Auf Hausbesuch in der "Wilden Wiese" von Barbara Bierner
Ein Paradies für Jungs und Bienen

Kräuterpädagogin Barbara Bierner hat sich einen Traum erfüllt und die "Wilde Wiese" am Ortsrand von Grafenricht/Stulln angelegt. Mittlerweile ist es en Paradies für Pflanzen, Tiere und Insekten geworden und auch ihre Söhne Max (6) und Anton (4) fühlen sich hier wohl. Bilder: Portner (5)
Vermischtes
Stulln
14.07.2017
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Dieser alte Baumstamm liegt nicht zufällig zwischen den blühenden Margeriten. Totholz, Reisig oder Steinhaufen bieten vielen Tieren einen Lebensraum und sind besonders im Naturgarten sehr wichtig.

Schnecken sind der Schrecken für jeden Hobbygärtner. Nicht so bei der Familie Bierner in Grafenricht. Hier dürfen sie ihre Schleimspur in einem eigenen Freilaufgehege mitten im Garten ziehen. Auch sonst ist alles willkommen, was wächst oder krabbelt. Und für Max (6) und Anton (4) ist es ein lehrreicher Naturspielplatz.

-Grafenricht. Der Verkehr von Nabburg nach Schwarzenfeld rollt direkt am Anwesen vorbei. Die "Wilde Wiese" - so heißt der Kräuter- und Gemüsegarten hinterm Haus - bekommt davon nichts mit. Barbara Bierner ist Kräuterpädagogin und hat für ihr Hobby ein Stück Acker gepachtet. Es herrscht absolute Ruhe, solange ihe Söhne Max und Anton und all die Nachbarskinder nicht gerade durch die Beete tollen.

Jedes Jahr anders

Der Garten ist ein Natur- und Kinderparadies. Hier lassen die Jungs den Hasen "Hoppel" laufen, beerdigen tote Vögel oder klettern zu den Weinbergschnecken ins Gehege. Nachdem Barbara Bierner jetzt wieder berufstätig ist, hilft Oma Renate gerne aus. Sie hat vorm Haus ebenfalls einen Gemüse- und Ziergarten. Doch das Leben der drei Familien spielt sich von Frühjahr bis Herbst sowieso draußen ab. Am Tisch unter dem großen Boskop-Baum im Eingangsbereich wird das Gemüse geschnipselt, gegessen und geratscht. Gleich daneben ist die große Spiel-Ranch zum Klettern, Rutschen und Schaukeln. Bruder Christoph Bierner ist Schreiner und so findet man noch mehr schöne und nützliche Sachen aus Holz am Grundstück. Vorbei an Pool und Hühnerstall geht es hinters Haus.

"Hier ist es total schön", schwärmt Barbara auf ihrer "Wilden Wiese". Sie fährt mit der Hand über die weißen Dolden der Wilden Möhre und pflückt gleich daneben eine der letzten lila Blüten der seltenen Kornrade. Dieses zierliche, vom Aussterben bedrohte Nelkengewächs gehört zu ihren Lieblingspflanzen. "Der Garten schaut jedes Jahr anders aus", sagt die Kräuterpädagogin. Während heuer Sonnenblumen und Mohn fehlen, blühen Margeriten, Kornblumen und Beinwell dafür sehr üppig.

Der Duft ist einfach gigantisch. Wenn man über die Hackschnitzel-Wege spaziert, schwirrt es nur so von Schmetterlingen und Insekten, die gerne auf der Wiese landen. "Hier in dieser geschützten Lage ist es irgendwie immer wärmer", meint die junge Frau. Durchschlendern und schauen, das ist für sie Erholung pur. Mutter Renate geht dagegen nie ohne Handschuhe, Schere oder Schubkarre hinaus. Besonders der kleine Gemüsegarten hat es ihr angetan. "Haben Sie schon einmal eine so schöne Blüte gesehen?", sagt sie und zeigt auf das Beet mit den blau-violetten Buschbohnen. Übrigens: Das Gemüse bekommen beim Kochen oder Blanchieren eine grüne Farbe. Die Bohnenernte fällt heuer sehr ertragreich aus. Nicht so bekannt ist die Mairübe, die zarte junge Schwester der robusten Speiserübe. Bei der Familie Bierner wird sie wie Kohlrabi für Suppen und Aufläufe verwendet. Im Beet daneben hat sie Palmkohl frisch angepflanzt - ein tolles Wintergemüse mit langer Erntezeit.

