Blecherne Sait´n mit Jubiläumsprogramm in der Kulturscheune Elbart
Louis Armstrong und der Nacktschneck

Die "Blechernen Sait'n" mit Franz Gericke, Ingrid Gericke und Sepp Donhauser (von links) brachten musikalische Stimmung in die Kulturscheune Elbart, Stefan Thumann (rechts) steuerte Mundart-Literarisches bei. Bild: Schäfer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.09.2017
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Freihung. Weltläufigkeit zählt nicht unbedingt zu den Eigenschaften, die man in der Oberpfalz vermutet. Ausgerechnet die Volksmusik-Urgesteine "Blecherne Sait'n" treten in der Kulturscheune Elbart den unterhaltsamen Gegenbeweis an und machen dabei weder vor der Jazz-Ikone Louis Armstrong noch vor Elvis-Rock halt.

Das Jubiläums-Programm, mit dem die "Blechernen Sait'n" ihre 20-jährige Erfolgsgeschichte auf Bühnen aller Art feiern, versetzt die rappelvolle Scheune in Lachmuskelschwingungen und zieht sämtliche Mundwinkel breit nach oben. Eröffnet wird das dritte Elbart-Gastspiel von Ingrid Gericke (Zither, Gesang), Franz Gericke (Tuba, Gesang) und Sepp Donhauser (Gitarre, Gesang) mit einem flotten Instrumental-Anheizer, bevor Franz Gericke seinen kellertiefen Bass auf das etwas höhere Armstrong-Reibeisen stellt und als "Gigolo" rote Rosen an die Damen verteilt.

Stilecht mit Schweißtuch

Den Titelsong aus dem Film-Klassiker "Die oberen Zehntausend" mit Bing Crosby, Grace Kelly und natürlich Louis Armstrong bieten die "Sait'n" deutsch dar und nicht ohne einen wichtigen Hinweis vorab: Nein, man zähle nicht zu den besungenen Reichen. Musiker würden vornehmlich in Essen und Trinken bezahlt - und da "sind wir gut im Geschäft", so Ingrid Gericke, die nicht nur mit den musikalischen Pfunden der "Sait'n" launig zu wuchern weiß.

"Satchmo", wie Louis Armstrong gerne gerufen wurde, hätte jedenfalls seinen Spaß gehabt an der Hommage, zu der sich im Laufe des Abends noch viele Hits wie "Cabaret", "Hello Dolly", "Blueberry Hill", "When the saints go marching in" und "Wonderful World" gesellen. Sogar an das wichtigste Accessoire des großen Meisters hat Franz Gericke gedacht und zückt daher bei allen Nummern demonstrativ das weiße Schweißtüchlein.

Armstrongs "Down by the riverside" münzen die Oberpfälzer kurzerhand zur "Männer-Hymne" "Alte, rücks Geld raus, i will ins Wirtshaus" um. Ähnlich recycelt das schmissige "Online sein" oder Elvis' vom "Hound dog" zum "Hot dog" mutierter Evergreen. Ein weiteres internationales i-Tüpfelchen setzen "Tiko-Tiko" und die österreichischen Abstecher mit Ingrid Gericke als bitterbösem Georg Kreisler in "Geben Sie acht!" und dem beinahe unvermeidlichen Zither-Bravourstück "Der Dritte Mann", das sie mit vermeintlichen Ermüdungserscheinungen am Instrument aufheiterte. Die urtümlichen Wurzeln der Jubel-Formation repräsentierten unter anderem "War er weg, dieser Speck", "Dingsda", "Und d'Liab is wie a Bach" oder Donhausers Navi-Liebeslied.

Ein besonderer Gast

Als besonderer Gast teilt der Mundart-Dichter Stefan Thumann die Bühne mit den drei Musikern und erheitert das Publikum mit Abenteuern aus dem männlichen Universum: Verschiedene Szenen einer Ehe, Mountainbike-Rowdys im Wald oder dem erbitterten Kampf Mann gegen Mücke. Während sein fiktiver Aufsatz eines Oberpfälzer Abc-Schützen hart an der Grenze des guten Geschmacks schrappt, präsentiert er sich mit seinen abschließenden Nachtgedanken "Abschied" von der nachdenklich-stillen Seite.

Die "Blechernen Sait'n" tun es ihm mit "Satchmos Lullaby" und einem Oberpfälzer Nachtlied gleich. Zuvor beschert allerdings der auf "I was born under a wondering star" seine Kriechspur ziehende "Nacktschneck" Franz Gericke einen neuerlichen Heiterkeitsausbruch in der Kulturscheune Elbart.
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