10.02.2017 - 20:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Besuch bei der Landesausstellung über Kaiser Karl IV. Ikone und umstrittener Regent

Es bleiben nicht mehr ganz zwei Monate Zeit, um die große Landesausstellung über Kaiser Karl IV. in Nürnberg zu besuchen. Über 180 hochrangige Kunstwerke, Urkunden, kulturhistorische und alltägliche Zeugnisse sowie zahlreiche Medien werfen einen neuen Blick auf den facettenreichen Herrscher. Und Sulzbach wird dabei nicht ausgespart.

Realistische Porträtbüste Karls IV. (zwischen den Wappen des Heiligen Römischen Reiches und Böhmens) aus dem inneren Triforium des Prager Veitsdoms. Die übrigen 20 Büsten des Zyklus bilden seine Vorgänger, seine Familie, aber auch Angehörige des hohen Prager Domklerus sowie die Dombaumeister Matthias von Arras und Peter Parler ab. Diese Porträts nehmen den Individualismus der italienischen Renaissance vorweg. Bild: Radovan Bocek
von Andreas Royer Kontakt Profil

/Nürnberg. Anlässlich des 700. Geburtstages Kaiser Karls IV. (1316-1378) veranstalten Bayern und Tschechien erstmals eine gemeinsame Landesausstellung in Prag und in Nürnberg.

Im Germanischen Nationalmuseum in der Frankenmetropole wird noch bis Sonntag, 5. März, das Leben und Wirken des bedeutenden Herrschers des ausgehenden Mittelalters gezeigt. Davor war die Ausstellung bereits in der tschechischen Hauptstadt zu sehen. Beim Rundgang eröffnen sich viele Aspekte der Lebens- und Regierungszeit Karl IV. im wechselvollen 14. Jahrhundert.

Kritische Würdigung

Die Ausstellung bietet eine kritische Würdigung seiner Herrscherpersönlichkeit (so kommt auch die Enteignung und Vertreibung der Juden aus Nürnberg zur Sprache), seines Konzepts, seiner Bedeutung für die Residenzstädte Prag und Nürnberg sowie seiner künstlerischen Repräsentation. Einen Schwerpunkt bildet die Rezeption Karls IV. auf böhmischer und deutscher Seite, die bis heute jeweils sehr unterschiedliche Sichtweisen zeigt. Der florierende Handel und die Gewährung verschiedener Privilegien für Städte und Märkte entlang der Goldenen Straße, darunter auch Sulzbach, und darüber hinaus, werden ebenfalls nicht ausgespart.

Weil er für seine Hausmachtpolitik in großem Umfang Reichsgut verpfändete, sahen deutsche Historiker Karl lange als "Vater Böhmens, aber Erzstiefvater des Reiches", während er in Böhmen bzw. Tschechien bis heute als "Vater des Vaterlandes" gilt.

Diplomatie und Geld

Deutlich macht die Landesausstellung, dass sich Karl IV. als Kaiser weniger auf militärische Gewalt als auf Diplomatie stützte - und auf erhebliche Geldsummen, mit denen er die Zustimmung der Kurfürsten erkaufte. Die reichen Silbervorkommen Böhmens, die Förderung des Handels sowie die effiziente Verwaltung und Nutzung seiner Territorien ermöglichten den Erfolg des ebenso frommen wie berechnenden Kaisers.

Daneben betrieb er geschickte Heiratspolitik: Bei seinen vier Ehen wie bei der Vermählung seiner Kinder spielte die Mehrung seiner Hausmacht stets die wichtigste Rolle. So bildete die Mitgift der Wittelsbacherin Anna von der Pfalz die Grundlage für Karls Neuböhmen in der Oberpfalz, dessen Hauptstadt zeitweise Sulzbach war. Ausführlicher Bericht auf Seite 41.

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