28.04.2017 - 10:56 Uhr
StörnsteinOberpfalz

In Wöllershof gastiert die Wanderausstellung "Wie klingt die Oberpfalz?" Neugirg in der Psychiatrie

Wöllershof. Ausgerechnet dort, wo Ärzte und Pfleger Menschen von Depressionen und Süchten heilen wollen, ist seit Donnerstag ein feixender Norbert Neugirg zu hören. Oder die Werkskapelle der Maxhütte. Oder Snowboarder am Monte Kaolino. Oder fröhliche Zoigl-Zecher.

Den Kopf in die Box stecken und lauschen: So klingt die Oberpfalz in Wöllershof. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Gemach: In Wöllershof haben sie nicht den Verstand verloren. Stattdessen hat der Bezirk die Wanderausstellung "Wie klingt die Oberpfalz?" in die psychiatrische Klinik gebracht. Zehn hölzerne Boxen, eine Art Mix aus Bankschalter und Telefonzelle, stehen bis Juni im Foyer des Zentralgebäudes. Wer an sie herantritt und seinen Kopf durch eine Öffnung steckt, aktiviert eine Lichtschranke, die Tonaufnahmen freigibt. Eben Küchengeräusche oder Neugirg & Co.

Alles zusammen setzt sich zu einem akustischen Porträt des Landstrichs zwischen Stiftland und Jura, Bayerwald und Birgland zusammen: seiner Straßen, seiner Menschen, seiner Arbeitswelt. Das ergibt in einer Psycho-Klinik durchaus Sinn, erläuterte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der Eröffnung: "Eine Klangwelt gibt uns das Gefühl für unsere Umwelt." Und gerade in einer globalisierten Welt sei Heimat ein wichtiger Anker. "Ich kann nur flexibel sein, wenn ich mich auch auf Dinge und Werte verlassen kann, die mich geprägt haben."

Globaler Dialekt

Dazu gehört natürlich auch der Dialekt, der in mehreren Boxen zu Hause ist. Womit die Oberpfalz schon wieder bei der Globalisierung wäre. Denn Löffler und der Chef der Bezirkskliniken, Helmut Hausner, erzählten stolz, dass die berüchtigten gestürzten Diphtonge, sprich "ou", "äi" und ähnliche, im US-Staat Wisconsin und im sibirischen Altai-Gebirge heute noch ihre Stimme erheben - als Erbe von Auswanderern des 18. Jahrhunderts.

Damit streift die Ausstellung die Sprachwissenschaft und enthüllt eine solide wissenschaftliche Basis. Studenten der Kulturwissenschaft der Uni Regensburg und der Fachakademie Cham haben sie konzipiert. Sie ist täglich bis 21.30 Uhr zu sehen.

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