24.04.2018 - 20:12 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Boys' Day im Fachkrankenhaus Die Mischung macht's

Männer schrauben und bauen, Frauen erziehen und pflegen: Das sind nicht nur Vorurteile, so sieht es im Berufsalltag oft wirklich aus. Damit sich das ändert, gibt es Aktionen wie den alljährlichen "Girls' Day" und "Boys' Day". Am Donnerstag, 26. April, ist es wieder so weit.

Simon Zinnbauer arbeitet seit Herbst 2017 als Pfleger mit drogenabhängigen jungen Erwachsenen am Bezirksklinikum in Wöllershof. Bild: m
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Störnstein/Wöllershof. Auch das Bezirksklinikum Wöllershof macht heuer erstmals mit. "Pflege ist halt ein klassischer Frauenberuf", sagt Christine Kick, die Leiterin des Patienten- und Pflegemanagements. "Wir freuen uns aber über gemischte Teams." Den "Boys' Day" will das psychiatrische Fachkrankenhaus nun nutzen, um mehr "Jungs" für eine Ausbildung in der Krankenpflege zu begeistern.

Simon Zinnbauer, 24, ließ sich von Rollenklischees nicht abschrecken. 2016 beendete der junge Mann seine Ausbildung am Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg. Anschließend arbeitete er in Weiden in der ambulanten Intensivpflege, bis er im Herbst vergangenen Jahres ans Bezirksklinikum Wöllershof wechselte. "Ich habe recht spontan entschieden, mich bei der Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz, Anm. d. Red.) zu bewerben", erzählt Zinnbauer. Ihm habe jedoch schon in der Ausbildung der Pflichteinsatz in der Psychiatrie gut gefallen.

Jetzt kümmert sich der Pfleger um junge Erwachsene, die zur Drogenentgiftung in der Klinik sind. "Mir gefällt vor allem, dass hier nicht die klassische Pflegetätigkeit im Vordergrund steht, sondern das Gespräch", sagt Zinnbauer: "Es ist ein komplett anderes Arbeitsumfeld." Pflegemanagementleiterin Kick meint: "Das Helfende wird ja oft den Frauen zugeschoben. Aber ein Mann kann in dem Bereich ganz anders aktiv werden." Kollegen wie Simon Zinnbauer hätten zum Beispiel einen guten Draht zu männlichen Patienten.

"Guten Draht" finden

Der "gute Draht" ist in der psychiatrischen Bezugspflege von großer Bedeutung. "Die klassische Arbeit basiert auf der Beziehung zum Patienten", erläutert Kick. Zinnbauer betont: "Wir haben auch mehr Zeit." Denn jede Pflegekraft ist nur für einen kleinen Kreis von Patienten zuständig. Persönliche Gespräche und deren genaue Dokumentation stehen im Vordergrund. Außerdem leiten Pflegekräfte auch Aktivitäten in der Gruppe an. "Wir gehen zum Beispiel nachmittags mit den Patienten aufs Basketballfeld", erläutert Zinnbauer.

Kick betont die Wichtigkeit, den Patienten ganzheitlich zu sehen und mit einem umfassenden Therapiekonzept zu betreuen. "Es geht dabei um Medikamente, Gespräche und das ganze Umfeld der Patienten." Die Pfleger nehmen daher auch das Patientenzimmer regelmäßig in Augenschein, führen Eingangs- sowie Zielgespräche und treffen für Notfälle feste Absprachen mit den Patienten. Daneben, sagt Kick, rücke die Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Kranken zunehmend in den Vordergrund.

Alte Klischees

Natürlich gehören auch Routinetätigkeiten zum Arbeitsalltag, wie beispielsweise die Übergaben zum Schichtwechsel, die Essens- und Medikamentenausgabe oder die Patientenaufnahme und -entlassung. Und auch im Bezirksklinikum muss in drei Schichten gearbeitet werden. "Das ist aber Gewöhnungssache", findet Zinnbauer. Die Vorstellung, dass in der Psychiatrie vor allem Männer arbeiteten, sei wohl alten Klischees geschuldet: "Die Leute haben da noch den ,Wärter' aus der Anstalt im Kopf", vermutet Kick. Tatsächlich seien auch in psychiatrischen Kliniken zu mindestens zwei Dritteln Frauen in der Pflege tätig. "Dabei profitiert doch jedes Arbeitsumfeld von einer guten Mischung aus Männern und Frauen", glaubt sie.

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft biete auch genügend Aufstiegsmöglichkeiten durch Fortbildungen, etwa für die Stationsleitung, Studiengänge und duale Ausbildungswege. "Ich mache mir natürlich Gedanken darüber, mich langfristig weiterzubilden", sagt Simon Zinnbauer dazu. "Abitur habe ich ja auch."

Pflege ist halt ein klassischer Frauenberuf. Wir freuen uns aber über gemischte Teams.Christine Kick, Leiterin des Patienten- und Pflegemanagements am Bezirksklinikum Wöllershof

Boys' und Girls' Day

Boys'-Day-Berufe sind Berufe, in denen höchstens 40 Prozent Männer arbeiten. Bei den Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern beträgt der Männeranteil lediglich 4,9 Prozent, in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege sind es 20,1 Prozent.

Erstmals beteiligt sich heuer das Bezirksklinikum in Wöllershof bei Neustadt/WN am bundesweiten Aktionstag "Boys' Day". Am 26. April von 9 bis 15 Uhr erwartet die Interessenten ein abwechslungsreiches Programm. "Jungs und Pflege geht sehr wohl" ist dabei das Motto.

Der "Boys' Day" ist Teil der Bundesinitiative Klischeefrei - Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl - frei von Geschlechterklischees. Ziel der Initiative ist es, eine geschlechtergerechte Berufs- und Studienwahl bundesweit zu etablieren.

Der Initiative gehören die zuständigen Bundesministerien, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialpartner und Vertretungen aus Ländern, Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft an. Den "Boys' Day" gibt es seit 2010, sein "weibliches" Pendant, den "Girls' Day", bereits seit dem Jahr 2001. (m)

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Quelle und weitere Informationen online:

www.boys-day.de und www.girls-day.de

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