30.06.2017 - 17:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Dieter Radl gibt Mundart-Buch heraus Wäi mir da Schnowl gwaggsn is

Er trägt sein Oberpfälzer Herz auf der Zunge - und genau das ist bei Dieter Radl sprichwörtlich zu verstehen. Es gibt nur wenige Zeitgenossen wie ihn, die permanent in Wort und Ausdruck Liebeserklärungen an die Heimat aussenden können. Dialekt und Humor sind dabei Triebfedern. Jetzt bringt er sein erstes Mundart-Buch heraus.

Dieter Radl kirzagrod! Bild: bmr
von Andreas Royer Kontakt Profil

Sulzbach-Rosenberg.
(oy)
Schelmenstücke, Kindheitserfahrungen oder Zustandsbeschreibungen lässt Dieter Radl bei seinen Lesungen aufleben - immer oberpfälzisch eingefärbt, versteht sich. Sein Erfahrungsschatz ist schier unerschöpflich, die Bindergasse als Epizentrum in Jugendjahren allgegenwärtig und seine Erzählkunst einzigartig. All das hat er jetzt in seinem ersten Buch "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" gekonnt zusammengefügt. Die SRZ befragte ihn zu seinen Beweggründen.

SRZ: Wie ist es zu diesem Buch, dass Sie am Donnerstag, 6. Juli, um 20 Uhr im Capitol vorstellen, gekommen?

Dieter Radl: Die Initiative ging von meinem Umfeld aus. Der Verleger Bodner aus Pressath, der schon des Öfteren Gedichte von mir im "Heimatspiegel" veröffentlichte, hat nachhaltig gedrängt, ein Mundartbuch von mir zu veröffentlichen. Auch Freunde, Bekannte, Zuhörer, haben mich immer wieder aufgefordert, meine Mundartgeschichten und -gedichte doch einmal geschrieben heraus zu geben. Nach langen organisatorischen und inhaltlichen Vorbereitungen, ist es nun soweit!

Welche Schwierigkeiten traten bei der Niederschrift auf?

Es gibt keine einheitliche Oberpfälzer Schrift, wie etwa die hochdeutsche Schriftform. Die Niederschrift ist eigentlich eine phonetische Fassung der eigenen Sprache. Die heimischen Dialekte sind oft in ganz geringer geographischer Entfernung verschieden. Diese typischen sprachlichen Umlaute, auch einige Nasallaute, sind selbst für mich manchmal sehr schwer zu schreiben und sie dann selbst wieder gedanklich im Fluss phonetisch zu übertragen. Deswegen ist es bedeutend leichter, den Dialekt zu hören, als zu schreiben.

Warum schreiben Sie überhaupt in unserer Mundart?

Es gilt, unseren Dialekt als Kulturgut zu begreifen und zu erhalten! Damit ergibt sich auch die Möglichkeit, die Kultur, die hinter der Sprache steckt, wieder zu entdecken. "Die Sprache, das ist Heimat", so formuliert es der Liedermacher und Komponist Haindling. Kultur- und Heimatverbundenheit ist für mich ein Grund, Mundart anzuwenden. Der Dialekt ist keine Nischensprache, er ist Mittel der Kommunikation, Träger von Sinn und Überlieferung.

Warum erlebt der Dialekt allgemein wieder eine Renaissance?

Dialekt galt lange Zeit als Sprache einer sozial niederen Gesellschaftsschicht. Wer Mundart sprach, galt als einfältig, bäuerisch, ungebildet. Deswegen war auch lange Zeit der Dialekt in der Schule, selbst in den umliegenden Dörfern, verpönt. Wer Dialekt sprach, wurde von oben her betrachtet. Gott sei Dank haben viele Leute erkannt, dass beim Verlust der Muttersprache, des Dialekts, ein Kulturgut unwiederbringlich verloren ist. Eine Sprache, die man nicht mehr spricht, stirbt! Auch im Landkreis versuchen kompetente Personen oder Gruppen, unserem Dialekt wieder Leben zu geben. Dafür kann man nur dankbar sein!

Was zeichnet denn den Oberpfälzer Dialekt aus?

Unsere Mundart ist gekennzeichnet von einer Lautmalerei, einer Bildhaftigkeit, sie besitzt Ausdruckskraft und vermittelt Emotion! Vergessene Begriffe, wie "haal" oder "Gloifl" werden wieder lebendig, für ein Wort in der Hochsprache bieten sich mehrere Dialektausdrücke an, z.B. für das Adverb "hinunter" die Dialektausdrücke "unte", "owe","oi", oiche". Man kann mit unserer Mundart "malen", Stimmungen erzeugen, man kann Gefühle von feinfühlig bis derb mit treffenden Ausdrücken beschreiben.

Steht diese Aussage nicht im Widerspruch zur allgemeinen These, dass Schriftsprache, das Hochdeutsch, wichtig ist?

Die hochdeutsche Sprache ist sicher in allen Fächern Medium des Lernens. Mit Schriftsprache werden Voraussetzungen geschaffen, um zum Beispiel Medien sinnvoll zu nutzen. Sie ist wichtig für Berufschancen, mobiles Leben, überregionale Kommunikation. Aber man darf im künftigen "global village" seine Wurzeln nicht vergessen, seine Heimat, seine Heimatsprache!

Zu Ihrem Buch: Wie kommen Sie auf die Themen?

Es sind Themen aus meiner Kinder- und Jugendzeit, aus dem jahreszeitlichen Ablauf mit Festln, Brauchtum, Religion, Natur, es sind Gedanken über Leben und Tod, viele Gedichte humorvoll, aber auch nachdenklich stimmende. Viele Ideen kommen durch Lektüre, Beobachtungen, Erzählungen, oder in der Natur.

Was zeichnet das Buch "Wäi mir da Schnowl gwaggsn is" aus?

Primär ist es eine herrliche Symbiose von Text und Bild. Ich bin stolz und dankbar, dass mein langjähriger Freund Walter Mayer so hervorragende Bilder zu den Texten beigetragen hat. Er ist ein leidenschaftlicher Fotograf, viel in der Natur und hat einen Blick für Schönheit, Schöpfung und das Wesentliche. Ist es ein Gedichtband? Ein Bilderbuch? Ich denke, es ist beides: Harmonie in Schrift und Bild, der Text schreibt Bilder, die Bilder geben den Sprachanstoß. Es ist die Oberpfalz in Wort und Bild.

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