03.04.2017 - 20:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bernhard Setzwein liest im Literaturhaus Präziser Blick für das Widersprüchliche

Erst Anfang März veröffentlichte Bernhard Setzwein seinen Roman "Der böhmische Samurai". Nun folgt bereits die zweite Auflage. Am Donnerstag, 6. April, liest der Autor um 19.30 Uhr im Literaturhaus Oberpfalz aus seinem Buch. Die Moderation übernimmt die Programmleiterin Patricia Preuß. An diesem Abend übergibt Bernhard Setzwein auch einen Teilvorlass aus seiner Sammlung an das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg.

Bernhard Setzwein ist am Donnerstag im Literaturhaus Oberpfalz zu Gast. Bild: Herbert Pöhnl
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Zum Inhalt des Romans: Um 1900 kehrt Graf Heinrich von Coudenhove-Kalergi aus dem diplomatischen Dienst in Japan auf sein Schloss Ronsperg im Böhmerwald zurück und sorgt für Gesprächsstoff. Er kommt in Begleitung seiner japanischen Frau Mitsuko - "der ersten Japanerin in Europa überhaupt!", wie sich die Ronsperger erzählen. Zwei Söhne gingen bereits aus der Ehe hervor. Während Richard später als Gründer der Paneuropa-Bewegung Einfluss auf die Politik Europas erlangen wird, führt Johann, der Ältere, der sich selbst "Graf Hansi" nennt, das Leben eines extravaganten Adeligen - als Freigeist und Querdenker, als Lebemann und Kunstmäzen, als Teil der provinziellen Welt rund um Ronsperg ebenso wie der feinen Wiener Gesellschaft und später in Berlin, wo in den mondänen Kreisen bereits Nazigrößen verkehren. Auch ihn holt die Politik ein, das muss er spätestens im August 1945 erkennen, als er im tschechischen Internierungslager Chrastavice landet.

Kenntnisreich und humorvoll, aber auch mit präzisem Blick für das Widersprüchliche erzählt Bernhard Setzwein die Geschichte eines der großen europäischen Adelsgeschlechter. Nach seiner Böhmen-Trilogie mit den Romanen "Die grüne Jungfer" (2003), "Ein seltsames Land" (2007) und "Der neue Ton" (2012), die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs spielen, geht er noch weiter in die Geschichte zurück. "Der böhmisch Samurai" spiegelt den begeisterten Aufbruch der europäischen Moderne ebenso wie die schmerzhaften Themen des 20. Jahrhunderts.

Bernhard Setzwein, geboren 1960 in München, lebt in Cham. Zuletzt schrieb er die Theaterstücke "Hrabal und der Mann am Fenster", uraufgeführt 2015 im Theater Regensburg, und "Später Besuch. Dietrich Bonhoeffer redivivus", uraufgeführt im April 2016 vom Landestheater Oberpfalz in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg hat Materialien von Bernhard Setzwein erworben. Die offizielle Übergabe seines Teilvorlasses läuft während der Lesung; dazu gibt es eine erste Präsentation ausgewählter Dokumente zu sehen. Der Erwerb wurde durch die Sparkasse Amberg-Sulzbach und die Ernst-Pietsch-Stiftung, Deggendorf, unterstützt.

Der Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Reservierungen unter 09661/815959-0 oder info[at]literaturarchiv[dot]de.

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