20.02.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Fitzgerald Kusz bleibt auch in seinem neuesten Gedichtband Nämberch-Blues Heimat und Dialekt ... Bengerdz-Blues und Nämbercher Bestiarium

Eines steht fest für Fitzgerald Kusz: "di weld is ä wegglä:/ ohne broudwerschd/ ned auszuhaldn!" In seinem Gedichtband "Nämberch-Blues" hat die Ikone der fränkischen Mundartdichtung viele seiner tiefschürfenden Gedanken und leichtfüßigen Beobachtungen lyrisch in Form gebracht.

Die fränkische Mundart-Ikone schlechthin: Fitzgerald Kusz. Im Interview spricht er über seien neuen Gedichtband "Nämberch Blues". Bild: S. Radlmaier
von Anke SchäferProfil

Sulzbach-Rosenberg/Nürnberg. Aber Obacht: Ohne Übung mit prälabialem Waffel-L und nivellierten harten und weichen Konsonanten hilft nur unerschrockenes Laut-Lesen. Eine kleine Mühe, die Fitzgerald Kusz jedoch vielfach entlohnt mit kurzen Momentaufnahmen, die ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken und jede Menge Musik in den Alltag bringen. Also "... fang einfach oo/ und wennsd dann/erschd ämall/enn oonfang hasd/wersd säing/gäihd allers/wäi vo selbä ...". Die Kulturredaktion macht einen Anfang und legt dem Dichter des unverwüstlichen Theater-Klassikers "Schweig Bub" einige Fragen vor:

"die rache / der sprache / ist das gedicht": Diesen schönen Spruch des österreichischen Dichters Ernst Jandl zitieren Sie gerne. Trotzdem verströmen Ihre Gedichte so viel Charme und Liebenswürdigkeit - ein Widerspruch?

Kusz: Das ist für mich kein Widerspruch. Darin zeigt sich mal wieder, was ich die Dialektik des Dialekts nenne. Die Sprache ist ja normalerweise ein reines Verständigungsmittel, manchmal auch nur leeres Geschwätz, die Sprache des Gedichts dagegen setzt auf Poesie und Fantasie. Natürlich ist Jandls Spruch zugespitzt, aber nur so wird deutlich, was Lyrik zu leisten vermag.

Sie verfassen hauptsächlich Lyrik und das obendrein noch im Dialekt. Worin liegt der Reiz an dieser Nische in der Nische?

Vor fünfzig Jahren etwa habe ich mit dem Schreiben angefangen - mit hochdeutscher Lyrik. Ein paar Jahre später habe ich so ganz nebenbei die ersten Dialektgedichte geschrieben. Mich hat das lautliche Potenzial der Mundart gereizt, der Klang dieser Sprache, oder - um es musikalisch zu sagen - der "Groove". Hochdeutsch kam mir - ich habe ja Englisch studiert und ein Jahr in England gelebt - viel schwerfälliger vor als der Dialekt. Außerdem hatte ich mit meinen Mundart-Gedichten den größeren Erfolg. Das war damals etwas ganz Neues.

Wie schwer war und ist es überhaupt, nach dem überwältigenden Erfolg von "Schweig Bub" als überaus produktiver Lyriker wahrgenommen zu werden?

Es gab schon lange vor "Schweig Bub" Gedichte. Mein erster Literaturpreis war für meine Lyrik. Ich habe neben meinen Theaterstücken auch immer wieder Gedichte geschrieben. Das war für mich unverzichtbar!

Selbst als gebürtiger Nürnberger muss man Ihre Gedichte laut lesen, um all Ihre schriftlichen Kniffe zu entschlüsseln. Wollen Sie auf diesem Weg auch gleich noch das Lesen als Gemeinschaftserlebnis fördern?

Es ist doch ein ästhetisches Vergnügen, Mundart-Gedichte wie ein Geheimdokument zu dechiffrieren. So ein Gedicht muss man sich "erarbeiten", dann ist Freude daran vielleicht um so größer.

Jetzt mal zu Henne und Ei: Wenn sich bei Ihnen eine Inspiration konkretisiert, suchen Sie erst nach einer Gedichtform oder kommt zuerst der Inhalt, dem dann die Form folgt?

So schematisch lässt sich das nicht trennen. Das geht ineinander über. Nur bei Haikus, die ich ja gerne schreibe, hat die Form Vorrang. Es muss ja immer auf drei Zeilen hinauslaufen.

In "Nämberch Blues" findet sich ein Kapitel "singsongs" oder auch eine fränkische Version von John Lennons "Imagine" - wie wichtig ist Melodie für ein Gedicht?

Da antworte ich mit Nietzsche: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." Vielleicht habe ich ja auch ein Musik-Gen von meinem Vater geerbt. Der hatte eine Opernsänger-Ausbildung.

Nürnberg ist Ihr erklärtes Herzensthema - endet Ihre Liebe zur Heimat eigentlich auch an der Stadtgrenze zu Fürth oder sind Sie kein Anhänger dieser traditionellen Rivalität?

Ich lese meine Gedichte genauso gern in Fürth vor. Die Rivalität zwischen beiden Städten ist ja eigentlich nur eine typisch fränkische Frotzelei ...

Und als Letztes: Sie haben Nürnberg so viele literarische Denkmale gesetzt, erwidert die Stadt diese Liebe und wenn ja, wie?

Man hat mir die Bürgermedaille der Stadt Nürnberg verliehen.

Der Gedichtband "Nämberch-Blues" von Fitzgerald Kusz ist beim Verlag "ars vivendi" erschienen (144 Seiten) und kostet 15 Euro .

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