Schutz vor Hochwasser

Effektiver Hochwasserschutz fordere alle Akteure, Politik und Fachbehörden sowie Gemeinde und Bürger, signalisierte Bürgermeister Hans Prechtl (rechts). Leitender Baudirektor Matthias Rosenmüller und Bauoberrat Andreas Ettl vom Wasserwirtschaftsamt Weiden (von rechts) erläuterten ausführlich die Basisstudien für die Ortsteile Brensdorf, Grafenricht und Säulnhof der Gemeinde Stulln. Bild: ohr
Politik
Stulln
19.05.2017
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Der Gemeinderat Stulln machte den ersten Schritt zum Schutz von Hochwasser betroffener Ortsteile. Einhellig entschied sich das Gremium für eine Teilnahme an der Umsetzung der Projekte "Hochwasserschutz Brensdorf und Grafenricht". Das Wasserwirtschaftsamt Weiden bringt nun die Vorhaben auf den Weg.

Bürgermeister Hans Prechtl begrüßte die Vertreter des Amtes, Leitenden Baudirektor Matthias Rosenmüller und Bauoberrat Andreas Ettl sowie Zuhörer aus Brensdorf und Grafenricht. Wie in der Bürgerversammlung angekündigt, wurden die drei angesprochenen Basisstudien vorgestellt. Effektiver Hochwasserschutz fordert alle Akteure, Politik und Fachbehörden sowie die Gemeinden und die Bürger, stellte Prechtl in seinem einleitenden Statement klar heraus. Es sei wichtig, in einen ergebnisoffenen Dialog zu treten und ausführlich über angedachte Überlegungen, technische Möglichkeiten und die Kosten zu informieren.

Bei einem jahrhundert-jährlichen Abfluss der Naab von rund 660 Kubikmetern pro Sekunde sind zahlreiche Gebäude und Infrastruktureinrichtungen vom Hochwasser betroffen, erklärten die Repräsentanten des WWA. Brensdorf werde komplett überschwemmt. Grafenricht und Säulnhof liegen am Hüttenbach - Abfluss rund 35 bis 40 Kubikmeter in der Sekunde - und sind von diesem Gewässer großflächig tangiert.

Für die drei Ortsteile erstellten Basisstudien - grobe Skizzierungen möglicher Hochwasserschutzmaßnahmen - ergeben sich folgende Schätzkosten: Brensdorf (Schadenspotenzial 2 800 000 Euro; Baukosten 1 100 000 Euro/Prioritätsklasse 3), Grafenricht (Schadenspotenzial 800 000; Baukosten 950 000/Prioritätsklasse 4). Aufgrund des niedrigen Kosten/Nutzen-Faktors - die Ausbaukosten liegen bedeutend höher als das Schadenspotenzial - wird derzeit Säulnhof (Prioritätsklasse 5) zurückgestellt.

Teil des Naabtalplanes

Für die Planung jeden Ortsteils muss die Gemeinde einen Beteiligtenbeitrag von 50 000 Euro entrichten, so ihre weitere Darlegungen. In der Bauphase sei dieser Betrag durch die Übernahme von sogenannten unbaren Leistungen - zum Beispiel Deichmahd und/oder Unterhaltung der Anlagen - nach derzeitigem Kenntnisstand komplett abgegolten. Die Zuständigkeit für die Errichtung von Hochwasserschutzmaßnahmen an der Naab und an dem Hüttenbach liegt beim WWA Weiden. Diese Maßnahmen sind ein Teil des von Umweltministerin Ulrike Scharf am 4. April in Schwandorf vorgestellten Naabtalplanes.

Das Amt strebe bei der Ausführung der Leistungen eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Bürgern und allen weiteren Beteiligten an. Eine offene Planung ist Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Projekts, lautete das Resümee. Zurzeit bestehe eine gute Situation, da der Staat viel Geld zur Verfügung stelle.

Bündnis eingehen

In der ausführlichen, sachlichen Aussprache wurden Detailfragen angesprochen. Es ging auch um die möglichen unbaren Leistungen durch die Gemeinde. Die Unterhaltungskosten für 100 Jahre summieren sich für Brensdorf auf 750 000 und bei Grafenricht auf 620 000 Euro. Das sind in einem Jahrhundert 1 370 000 Euro, merkte Alexander Schießl an. Daraus errechne sich als jährliche Leistung der Betrag von 13 700 Euro an Unterhaltungsaufwand - eine hinnehmbare Verpflichtung. Es sei eben ein Mehr-Generationen-Vertrag.

Das Land Bayern übernimmt die Vorfinanzierung. Die dreijährige Planungsphase beginne 2018 und nach der Fertigstellung schließe sich das Wasserrechtsverfahren an. Die Ausschreibung erfolge durch das WWA Weiden, so die weiteren Hinweise. Das Gremium war sich unisono einig: Von der Naab gehe eine starke Hochwassergefährdung aus. Das nächste Hochwasser komme bestimmt. Niemand wisse den Zeitpunkt. Hochwasserschutz ist notwendig. Die Bürger müssen von Beginn an eingebunden werden. Der Anlieger bekommt den Schutz zum Nulltarif, unterstrich Bürgermeister Hans Prechtl. Sein Vorschlag, die Planung für Brensdorf und Grafenricht in Auftrag zu geben, fand die einhellige Zustimmung des Gremiums.
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