Burkhard Spinnen beim Literatur Sommerfestzu Gast
Eine Liebeserklärung an das Buch

Ein erklärter Freund des gedruckten Buches: Burkhard Spinnen. Bild: Hermann Köhler/Verlag Schöffling & Co.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
04.07.2017
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Das gute, alte Buch ist in Not geraten, seit sich alles Geschriebene mehr und mehr digitalisiert. Zum Glück gibt es wortgewaltige Liebhaber wie den Schriftsteller Burkhard Spinnen, der dem gedruckten Text eine besondere, von Line Hoven illustrierte Hommage gewidmet hat. Schlicht "Das Buch" (Verlag Schöffling & Co.) heißt das Werk, aus dem er beim "Literatur Sommerfest" am Samstag, 15. Juli (ab 18 Uhr), im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg lesen wird.

In dem unterhaltsamen, 144 Seiten starken Werk vermeidet Burkhard Spinnen klug jegliche harte Konfrontation zwischen Bewährtem und Moderne. Stattdessen erzählt er in vielen, kleinen Geschichten vom inneren und äußeren Wert der Bücher, der sich bei weitem nicht nur in Euro und Cent bemisst. Der Kulturredaktion hat er schon vorab einige Fragen zum Buch und zu seinem Besuch in der Oberpfalz beantwortet.

In Ihrer Hommage "Das Buch" formulieren Sie ein leidenschaftliches Plädoyer für gedruckte Texte. Warum stehen sich Ihrer Meinung nach die Verfechter von Büchern und die Anhänger des E-Books teilweise so unversöhnlich gegenüber?

Burkhard Spinnen: Weil die Beziehung zum gedruckten Buch vielfach Ausdruck einer komplexen kulturellen Haltung ist. Der Umgang mit Büchern war und ist Ausdruck einer ganzen Lebensform. Das alles, und damit ihre Identität, sehen viele Menschen in Gefahr, wenn sie sich eine komplett digitalisierte Lesewelt vorstellen sollen. Sie fühlen sich dann angegriffen und reagieren trotzig. Allerdings gibt es auch sehr gewichtige Argumente, die gegen eine Digitalisierung sprechen. Ich sehe zum Beispiel die Gefahr, dass der E-Book-Markt, sagen wir, sehr unterhaltungsfreundlich ist und es ambitionierterer Literatur noch schwerer macht.

Im Musikbereich hat sich eine vergleichbare technische Revolution abgespielt. Sind Sie ein Freund der Schallplatte geblieben oder bevorzugen Sie CD und MP3?

Ich bin im Laufe der Jahre mehrfach umgestiegen. Das war aber stets um einiges leichter, denn das eigentliche Wahrnehmen von Musik vollzieht sich immer noch sehr ähnlich, egal auf welchem Träger sich die Musik befindet. Beim Hören hat man nichts in der Hand. Die CD war einfach nur kleiner als die LP. Mit den MP3-Dateien änderte sich dann allerdings das Aufbewahren von Musik dramatisch - und damit auch die Einstellung zu ihr. Musik wurde Dienstleistung. Bei der Umstellung vom Buch auf das E-Book vollzieht sich jetzt quasi in einem Schritt, was sich in der Geschichte des Musikkonsums über etliche Jahre hinwegzog.

Ist für Sie eigentlich ein Tag denkbar, an dem Sie kein Buch in der Hand halten?

Nein. Sollte ich einmal gar nicht lesen, dann ordne ich, kaufe, sortiere aus, verschenke etc.

Ist das Gastspiel beim Sommerfest Ihre erste Kontaktaufnahme mit der geschichtsträchtigen Institution in Sulzbach-Rosenberg?

O nein! Wenn ich mich recht erinnere, war ich schon drei Mal zu Lesungen eingeladen, zuerst vor ziemlich genau 20 Jahren.

Mit Ihnen wird auch Katja Lange-Müller lesen - macht die Anwesenheit der Kollegin, die Sie sehr schätzt, einen Unterschied beim Auftritt?

Ich denke, schon. Aber wir kennen uns seit langem und hatten eine ganze Reihe gemeinsamer Veranstaltungen. Ich schätze sie sehr! Ich freue mich auf jedes Treffen mit ihr und besonders darauf, ihre neuen Texte mit ihrer Stimme zu hören. Diese Stimme nehme ich dann mit in meine eigene Lektüre.

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