11.08.2014 - 00:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Das Sulzbach-Rosenberg International Music Festival (SRIMF) verabschiedet sich mit wuchtigen ... Die lange Nacht der Bläsermacht

Das Orchester des SRIMF unter der Leitung von Adrzej Grabiec setzte den Schlusspunkt unter das diesjährige Musik-Festival. Bild: gf
von Redaktion OnetzProfil

Das Internationale Musikfestival mit dem fast unaussprechlichen aber enträtselbaren Kürzel "SRIMF" ist seit fast einem Jahrzehnt eine kulturelle Bereicherung der zentralen Oberpfalz. Der Initiative von Christl Pelikan-Geismann und Misha Quint ist die Gewissheit zu verdanken, dass im Juli Schwärme fingerfertiger Musiker die Stadt bevölkern wie die Pilger das Annabergfest.

Cello-König Quint

Misha Quint ist aber vor allem ein veritabler Cellist, der die Highlights der Celloliteratur nur so aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Nach dem Cellorecital vor einigen Tagen (gespielt ohne Bläserschutz) musizierte er zum Finale auswendig-souverän und technisch überlegen Dvoráks h-Moll-Cellokonzert ebenso energisch-kraftvoll wie berührend lyrisch-singend. Quints nobler, frei schwingender Celloton sprach für sich, wenn man ihn denn vernahm, wie bei den solistisch begleiteten Passagen oder den Solokadenzen. Sobald Holz oder gar Blech zum Zuge kamen, konnte man die Cellopartie nur noch erahnen oder mitlesen, so geschehen bei den Arpeggien oder Oktavengängen.

Der Blick in die Partitur legte das Problem schnell frei: Piani oder Pianissimi, die Dvorák wünscht, mutierten die engagierten Bläser zu oft in Mezzoforti oder Forti, statt mit gespitzten Ohren auf den Solisten zu hören. Der klar und gut koordinierende Dirigent Adrzej Grabiec schien es hinzunehmen: Die Stunde der Bläsermacht. Sie schlug erneut bei Liszts "Les Préludes", die dadurch einen fast einschüchternd-auftrumpfenden Charakter erhielten. Mit den Instrumenten der Zeit Liszts klang das nach edelmütigem Heldentum. Dies sollte zu denken geben, ebenso die Wahl der halligen Christuskirche, die halt doch kein idealer Konzertsaal für Symphonik ist.

Akustik nicht optimal

Gut funktionierte dies bei kleiner besetzter Literatur: Mozarts Ouvertüre zu "Il re pastore" KV 208 wurde elegant und geschmeidig ohne Dirigat musiziert. Auch die ausbalancierten, runden und klangschönen Stimmen von Stephen Ng und Russell Franks beim Duett aus den "Perlenfischern" kamen gut verständlich an. Ein beglückendes Erlebnis war wieder einmal Bachs Musik: Das Concerto für Violine und Oboe c-Moll BWV 1060, das Andrzej Grabiec (nun mit der Violine) und die Oboistin Amy Collins vor allem im Adagio partnerschaftlich korrespondierend musizierten. Die Begleitung besorgte die transparent spielende reduzierte Streichersektion.

Eine andere Art von Bläsermacht offenbarten der treffliche Trompeter Chris Carillo und Amy Collins, diesmal farbenreich am Englischhorn. In Aaron Coplands "Quiet City" hören sich die Leute, die Solisten offenbar gut zu. Die apart rhythmisch durchpulsten Streicher greifen nach und nach Motive der Solisten auf. Ein solches Miteinander würde den Bürgermeister jeder City entzücken. Ovationen des recht begeisterungsfreudigen Publikums. Auf ein Neues 2015!

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