25.03.2018 - 16:04 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Bernhard Setzwein entreißt Josef Ruederer und sein Werk dem Vergessen Dem Volk genau aufs Maul geschaut

Vilseck. Josef Ruederer? Ein bayerischer Schriftsteller? Wer bei diesen Fragen nur mit der Schulter zuckt, muss sich nicht gleich als Literatur-Banause fühlen. Der 1861 in München geborene Dichter ist früh gestorben, sein Werk schnell in der Versenkung verschwunden. Der Oberpfälzer Schriftsteller Bernhard Setzwein hat es wieder ausgegraben und im Vorfeld der Burgfestspiele Vilseck bei einer "Lola Montez"-Lesung im Rathaus vorgestellt.

Zwei gebürtige Münchner Literaten: Bernhard Setzwein las Josef Ruederer.
von Anke SchäferProfil

Literarisches Echo

Hinter dem Namen der skandalumwitterten Tänzerin und unangepassten Diva verbergen sich bei genauerem Hinsehen viele aufsehenerregende Entdeckungen: Etwa ihr mutmaßlicher Aufenthalt in Vilseck auf der Flucht von München nach Frankfurt oder eben ihr literarisches Echo in Josef Ruederers Theaterstück "Morgenröte" und seinem Roman "Das Erwachen". Angesichts des weißen Flecks, den der Name Ruederer auf der literarischen Landkarte Bayerns darstellt, beginnt Setzwein die Lesung mit einem Überblick zu Leben und Schaffen Ruederers. Dabei stellt er Gemeinsamkeiten fest wie etwa den Geburtsort München, die unverkennbar mundartgefärbte Sprache dürfte wohl auch dazu zählen. Der aus großbürgerlichem Milieu stammende Ruederer blieb trotz einiger Abstecher immer seiner Heimatstadt treu.

Diese Tatsache nutzte Zeitgenosse Ludwig Thoma für die ätzende Kollegen-Kritik, Ruederer kenne die Landbevölkerung gar nicht. Sein weiterer, von Setzwein zitierter, Satz "Wir mochten einander nicht" überrascht insoweit wenig. Verfolgt man jedoch die Kostproben, die der heute in Cham lebende und vielfach ausgezeichnete Autor für seine Lesung ausgewählt hat, muss man Ruederer eines doch attestieren: Zumindest dem Münchner Volk hat er genau aufs Maul geschaut. Seine Wirtshaus- und Stammtischszenen bilden die versammelte Scheinheiligkeit, Großspurigkeit und leicht entflammbare Entrüstung ("schauderhafte Zuständ' bei uns im Land) treffsicher ab.

Lola und Elias Randfiguren

Die 1913 erschienene Komödie "Die Morgenröte" kam darüber hinaus natürlich deshalb zum Einsatz, weil hier sowohl Lola Montez als auch der Vilsecker Türmersohn und Jurastudent Elias Peißner am Rande des Geschehens auftauchen. Im zweiten vorgestellten Werk "Das Erwachen" hat nur noch Lola Montez einen Auftritt. Zentrale Figur des Romans ist ihr Verehrer Ludwig I. von Bayern, zu den drei geplanten Fortsetzungen kam es nicht mehr - der Dichter verstarb mit 54 Jahren viel zu früh. Setzwein greift zunächst die Schilderung der ersten persönlichen Begegnung zwischen Monarch und Tänzerin heraus. Ruederer nutzte dabei sein Vorrecht der künstlerischen Freiheit und ersetzte die Realität durch amüsant zu hörende Fiktion. Der Schluss, der Sturm des erzürnten Volkes auf Lolas Stadtpalais, spart ebenfalls nicht mit Seitenhieben auf den Opportunismus der Revolutionäre. Nachdem das "Mobile", sprich die Kutsche, mit Lola gen Stadtgrenze verschwunden war, widmen sich die Aufrührer der Zerstörung der "Immobilie" - allerdings nur bis sie vor dem leibhaftigen König wieder einknicken.

Mit Bernhard Setzwein als Vorleser gibt sich das Publikum aber nicht zufrieden und so wechselt man zur Aktualiät, um dem Schöpfer noch einiges rund um sein Stück "Lola Montez - Die falsche Spanierin" zu entlocken, das im Juni bei den Burgfestspielen Vilseck Premiere feiert.

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Weitere Informationen:

www.vilsecktheater.de

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