19.03.2018 - 18:46 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Bildergeschichte "Der Kuchenteig" von Wilhelm Busch vor zehn Jahren entdeckt Sensation im alten Archiv

Im Juni 2008 blickte die deutsche Medienwelt auf Sulzbach-Rosenberg. "Original-Zeichnungen von Wilhelm Busch entdeckt", lautete eine der damaligen Schlagzeilen. Stadtarchivar Johannes Hartmann war im Seidel-Archiv auf die Bildergeschichte "Der Kuchenteig" gestoßen. Zum Sensationsfund vor zehn Jahren gibt es jetzt eine Ausstellung.

Vor zehn Jahren löste der Sensationsfund von Wilhelm Buschs "Kuchenteig" im Seidel-Archiv ein großes Medienecho im In- und Ausland aus. Jetzt wird mit einer am Montag eröffneten Sonderausstellung im Foyer der Sparkasse an dieses Ereignis erinnert. Bilder: Huber (2)
von Andreas Royer Kontakt Profil

"Ausgerechnet im 100. Todesjahr des weltbekannten Künstlers machte das Auffinden im Seidelschen Verlagsarchiv einer breiten Öffentlichkeit schlagartig klar, welch hochkarätige Schätze der historische Seidel-Nachlass in sich birgt", unterstrich Stadtheimatpfleger Markus Lommer bei der Eröffnung der Schau.

Im Foyer der Sparkasse freute er sich am Montag vor zahlreichen zur Vernissage versammelten Gästen über die großen Nachwirkungen des einzigartigen Ereignisses. Den Kulturraum "Seidel-Saal" hätten so seit seiner Eröffnung im April 2011 fast 50 000 Gäste besucht. Für Lommer ein Beweis für die große überregionale Ausstrahlungskraft dieses Ortes für alle Bevölkerungsschichten.

Nach einem Willkommensgruß durch Sparkassen-Vorstandsmitglied Werner Dürgner, der die Förderung von Kunst und Kultur als klaren Auftrag seines Hauses umriss, erinnerte Bürgermeister Michael Göth an die vielen Schlagzeilen, die der Fund im Jahr 2008 auslöste. Er machte erneut auf die hohe Bedeutung des Seidel-Anwesens aufmerksam und berichtete von positiven Gesprächen mit Ministerien, Fachstellen und der Eigentümerfamilie, um auch Modalitäten des Ankaufs auszuloten. "Wollen wir diesen großen Schatz im Jahr des 260. Geburtstages von Johann Esaias von Seidel heben."

"Max und Moritz"

Markus Lommer verwies mit seinem Team, musikalisch ausgeschmückt von Peter Seidl am E-Piano, auf die ungeheueren Reaktionen und die internationale mediale Aufmerksamkeit. "Zur Pressekonferenz am 13. Juni fanden sich im Seidel-Saal zahlreiche Journalisten aus dem In- und Ausland ein. Aber bereits Anfang Januar 2008 war Stadtarchivar Johannes Hartmann bei Sichtungen im Verlagsarchiv Seidel auf die bislang unbekannte Wilhelm Busch-Bildergeschichte "Der Kuchenteig" gestoßen. Erst nach genauer Prüfung traute man sich an die Öffentlichkeit." Wie der Fachmann weiter erläuterte, brachte der renommierte Suhrkamp-Verlag in Berlin dann im Jahr 2010 ein "Insel-Taschenbuch" über die Kuchenteig-Geschichte - ein Vorläufer der Bäcker-Szene bei "Max und Moritz" - heraus.

Drei Fragen an Stadtheimatpfleger Markus Lommer

SRZ: Herr Lommer, wie ist die Ausstellung aufgebaut und wo haben Sie Schwerpunkte gesetzt?

Markus Lommer: Wir gehen auf zehn Ausstellungstafeln von verschiedenen Seiten an den Sensationsfund heran. Es geht zunächst um einen Gesamtüberblick, die Biografie von Wilhelm Busch und dessen Kontaktaufnahme mit Seidel. Vorgestellt werden aber auch die Sulzbacher Kalender, die Entstehung und natürlich auch die Entdeckung des "Kuchenteigs". In den Fokus rücken zudem die Verbreitung des Sensationsfundes mit dem Wettlauf um die Erstabdruckrechte und eine genaue Beschreibung der zehn Kuchenteig-Bilder, die im Jahr 2012 bei einem großangelegten Wilhelm-Busch-Projekt im Saal der Historischen Druckerei Seidel der Dr.-Johanna-Decker-Schulen Amberg mit allen Schülerinnen der 6. Jahrgangsstufe entstanden.

Welche Bedeutung messen Sie dem Fund für die Herzogstadt zu?

Auf das Seidel-Anwesen und Sulzbach als Wiege der regionalen Presselandschaft bezogen, muss man hier sicher von einem gewaltigen Zugpferd und dem Aushängeschild schlechthin sprechen. Durch diesen Sensationsfund erlangte Sulzbach-Rosenberg und somit deren reiche Kultur und Vergangenheit quasi über Nacht internationale Aufmerksamkeit. Er spiegelt in gewisser Weiser aber auch den Wert und große überregionale Bedeutung des Seidel-Anwesens wider. Außerdem erfahren wir dadurch immer weiteren Ansporn, die Inventarisierung voranzutreiben und für die Öffentlichkeit ein kultur-touristisches Gesamtkonzept auf die Beine zu stellen.

Wie lange läuft die Ausstellung in den Räumen der Sparkasse?

Die Schau kann bis 13. April im Foyer der Sparkasse während der Öffnungszeiten besichtigt werden. (oy)

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