19.03.2018 - 12:10 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Sie vertreten die Sulzbacher Jugend Neues vom Jugendbeirat

Statt Anzug und Krawatte gibt es hier Käppi und Jogginghose. Mate und Cola stehen auf dem Tisch, anstatt Kaffee und Wasser. Der Sitzungssaal ist das Jugendcafé in der Hängematte. Anstatt an einem runden Tisch sitzen die Tagenden auf selbstgebauten Palettenmöbeln.

Bei Pizza und Mate ist die Konzentration gleich viel besser. Der Jugendbeirat tagt über die letzten Projekte seiner Amtszeit. Bild: Hartl
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Auch wenn es im ersten Moment eher nach einem Treffen von Freunden im Wohnzimmer aussieht, im Jugendbeirat werden wichtige Entscheidungen getroffen. "Erster Punkt der Tagesordnung: Wo wollen wir bestellen?", fragt Cornelia Aschenbach in die Runde. Dass das nicht zu unterschätzen ist, meint die Leiterin des Jugendtreffs ernst. "Wenn die hier hungrig sitzen, geht gar nichts."

Heute sind acht der zwölf Mitglieder anwesend: Lisa Schulz, Lorena Stubenvoll, Miriam Herbst, Bernhard Bublitz, André Kestler, Nico Müller, Max Stepper und Vincent Weickart. Sie sind Schüler, Studenten, Azubis und ausgelernte Berufstätige. Nach kurzem Hin und Her einigen sich alle auf Pizza vom nahe gelegenen Lieferservice. Bis die Lieferung ankommt, gehen sie über zur Planung des nächsten Events: die Open Stage am Samstag, 5. Mai. Dort kann jeder, der will, sein Talent vor Publikum vortragen. Egal, ob singen, dichten, beatboxen oder Gitarre spielen. Da es Lisas Idee war, hat sie sich im Vorfeld bei der Beanery (Amberg) erkundigt, wo eine solche Veranstaltung schon stattgefunden hat.

Tipps vom Profi

Welches technische Equipment wird benötigt? Wie sollen sie die Veranstaltung bewerben? Welchen Anreiz sollen sie den Leuten geben mitzumachen? Vielleicht ein Gratis-Getränk für jeden Teilnehmer? Und das Wichtigste: Wer organisiert mit? Wer ist am Veranstaltungsabend da? Mit der Planung beginnen sie gerade noch rechtzeitig. Cornelia Aschenbach setzt den Starttermin gerne spätestens sechs Wochen vor der Veranstaltung an. Die Idee finden alle gut, nur die persönlichen Termine scheinen das Vorhaben zu erschweren. Fürs Erste wird die Diskussion nach hinten verschoben.

Es geht weiter mit dem Tag der offenen Tür der Hängematte, bei dem zusammen mit dem Förderverein und den Kindern und Jugendlichen des Jugendtreffs gebruncht wird. "Der 26. Mai ist absichtlich nahe am Mutter- und Vatertag. Die Kinder basteln bei mir Einladungen für den Brunch und schenken die ihren Eltern", erklärt Aschenbach. Die Frage an den Jugendbeirat ist: Will er sich finanziell beteiligen, um die Kosten der Kinder zu decken? Wer hilft bei den Vorbereitungen? Etwas dazu beisteuern wollen sie schon, die Frage ist nur, wie viel? Nachdem das verfügbare Budget (5000 Euro pro Jahr) gecheckt wurde, einigt sich der Beirat auf eine finanzielle Beteiligung von 40 Prozent der Gesamtkosten. Alle sind zufrieden, und so können die Neuwahlen im Juli angesprochen werden. Keiner der Anwesenden, die zum Zeitpunkt der Wahl höchstens 21 Jahre alt sind, wird sich wieder zu Wahl aufstellen lassen. Sie ziehen in ihren Studienort oder haben privat zu viel zu tun.

Nächste Generation

Aschenbach schlägt vor in die Sulzbacher Schulen zu gehen, um Mitglieder für den Jugendbeirat anzuwerben. Das Gespräch wird rüde unterbrochen. "Essen, Essen, Essen", raunt es durchs Café. Der Pizzabote ist da. Erst einmal sind alle weiteren Diskussionen auf Eis gelegt.

Sobald die erste Hälfte der Pizza verdrückt und der schlimmste Hunger gestillt ist, geht es weiter mit der Planung des Sommerfestes mit Spielplatzrallye, der Einführung eines offenen Bücherregales und der Idee, ein Konzert mit bekannten Acts zu organisieren. Auch ziehen die Jugendlichen in Betracht, sich beim Altstadtfest finanziell an manchen Bands zu beteiligen, um so ein größeres gemeinsames Budget zu haben. Eine Flasche fällt um, sie lachen. "Willkommen im Jugendbeirat", sagt Lisa und seufzt.

Von 13 bis 21 Jahre

ZUm ersten Mal gab es den Jugendbeirat im Jahr 1998. Der aktuelle Jugendbeirat in Sulzbach-Rosenberg wurde am 20. Juli 2016 gewählt. Damals fand eine Jungbürgerversammlung statt. Alle anwesenden Jugendlichen zwischen 13 und 21 Jahren nahmen automatisch an der geheimen Wahl teil. Zudem mussten sie in Sulzbach-Rosenberg wohnen oder eine der örtlichen Schulen besuchen. Aus zwölf von ihnen setzte sich dann der Jugendbeirat zusammen. Zum Jugendbeirat gehört auch der Jugendbeauftragte, Johann Gebhardt, der allerdings nur Mitspracherecht und kein Stimmrecht hat. Die Jugendzentrums-Leiterin Cornelia Aschenbach unterstützt die jungen Menschen bei der Realisierung ihrer Vorhaben und organisiert die Sitzungen. Der Jugendbeirat vertritt die Interessen der Jugendlichen in Sulzbach gegenüber dem Stadtrat und der Stadtverwaltung. Er stellt Anträge, Anfragen und geben Anregungen und Empfehlungen. Eine Amtszeit erstreckt sich über zwei Jahre. Im Juli dieses Jahres steht die nächste Wahl an. Wer also die Alters- und Wohnortvoraussetzungen erfüllt und Lust hat, sich in der Stadt zu engagieren, ist am 14. Juli in der Hängematte willkommen. (anv)

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