1. Rosenberger Rauhnacht
Frau Holle, d’ Luz und da Damer

Frau Holle, die Urmutter, holt die ungetauft gestorbenen Kinder, die "Heimchen", zu sich in ihr Reich.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
08.01.2017
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Sie schlitzt bösen Kindern den Bauch auf, hieß es einst: Die bloudige Luz' mit ihrer Sichel.

Glühende Augen leuchten aus dem Dunkel, Ketten klirren, keuchende Gestalten mit blutverschmierten Gesichtern, zottelige Unterweltwesen trotten heran - wieviel hundert Jahre ist es wohl schon her, als zum letzten Mal die Wilde Jagd des Hohen Herren, des Obersten Götterfürsten Wotan, durch Rosenberg jagte?

Schlecht geraten, Leute, es passierte am Vorabend des Dreikönigstages, dass die "1. Rosenberger Rauhnacht" all die Unholde, Druden und Zaubergestalten wieder von der Kette ließ. Klirrende Kälte, dichtes Schneetreiben und Gänsehaut dazu, Rauhnachterlebnis all inclusive sozusagen. Was im so genannten postfaktischen Zeitalter mit Tatsachen und Wahrheiten passiert (sie werden ignoriert, verdreht, schlichtweg geleugnet) das geschah bei der Christianisierung und spätestens seit der Aufklärung mit all den Geschichten und Gestalten der finsteren Winternächte, vor denen die Altvorderen noch zitterten, denen sie aber zugleich helfende und wohltätige Zaubermacht zusprachen - der "bloudige Damer mit'm Hammer", die furchtbare Luz' mit der Sichel und dem Schüsserl voll Blut und Gedärmen, die ebenso erbarmungslose wie barmherzige Frau Holle, der über alles herrschende Hohe Herr Wotan mit seiner Wilden Jagd, sie alle sind vergessen oder haben sich bestenfalls noch in irgendwelche Märchen und Sagen gerettet.

Packende Wiedergeburt

Rosenberg, das alte "Dorf" mit seinen steilen und verwinkelten Gassen und dusteren Ecken, erlebte jetzt mit der "1. Rosenberger Rauhnacht" die ebenso packende wie gruselige Wiedergeburt dieser Schreckensmächte. Die Idee dazu hatte Heidi Franitza vom "Rosenbladl"-Team, umgesetzt wurde sie mit tollem Engagement von Tanja Weiß und zahlreichen begeisterten Laiendarstellern, die meisten von ihnen aus den Reihen des Stiber-Fähnleins. Als Veranstalter fungierte die Interessengemeinschaft "Freunde Rosenbergs".

Im Schein einer Fackel machten sich 40 Neugierige mit Tanja Weiß von der Trendkneipe "Gestern" aus auf den Weg ins Dorf, wo sie schon am Friedhofseck vom "Damer mit dem Hammer" heimgesucht wurden. Vor dem wütenden und brüllenden Unhold schützte nur eins: Stillhalten und den Blick zu Boden senken. Weiß erzählte dazu, was es mit diesem Rauhnacht-Geist auf sich hat, der immer in der Thomasnacht (21. Dezember), der längsten Nacht des Jahres, umging. Ebenso detailliert beschrieb die Erzählerin auch auf allen weiteren Stationen den Glauben und Aberglauben, der sich einst um die Gestalten aus dem Totenreich oder dem Götterhimmel rankte.

Die Wilde Jagd beispielsweise, die Wotan mit seinem Hifthorn zusammenrief und durch die sturmtosenden Unternächte (Rauhnächte) reiten ließ. Wer da einen liederlichen Lebenswandel pflegte oder Unrecht auf sich geladen hatte, dem konnte es schon passieren, dass ihn die Wilde Jagd mit sich riss und auf Nimmerwiedersehen verschwinden ließ . . . so wie jenen jungen Mann, der trunksüchtig nicht von der Flasche lassen wollte und mitten aus der Runde der Rauhnachtgänger davon geschleppt wurde.

Und so reihten sich die fantastischen Ereignisse wie eine Perlenkette aneinander - die Holle als Urmutter, die die ungetauft verstorbenen kleinen Kinder zu sich holt, weil ihnen das christliche Begräbnis verwehrt ist, die Nornen, die als Schicksalsgöttinnen den Lebensfaden jedes Menschen spinnen und unversehens abschneiden, die Wilde Jagd, wie sie im Fischergarten zu Gericht sitzt über erbärmliche Erdenwürmlein, der verwunschene Bäcker, der zur Strafe für seine Untaten ins eiskalte Nass des Rosenbaches gebannt wird und dort auch bleiben muss, weil er keine Reue zeigt, die "bloudige Luz", die mit ihrer Sichel die Bäuche aller Unbotmäßigen aufzuschlitzen droht, die mitten in einem Flammenmeer tanzenden Teufel . . .

Finale im "Gestern"

Da waren alle Beteiligten dann doch sichtlich erleichtert, als es mit dem Spuk ein Ende nahm. Ausgefroren und "eingeschneit" strömte alles ins "Gestern", wo zur Wiederbelebung ein kräftigender Eintopf wartete. Weitere 20 Gäste hatten sich dort noch dazugesellt, die zum furiosen Ausklang dann noch einmal auf der Bühne ein buntes Rauhnacht-Kaleidoskop erlebten. Nun sind sie wieder in ihrer "Anderwelt" verborgen, Holle und Wotan, Damer und Luz', Drud, Tod und Teufel. Wir haben Ruhe vor ihnen. Bis zur nächsten Rosenberger Rauhnacht, den Göttern sei Dank!

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Weitere Bilder im Internet:

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