17.02.2017 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ausstellung Hubert Fichte im Literaturhaus Das richtige Adjektiv für „Eckkneipe“

Als Panoptikum renitenter Subkultur genoss die Hamburger Kneipe "Palette" in den Fünfziger Jahren einen schillernden Ruf. Unsterblich gemacht hat sie der Schriftsteller Hubert Fichte, dem das Literaturhaus Oberpfalz jetzt eine Sonderausstellung widmet.

Mit einem Abend um den Schriftsteller Hubert Fichte wurde die neue Sonderausstellung "Palette revisited" im Literaturarchiv eröffnet. Bild: Preuß
von Anke SchäferProfil

Zur Eröffnung kehrt man passenderweise wieder in der ABC-Straße ein - mit dem Film "Palette revisited". Beinahe behutsam nähert sich Filmemacher Theo Janßen durch das Viertel beim Gänsemarkt dem berühmt-berüchtigten "Place to be" all jener, die seinerzeit nichts mit Establishment und spröder Lebensplanung am Hut hatten. Ausschnitte aus Hubert Fichtes Roman "Die Palette", teilweise im Originalton der nicht minder legendären Beat-Lesung 1966 im "Star Club", teilweise vorgetragen von Schauspieler Peter Lohmeyer, untermalen akustisch.

Viele Zeitzeugen

Vor allem aber kommen viele Zeitzeugen zu Wort, denen Fichte zusammen mit ihrem gemeinsamen 1964 dicht gemachten Lieblingsort ein Denkmal gesetzt hat. Das unsichtbare Band, das "Heidi", "Ramonita" und Konsorten bis heute verbindet, basiert auf den gemeinsamen Erlebnissen, die sogar bis Paris geführt haben sowie auf dem durchklingenden Stolz, sich den stereotypen Erwartungen der Wirtschaftswunderzeit so nachhaltig widersetzt zu haben. Lieber auf der Straße schlafen, arbeiten höchstens bei akutem Geldbedarf, mit den anderen teilen, was man hat und in der "Palette" über anspruchsvolle Literatur oder Gott und die Welt zu diskutieren - nach schierem Unglück und Verzweiflung klingt es nicht.

Gegen Ende zentriert sich der 2005 gedrehte Film auf die eigentliche Hauptfigur des Abends: den Dichter Hubert Fichte, dessen bewegtes Leben anschließend von Jan-Frederik Bandel, der auch am Film maßgeblich beteiligt war, in all seinen Facetten ausgeleuchtet wird.

Ein amüsanter kleiner Comic-Ausritt in die Charakterwelten der Gruppe 47, bei der auch Fichte zweimal zu Gast war, bringt einen heiteren Zwischenschub. Uwe Johnson begibt sich dabei foto-dokumentarisch auf die Suche nach dem richtigen Adjektiv für "Eckkneipe" und bringt damit nicht nur Günter Grass, Walter Höllerer, Hans-Werner Richter und Ingeborg Bachmann ins kreative Schwitzen.

Nicht zuletzt dank des übergreifenden Kneipen-Themas kann Bandel den Kreis geschmeidig schließen, indem er einige Hintergründe zum Film erläutert. Bezeichnenderweise wurden auch die Interviews in einer speziellen Lokalität gedreht - in den Hamburger "Marktstuben", bis zur Schließung geführt von einem "Palette"-Veteran. Fotografin Leonore Mau, der zweite Mittelpunkt der Sonderausstellung, kommt dagegen bei der Eröffnung verbal zumindest eher kurz. Bandel hat zwar Fotos parat, beschränkt sich aber auf knappe Hinweise zur langjährigen Fichte-Lebensgefährtin. Dafür sprechen jedoch ihre eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bilder in der Ausstellung umso mehr.

Eigenes Material

Einige davon stammen aus der Ausstellung, die das Literarische-Colloquium-Berlin und in Zusammenarbeit mit der S.-Fischer-Stiftung anlässlich des 30. Todestages des Dichters im vergangenen Jahr konzipiert hat. Das Literaturhaus Oberpfalz hat noch einiges Material aus seinem eigenen Höllerer-Schatz ergänzt und "alles hat sich wunderbar zusammengefügt", freut sich Programmleiterin Patricia Preuß.

Die Sonderausstellung läuft bis 2. Juni und hat Dienstag bis Freitag (außer Feiertage) von 9 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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