18.09.2010 - 00:00 Uhr
StullnOberpfalz

Im Landkreis Schwandorf die Ersten: Stefan Bartl und Martin Schöls begründen Lebenspartnerschaft Auf dem Weg zum Standesamt

Die beiden trauen sich was. Oder auch: Sie lassen sich trauen. Beides stimmt und verweist auf die Entscheidung von Stefan Bartl (32) und Martin Schöls (37), ihre schwule Lebenspartnerschaft standesamtlich begründen zu lassen. Etwas weniger sperrig ausgedrückt: Die zwei Männer wollen heiraten. "Und das ist gut so", würde wohl Klaus Wowereit urteilen.

von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Mit seinem berühmten, öffentlichen Outing hat der Regierende Bürgermeister von Berlin eine Lanze für das schwule Selbstbewusstsein gebrochen. Flankiert wird die ideologische Befreiung homosexueller Männer von einer rechtlichen. Seit über einem Jahr können Männer (und Frauen) in Bayern ihre gleichgeschlechtliche Partnerschaft auf einem Standesamt eintragen lassen; vorher war das nur bei einem Notar möglich.

Hochzeit mit vielen Gästen

"Die Gesetze werden immer besser", findet auch Stefan Bartl. Allerdings mit Einschränkungen: "Wir sind noch nicht dort angelangt, wo wir mit den heterosexuellen Paaren auf einer Ebene stehen." Steuerlich zum Beispiel werden miteinander verheiratete Männer noch immer wie Singles geführt, mit allen finanziellen Nachteilen.

Oft kommt es allerdings noch nicht vor, dass zwei Männer vor dem Standesbeamten stehen - zumindest im Landkreis Schwandorf. Stefan Bartl und Martin Schöls sind vermutlich sogar die ersten. Umso größer wird die "Hochzeit" aufgezogen. 125 Gäste werden erwartet, was das Schwarzenfelder Rathaus, wo die Zeremonie über die Bühne geht, an Grenzen führt. Das Trauungszimmer reicht hier nicht mehr aus, so dass in den großen Sitzungssaal ausgewichen werden muss, wie Standesbeamter Harald Trummet erläuterte. Auch für ihn ist diese Begründung einer männlichen Lebenspartnerschaft eine Premiere.
Mit Stefan Bartl und Martin Schöls wird der Standesbeamte ein sympathisches und kultiviertes Paar vor sich stehen haben. Fremd ist den beiden jede Art von Tuntigkeit, wie sie beispielsweise in der erfolgreichen Komödie "Der Schuh des Manitou" zum Lachen reizt. "Hier wird keiner von uns im Brautkleid auftauchen", versichert Stefan Bartl und schmunzelt. Überhaupt würden die Medien häufig ein falsches Bild von der Lebensrealität homosexueller Männer vermitteln, findet er: "Da sieht man nur Paradiesvögel und das fördert das Klischeedenken, aber nur fünf Prozent der Schwulen sind so."

Auch die Eltern kommen

Ihn freut besonders, dass auch seine Familie, die Eltern und der Bruder, zu der Feier kommen. Das Verhältnis zu ihnen ist entspannt, was er seinen Leuten hoch anrechnet. Auch wenn der mütterliche Traum von Enkeln erst einmal ausgeträumt war, nachdem sich ihr ältester Sprössling geoutet hatte. Die Familie akzeptiert auch seinen Freund Martin, der seinerseits die künftigen Schwiegereltern ins Herz geschlossen hat.
Seit eineinhalb Jahren sind Stefan Bartl und Martin Schöls ein Paar. Sie leben in Stulln und sind voll des Lobes über den Ort und die Aufgeschlossenheit der Nachbarn. Dass sie nun den Schritt in die gesetzlich unterfütterte Partnerschaft gehen, hat auch damit zu tun, dass man ganz legal füreinander sorgen kann, wenn Probleme auftauchen. "Sonst dürfte der andere nicht mal ins Krankenhaus, wenn einem von uns was passiert", sagt Martin Schöls, "geschweige denn, dass er lebenswichtige Entscheidungen treffen dürfte".

Übrigens wird sich mit dem Tag der "Verpartnerung" noch etwas bei Martin Schöls und Stefan Bartl ändern. Sie haben beide beschlossen, mit dem Rauchen aufzuhören. Und auch das ist gut so, keine Frage.

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