18.10.2017 - 15:24 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Friedrich Hirschls Stilles Theater im Literaturhaus Oberpfalz Herbstfeuer, Winterliebe und Poller

Den Frühling hat Lyriker Friedrich Hirschl ausgespart: In zu weiter Ferne, um dem Publikum im Literaturhaus aus dem Herzen zu sprechen. Klarinettist Heiner Weigert und Kontrabassist Stefan Rimek erinnern dagegen mit ihrer "Summertime"-Version noch einmal an die gerade verblasste Saison, der demnächst Hirschls erklärte Lieblingsjahreszeit auf dem Fuße folgt.

"Stilles Theater" mit coolem Sound: Dichter Friedrich Hirschl (Mitte) mit seinen musikalischen Begleitern Heiner Weigert (links) und Stefan Rimek (rechts). Bild: Schäfer
von Anke SchäferProfil

Er sei eine "heißhungrige Winterkatze", so der Passauer Dichter, der die Präsentation seines neuesten Bands "Stilles Theater" mit sichtbarem Vergnügen in Angriff nimmt. Er lese ja ohnehin jeden Tag darin einige seiner kurzen, prägnanten Werke und "immer lacht mein Herz dabei". Ein Grund dafür könnte in Hirschls Versiertheit in Sachen Poesie liegen, denn "Stilles Theater" ist zwar seine erste Veröffentlichung bei der Oberpfälzer "edition lichtung", insgesamt umfasst das Ouvre aber bereits acht Publikationen.

Als musikalischer Begleiter weitet Rimek mit Weigert den Blick von der Oberpfalz weit hinaus in die Welt, vom russischen Volkslied über eine hebräische Spielart des Chorals bis zum jahreszeitlich passenden "Autumn Leaves". Als sich der Vorhang endgültig hebt für Hirschl und seine von alltäglichen Beobachtungen und Gedanken inspirierte Lyrik, sehen die Zuhörer wieder Ackerwinden, ein sonnenverwöhntes Zuhause, herbstliche Laubfeuerwerke oder Novembernebel vor dem geistigen Auge und lauschen den letzten Grillen und den ersten Herbststürmen.

Ab und zu lässt der Dichter auch hinter die künstlerischen Kulissen blicken und erzählt etwa von den Widmungsträgerinnen zweier Gedichte, seiner ältesten Tochter Miriam und der Hauskatze Peggy. Besondere Freude bescherte ihm "Ein Poller von Interesse": Von der Stadt Stuttgart ausgewählt und in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt plakatiert, könnte das Werk nach Schätzungen der "Süddeutschen Zeitung" während der viermonatigen Aktion rund 600 000 Leser pro Tag gefunden haben - von wegen Lyrik als Nischenkunst.

Das letzte Kapitel seines schön aufgemachten Büchleins ist mit "Gute Nacht" überschrieben und rundet schon allein deshalb die Lesung zum Ende hin mit den Kostproben "Vollmond", "Maßlos" und "Gute Nacht" perfekt ab. Wer nach diesem Abend ein wenig von Friedrich Hirschls Blickweise übernimmt, kann zukünftig auch im schnödesten Alltag und bei schlimmstem Wetter ein erhellendes Quäntchen Poesie entdecken.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.