michaela Gottmeier hatte einen Traum: Irgendwann wollte sie im Haus der Großmutter wohnen, das 30 Jahre lang leer stand. Dort, wo die Böden längst verfault waren und der Putz in großen Brocken von den Mauern fiel.

Zwischen alten Obstbäumen hat sich das Böhmerwaldhaus in der Weidinger Straße behauptet. Nach der Sanierung genießen Urlauber hier die dörfliche Ruhe. Bild: mmj
von Monika Bugl Kontakt Profil

Nicht einmal der Vater von Michaela Gottmeier, Stadlerns Altbürgermeister Günther Holler, wollte glauben, dass jemals wieder Leben einkehren würde in seinem Elternhaus, einem typischen Böhmerwaldhaus. Denn das Gebäude mit dem charakteristischen Halbwalmdach und dem verputzten Giebelglockenbau war im Grunde ein Ruine. "Ein Blechdach hat das Ganze gerade noch zusammengehalten", erzählt die 47-jährige Architektin, die im Landratsamt in der Abteilung Hochbau für die Liegenschaften des Landkreises zuständig ist.

Unter dem Blechdach kamen bei der Sanierung ansehnliche Lärchenschindeln zum Vorschein. Doch dicht waren die nicht. Auch im Erdgeschoss hatte die Feuchtigkeit in dem noch immer möblierten Haus ganze Arbeit geleistet. "Wir mussten erst mal entrümpeln", schildert Gottmeier und berichtet von Stoff- und Kleiderbergen, die ihre Oma, eine passionierte Schneiderin, aufbewahrt hatte. Eigenhändig hat sie mit der zerbröselnde Holzböden abgetragen, irgendwann musste ein Bagger durch die ausgebaute Haustüre anrücken. Auch die Decken waren alles andere als stabil. "Mein Mann hat immer ,Achtung' gerufen, weil ständig etwas heruntergefallen ist."

Stück für Stück hat sich die 47-Jährige drei Jahre lang vorgearbeitet. Im Dach des angebauten Stalls kamen Original-Balken samt Nägel wieder zurück an ihren angestammten Platz, nur unten ist statt Kuh und Ziege ein modernes Bad eingezogen, das mit seinem Waschbecken ein wenig an die Wasch-Schüsseln von früher erinnert. Doch nicht jeder bahnbrechende Arbeitsschritt ist jetzt noch sichtbar: Die Sockelheizung beispielsweise ist hinter einem Lehmputz verschwunden. "Und nirgends ein Riss", kommentiert Architekt Christian Schönberger das Ergebnis.

Dabei hat Gottmeier das mit dem Lehm nicht in bester Erinnerung. "Das bring ich nie mehr sauber", hatte sie geseufzt, als die Handwerker weg waren. War es einfacher für Schönberger, dass er es hier mit einer Bauherrin vom Fach zu tun hatte? "Klar, da muss man nicht so viel hinreden", gesteht er. Denn da war eine, die sogar die Glasscheiben aus den alten Fenstern ausgebaut hat, um sie vom Schreiner nach altem Fenstermuster wieder einsetzen zu lassen. "Hier haben sich halt zwei Architekten ein wenig ausgetobt", scherzt Gottmeier.

Dafür ist das Haus jetzt mehr als bewohnbar. "Ein bisschen wie bei Oma, nur mit viel Komfort", sagt die Hausherrin mit Blick auf warme Lärchenböden und die vielen alten Möbelstücke, die nach und nach restauriert wurden. Rund 1000 Stunden Eigenleistung hat Gottmeier in das Haus gesteckt, jeder Samstag war Sanierungstag. Billig war der Traum von Omas Häuschen nicht, trotz Fördermittel von einem Drittel der Kosten. "So ein Projekt ist durchaus mit einem Neubau zu vergleichen", räumt Architiekt Schönberger ein. "Aber so etwas Schönes hat man dann nicht", ergänzt seine Berufskollegin.

Derzeit wird ihr "Traum" an Urlauber vermietet, denn die 47-Jährige wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Nachbarort Dietersdorf. Für das alte "Klump" begeistert sich inzwischen auch Tochter Magdalena. Gut möglich, das sie mal in das Denkmal einzieht, überlegt ihre Mutter - "falls ich es nicht schaffe, die nächsten 15 Jahre meinen Mann zu überreden, hier zu wohnen".

Ein Blechdach hat das Ganze gerade noch zusammengehalten.Michaela Gottmeier über den Zustand des Böhmerwaldhauses vor der Sanierung

Bis in kleinste Detail kann sich Politik auf die Bausubstanz auswirken. Auf diesen Umstand machte Architekt Christian Schönberger aufmerksam, als Vertreter des Bezirks an Bauherrin Michaela Gottmeier ein Schild übergaben, das den Denkmalpreis für das Böhmerwaldhaus dokumentiert. So spielten Ende des 19. Jahrhundert Reparationszahlungen aus Frankreich eine Rolle bei der Ausstattung von Gebäuden: Aus dem Nachbarland kamen damals billig Schiefer-Lieferungen ins Land - oder gusseiserne Beschläge, von denen beispielsweise der Bahnhof in Waldmünchen profitierte. So ein "Deal" ist möglicherweise auch der Grund dafür, warum sich im Böhmerwaldhaus ein besonders verschnörkelter Fenstergriff findet - "an einem Ort, wo es außer Hohlwegen und Holzpantoffeln nichts gab."

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