Erste Breitenbrunner Kirwa ohne Wirtshaus-Beteiligung
"Lassen Kirwa nicht einschlafen"

Wie die Matadoren mitteilen, werden es am Sonntag insgesamt neun Paare sein, die den Kirwabaum auf der neuen Festwiese in Breitenbrunn austanzen. Einige von ihnen stellten sich bei den Sieben Quellen zum Gruppenfoto. Bild: Royer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
22.08.2017
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Vom Kirwa-Virus infiziert zu sein, bedeutet auch das überlieferte Brauchtum der Altvorderen fortzusetzen. Die Breitenbrunner Kirwagemeinschaft hat sich dies zur Herzensangelegenheit gemacht. Doch aktuell muss sie das in völliger Eigenregie meistern, da es am Wochenende ohne Beteiligung des Gasthauses "Zu den sieben Quellen" laufen wird.

Sie wissen, dass die ganze Sache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, aber für Sebastian Sörgel und Bernd Makitta vom Festausschuss bietet sich nach eigener Überzeugung jetzt die Gelegenheit, eine echte Dorfkirwa im Breitenbrunner Tal zu etablieren. Für den Entschluss der Wirtsfamilie, sich nicht mehr an der Kirwa zu beteiligen, zeigen sie Verständnis, zumal die Gesundheit schließlich Vorrang genieße. Gleichzeitig fühlen sie sich aber verpflichtet, das große Brauchtumsfest vollumfänglich im Sinne der bereits verstorbenen Vorgänger fortzusetzen. "Es ist für uns eine Herzenssache, dass wir die Kirwa nicht einschlafen lassen und diejenigen dadurch ehren, die das Fest aus der Taufe gehoben haben", unterstreicht Sebastian Sörgel.

Das rund 30-köpfige Organisationsteam stand vor der Aufgabe, eine komplette Kirwa im wahren Wortsinn auf der grünen Wiese auszurichten. Längst sind die Weichen für das kommende Wochenende gestellt, zahlreiche Vorarbeiten erledigt. Im westlichen Anschluss an das frühere Festgelände hat Roland Klier der Kirwagemeinschaft sein gepachtetes Wiesengrundstück als Festgelände zur Verfügung gestellt. "Den Grundstein für die eigenständige Kirwa haben wir zunächst mit einer soliden finanziellen Kalkulation gelegt. Bei Kassiererin Kathrin Makitta liefen hier die Fäden zusammen, um Klarheit über die Realisierung des Vorhabens zu schaffen", schildert Bernd Makitta die grundsätzliche Vorgehensweise. Schließlich hätten sich rund 30 Personen aus Kirwa- und Dorfgemeinschaft zusammengefunden, um die Kirchweih auszurichten.

Herzstück wird das große Festzelt der Brauerei Fuchsbeck sein, die auch die Getränke liefert. Für Bratwürste und Steaks sowie für den Mittagstisch am Sonntag zeichnet die Metzgerei Rötzer verantwortlich. Zusätzlich wird es auch Steckerlfisch geben. Die Wasserversorgung gewährleistet die Stadt, die das ganze Unterfangen von Anfang an wohlwollend begleitet habe. Als Toiletten werden WC-Wagen bereitstehen. Eine große Parkfläche für die Autos bietet südlich eine große Wiese entlang der Straße.

"Wenn auch das Wetter - und die Prognosen sind gut - mitspielt, dürfte einer zünftigen Kirwa bis zum Morgensegen am Montag nichts im Wege stehen", sind Sebastian Sörgel und Bernd Makitta überzeugt.



Drei Fragen
Frau Mutzbauer, Ihre Gastwirtschaft wird sich heuer nicht an der Breitenbrunner Kirwa beteiligen. Was ist der Grund dafür?

Kuni Mutzbauer: Wir hätten sehr gerne wieder an der Kirwa mitgemacht, aber aus gesundheitlichen Gründen ist das leider nicht mehr möglich. Wenn man weiß, wie gerne ich und meine Tochter Birgit kochen, ist uns diese Entscheidung wirklich nicht leicht gefallen.

Die Breitenbrunner Kirwaleit werden das Brauchtumsfest in Eigenregie ausrichten. Ist Ihr Gasthaus auch geöffnet?

Ja, wir werden wie gewohnt ganz normal geöffnet haben. Den Kirwapaaren wünsche ich viel Erfolg, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, welch enormer Arbeitsaufwand für so ein großes Fest notwendig ist.

