07.03.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Café del Mundo reizt klangliche Möglichkeiten der Gitarre aus Zart bis drahtig

Die Gitarre hat gegenüber dem Klavier einen großen Vorteil: Man kann die Saiten anfassen. So sieht das zumindest Alexander Kilian, der mit Jan Pascal zusammen das Gitarrenduo Café del Mundo bildet.

Mit leidenschaftlicher Gitarrenmusik brachten Alexander Kilian (links) und Jan Pascal den Seidel-Saal zum Kochen. Bild: cog
von Autor COGProfil

Mit Tango, Flamenco, folkloristischen Werken großer spanischer Komponisten und übermütigen Eigenkompositionen brachten sie den voll besetzten Seidel-Saal zum Kochen. Leidenschaft, unglückliche Liebe, übersprudelnde Lebenslust oder sanfte Melancholie: Kilian und Pascal machten mit ihren Gitarren die ganze Breite der Gefühlspalette erlebbar.

Sie musizierten mit hinreißender Spielfreude, starkem Ausdruck und absoluter technischer Perfektion. Schon das erste Stück, Astor Piazzollas Tango "Oblivión", nahm die Zuhörer mit seiner Intensität sofort gefangen. Kilian und Pascal gehören zu den wenigen deutschen Flamenco-Gitarristen, die auch in Spanien anerkannt werden.

Warum, das bewiesen sie mit traditionellen Alegrías, Malagueñas und Bulerías. Das Stampfen der Tänzer klopften sie dabei rhythmisch auf der Gitarre. Mit einem kurzen Blick verständigten sie sich, präzise Pausen und rasende Läufe gelangen so in vollendeter Harmonie. Sie reizten die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente lustvoll aus. Das ging von weichen, ganz zarten Tönen bis hin zu drahtig-spröden Klängen.

Nuanciert und mit schöner Dynamik interpretierten sie Manuel de Fallas "La vida breve". Zum rasanten Duell geriet die "Danza del molinero". Die Musiker spielten immer schneller, stachelten sich gegenseitig an, bis man die Finger kaum mehr erkennen konnte.

Erinnerungen an ihre Reisen durch die Welt verarbeiten sie zu Stücken wie "Un día en Caraqués", das die übermütige Lebensfreude wiedergibt, die sie bei einem Gitarrenfestival in Nordspanien erlebt haben. Auch das gemächliche, verträumte "León dormido" und das luftig-heitere "Spread your wings" sind so entstanden und ließen die Zuhörer am Leben der Musiker teilhaben. "Zauber einer arabischen Nacht" malt mit üppig-sinnlichen Klängen die düftegeschwängerte Luft und den funkelnden Sternenhimmel.

Die Zuhörer applaudierten begeistert, und Café del Mundo ließ sich nicht lange bitten. Kilian und Pascal setzten sich ans Klavier, dieses komische Instrument, und spielten vierhändig, dann noch auf den Gitarren ein kunterbuntes Medley, das vor Einfällen nur so sprühte. Als Rausschmeißer gaben sie schließlich noch "Oriental" von Enrique Granados - traumhaft schön. Wem dieser Kurzurlaub im Süden nicht gereicht hat, um den Rest des Winters zu überstehen, konnte sich auf CD noch eine größere Dosis dieses musikalischen Antidepressivums mit nach Hause nehmen.

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