Buchvorstellung in der Ringer-Wirtschaft
Und wieder lockt das Thema Mord

Autor und Schauspieler Anton Leiss-Huber lässt seine Romanfiguren mit theatralischer Gestik lebendig werden. Das Publikum im Ringer-Wirtshaus war begeistert. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2017
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Der Andrang war groß beim "Fastenopfer" in der ehemaligen Ringer-Wirtschaft.

Das hat die seit langem geschlossene Ringer-Wirtschaft in der Sulzbacher Neustadt auch in ihren besten Zeiten nicht erlebt: Ein volles Haus und einen Tenor, der mit einer Arie aus dem Weißen Rössl stürmischen Beifall bekommt. Eigentlich aber ist Anton Leiss-Huber aus einem ganz anderen Grund gekommen.

Von Helga Kamm

Es ist sein zweiter Krimi, den der gebürtige Altöttinger vorstellte. Nach seinem Debüt-Roman "Gnadenort" spielt "Fastenopfer" wieder in seinem Heimatort und wieder geht es um zwei Dinge: Frömmigkeit und Mord.

Buchhändler Ralf Volkert durfte für einen Abend die seit langem geschlossene Ringer-Wirtschaft aufsperren, einen idealen Ort für diese Lesung. Von der Einrichtung der historischen Wirtsstube mit den alten Tischen, Stühlen und Kredenzen war wenig zu sehen, so dicht gedrängt saßen die Besucher. Anton Leiss-Huber genügten ein kleiner Tisch inmitten seiner Zuhörer, ein Fläschchen Kultopf-Bier und eine Leselampe.

Dass es anfangs recht blutig zugehe im Buch, warnte er seine Zuhörer. Denn der Verwalter des Tilly-Benefiziums, einer katholischen Stiftung in Altötting, wurde mit einem Messer im Bauch aufgefunden. Sobald aber Fräulein Schosi und der Monsignore Hirlinger ins Spiel kamen, bekannte Protagonisten aus dem ersten Altötting-Krimi, wurde es heiter. Wenn die Mitglieder des katholischen Frauenbundes zur Demonstration aufrufen, ohne zu ahnen, dass auf der Rückseite ihres Transparentes die Freigabe von Marihuana gefordert wird, ist das nur eine von vielen witzigen, ironischen, komischen Szenen.

Leiss-Huber kennt die Altöttinger und findet dort Vorbilder für seine Figuren. Sein Kommissar Max Kramer und der Kollege Fritz Fäustl, die Novizin Schwester Maria-Evita, die Zwillinge Franz und Korbinian vom Gasthof Bichler, sie alle seien aber Fiktion, sagt er in der Gesprächsrunde nach der Lesung. Dass für den Ex-Minister Kramer, dem Vater des Kommissars, erkennbar eine "CSU-Größe" Modell gestanden habe, sei die einzige Ausnahme. Gerold Tandler aber habe das nicht krumm genommen.

Anton Leiss-Huber ist ein Mann mit vielen Talenten. Er arbeitet als Schauspieler, Sänger, Kabarettist, und mit all diesen Fähigkeiten spickte er seine Lesung. Mit entsprechender Mimik und vor allem Stimme war er Fräulein Schosi, Max Kramer oder die Baronin Novotny.

Seine Personen sind menschlich und sympathisch, naiv oder skurril, mit Marotten und Schwächen, echt wie im wirklichen Leben. Er schilderte einige Szenen aus seinem Buch, baute Spannung auf, ohne zu viel zu verraten. Das tat dem Verkauf des "Fastenopfers" gut, denn viele der Besucher wollten wissen, wie es weitergeht.

Freundlich und locker beantwortete Leiss-Huber die Fragen seiner Zuhörer. Ja, ein Nachfolgekrimi sei bereits fertig, ein vierter in Arbeit. Er schreibe heute nicht mehr "ins Blaue", sondern lege die Handlung seines Buches von Anfang an fest. Er lebe seit langem nicht mehr in Altötting, trete am Theater und in Musicals auf und im Bayerischen Fernsehen immer wieder in den "Brettl-Spitzn. Mit seiner preisgekrönten Band "Schicksalscombo" toure er durch Deutschland, sei seit 2012 freischaffender Künstler. Noch schöner als auf der Bühne zu stehen, finde er heute das Schreiben, nicht zuletzt wegen der absolut freien Zeiteinteilung. "Zu sechzig Prozent bin ich heute Autor, zu vierzig Prozent was anderes". Das Andere war es dann, worauf die Fans gewartet hatten.

Der Anton zierte sich nicht. Über hundert Mal war er der Oberkellner in der Operette "Im weißen Rössl", und so sang er in der alten Ringer-Wirtschaft ganz ohne instrumentale Begleitung die Arie "Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden". Die Folge: Der größte Beifall des Abends, Ralf Volkerts Dankeschön für eine "Sternstunde" und die Bitte des Publikums, nach einer baldigen Vorstellung des nächsten Krimis aus dem Wallfahrtsort Altötting.

Zu sechzig Prozent bin ich heute Autor, zu vierzig Prozent was anderes.Anton Leiss-Huber
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