Die Breitenbrunner Kirwa ohne das Gasthaus Sieben Quellen ist fast nicht vorstellbar. Wie viele Kirwan haben Sie hier erlebt?

Einerseits ja, aber alles hat nun mal seine Zeit. Insgesamt habe ich hier seit 51 Jahren die Kirwa verantwortlich ausgerichtet. Ich kann Ihnen sagen, da waren die Nerven oft schon vier Wochen davor richtig angespannt. (oy)

Das Kirwa-Programm: Fassl, Bätz und Muse

Die Moila und Boum schwitzen schon seit Wochen bei den Tanzproben, denn in Breitenbrunn steht am Wochenende die Kirwa im Kalender. Der Startschuss fällt auf der neuen Festwiese am Freitag ab 18 Uhr im Zelt mit einer Party für Jung und Alt, Cocktails bereichern das übliche Angebot.

Der Samstag beginnt um 11 Uhr mit dem schweißtreibenden Baumaufstellen, zu dem auch Helfer willkommen sind. Im Festzelt sorgen ab 18 Uhr die Formation "Reckless" und ab 20 Uhr der Barbetrieb (an allen Tage) für Stimmung. Eine gute Tradition hat im Breitenbrunner Tal auch der Kirwa-Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Es schließt sich der Mittagstisch mit Bratengerichten an. Gegen 14 Uhr formiert sich der Zug der Boum, inklusive Fassl, Bätz und Muse, um die Moila im Dorf zu suchen und einzuholen. Rund zwei Stunden später steht dann mit dem Austanzen des Baumes, das die Kirchenreinbacher Spitzboum begleiten, der Höhepunkt an. Danach unterhalten die Bergwaldmusikanten im Festzelt.

Am Montag startet der Festbetrieb ab 17 Uhr, für musikalische Klänge sorgen ab 18 Uhr die "Boazn Briada". Weitere Höhepunkte bieten um 19 Uhr das Austanzen der Alten, um 21 Uhr die Baum-Verlosung und um 24 Uhr der Morgensegen.


Quadrat wird kein Dreieck

Angemerkt von Andreas Royer

Die Kirchweih-Zeit erreicht in der Herzogstadt ihren Zenit. Großenfalz und aktuell Sulzbach mit der Woizkirwa haben ihre großen Brauchtumsfeste erfolgreich hinter sich gebracht. Nun macht der Kirwa-Reigen am Wochenende im Breitenbrunner Tal Station, und eine Woche später schließt sich das Kirwa-Quadrat mit der großen Rosenberger Kulturveranstaltung. So ist es Brauch, so gefällt es uns und so soll es auch bleiben.

Aber das alles ist beileibe kein Selbstläufer. An diesen vier Veranstaltungen gibt es für Kirwagemeinschaften, Organisatoren und Wirte immer alle Hände voll zu tun. Wenn sich auch viele Abläufe Jahr für Jahr gleichen, getan werden muss die Arbeit trotzdem. Das spüren jetzt die Breitenbrunner Kirwaleit, die nach der aus Gesundheitsgründen abgesagten Beteiligung des Gasthauses "Zu den sieben Quellen" ihre erste Kirwa in Eigenregie stemmen werden.

Viel Verständnis wird für den Rückzug von Kuni und Birgit Mutzbauer entgegengebracht. Da braucht auch niemand böse sein. Im Gegenteil, alle Freunde des Breitenbrunner Tales sind froh, mit dem Gasthaus Mutzbauer noch eine der wenigen Traditionswirtschaften im Sulzbacher Bergland zu haben. Nicht auszudenken, wenn dieser sichere Hafen der Gastlichkeit mit den weithin berühmten Hausmacher-Spezialitäten wegbrechen würde. Wir brauchen die Wirtsfamilie!

Das wissen natürlich auch die Breitenbrunner Kirwaleit, die sehr dankbar für die vergangene Zusammenarbeit sind. Jetzt aber nehmen sie die Herausforderung mit Elan an, selbst eine Brauchtumskirwa im Sinne ihrer verstorbenen Kirwa-Matadoren auf die Beine zu stellen. Und deshalb braucht man das städtische Kirwa-Quadrat auch zukünftig in kein Dreieck umformen.

andreas.royer@oberpfalzmedien.de

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