Auch im Gemüsegarten blüht es üppig: Das sonnige Gelb von Königskerze, Löwenmaul und Nachtkerze leuchtet sich in den Vordergrund. Doch Oma Renate bückt sich eher nach den zarten blauen Leinblüten. "Das sind meine Lieblingsblumen", sagt sie und ergänzt: "Alles darf bleiben. Denn ein bisschen wild, das ist gar nicht schlimm." Und es geht ja auch gar nicht anders: Vieles fliegt einfach an, lässt sich nieder und darf bleiben. Die Bäume mit alten Obstsorten tragen heuer keine Früchte; der Frost hat sie zur Blüte erwischt.

Neue Mieterin

Die Blumenwiese darunter wird Barbara Bierner nächstes Jahr wieder neu ansäen - um das Gras in Schach zu halten.Max holt das Schmetterling-Buch hervor und sucht nach einem ihm ungekannten Falter. Diese Woche hat er eine Eidechse entdeckt. "Vielleicht bauen wir für sie eine Wohnung mit Steinen", sagt die Mutter, "es wäre ja schön, wenn sie dableibt". So wie die Schnecken oder die Wildblumen und Kräuter, die sich jedes Jahr einen anderen Platz im Garten suchen.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

Was wächst und blüht denn da?

Stulln-Grafenricht. (ptr) "Ich möchte dazu beitragen, die Natur mit anderen Augen zu sehen", sagt Barbara Bierner. Die Kräuterpädagogin erzählt von der Knospen-Wanderung, die sie im Frühjahr anbietet. Sie hat sich einen Schwerpunkt gesetzt: Wahrnehmen, wie schön die Natur ist und was sie zu bieten hat. "Was wächst und blüht denn da?", lautet die Frage, die sie antreibt, um unscheinbare Schönheiten zu entdecken. Sie weist auch gerne auf die gesunde und schmackhafte Natur mit ihrer langen und historischen Geschichte hin. Das Ziel ist erreicht, wenn die Teilnehmer das "Unkraut" mit ganz anderen Augen sehen. Übrigens: Gäste sind immer willkommen.

Die 600 Quadratmeter "Wilde Wiese" waren bis zum Frühjahr 2014 noch ein landwirtschaftlich genutzter Acker. Barbara Bierner hat daraus ein blühendes Paradies für Menschen, Tiere und Pflanzen geschaffen. Nähere Infos im Internet unter "wilde-wiese.jimdo.com".

Kräuterlikör für Genießer

Stulln-Grafenricht. (ptr) Mutter und Tochter sind sich nicht nur bei der Gartenarbeit einig. Auch wenn es ums Genießen geht, haben sie den gleichen Geschmack. "Unser Wildkräuter-Likör schmeckt immer anders", sagt Renate Bierner. Das liege an der spontanen Auswahl der Zutaten. Barbara zählt einige Kräuter auf, die gerne Verwendung finden: Himbeerblätter. Dost, Beifuß, Brennnessel, Minze. Zusammen mit Kandiszucker und Wodka werden die zerkleinerten Kräuter in ein Gefäß gefüllt, welches fest verschlossen etwa sechs Wochen an einem warmen Platz (wie Fensterbank) stehen bleibt. Wichtig: Täglich gut schütteln. Danach wird die Flüssigkeit durch ein feines Sieb gegossen und der fertige Kräuterlikör in eine dunkle Glasflasche gefüllt.

"Papageien" in Omas Garten

Stulln-Grafenricht. (ptr) Wenn Oma Renate nicht auf der "Wilden Wiese" ist, dann kümmert sie sich um ihren eigenen Gemüse- und Ziergarten mit Tomaten, Gurken, Salat und allem, was man als Selbstversorger so braucht. Einige Gemüsebeete hat sie mit einem grünen Netz bedeckt, als Schutz vor den Vögeln. Vorm Haus findet man so manche Besonderheit, wie die winterharte Papageienpflanze. Der Strauch blüht im Sommer und bildet im Herbst wunderschöne, papageienähnliche Balgfrüchte aus. Neu ist ein Backofen, der bei Familienfesten einen guten Dienst leistet. Auch im Winter feiert die Familie im Garten: Dann werden Glühwein und Wildkräuter-Likör an der Stehbar unter dem Boskop-Baum serviert.
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