05.03.2018 - 18:46 Uhr
Sulzbach-Rosenberg

Fünfter Museumstag im Stadtmuseum fasziniert fast 300 Besucher Nicht nur alte Besen

Es war die Frage aller Fragen. Ob der Schlumpf in die Krippe gehört? Alle Kinder wussten es. Für viele Antworten der Museums-Rallye mussten sie sich mit Ausstellungsstücken beschäftigen, Handwerker fragen oder aufmerksam zuhören. Fast wären die Fragebögen ausgegangen. Mit so viel Andrang beim 5. Museumstag hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet. Tanja Weiss, das Stiber-Fähnlein und Mitglieder befreundeter historischer Gruppen hatten zusammen mit Museumsleiterin Edith Zimmermann und dem Museumsförderverein diesen Tag organisiert.

von Redaktion OnetzProfil

Altes Handwerk stand dabei im Vordergrund, zum Beispiel der Sarwürker. Das war im Mittelalter ein auf das Herstellen von Kettenpanzern spezialisierter Handwerker. Es ist viel Geduld erforderlich, ein Kettenhemd anzufertigen, vor allem wenn jeder einzelne Ring auch noch vernietet wird. So mancher Besucher zog ein Kettenhemd über und konnte am eigenen Körper spüren, mit welchen Gewichten die Ritter damals umgehen mussten.

Dass man mit einem Reisigbesen die Straße kehrte, das ist noch nicht so lange her, und viele Besucher erinnerten sich an ihre Kindheit. Aber maschinell hergestellte Besen haben das Handwerk des Besenbinders verdrängt. Im Museum war es jedoch noch zu sehen. Auch die Tätigkeit des Korbflechtens wurde gezeigt. Es ist immer wieder faszinierend, wie geschickte und kräftige Hände aus Weidenruten in wenigen Stunden einen Korb entstehen lassen.

Über das Strafrecht im Mittelalter klärte Bäckermeister Wolfgang Fischer auf. Nur gut, dass es sich um einen mündlichen Vortrag handelte und nicht um eine praktische Vorführung.

Wie schwer ist eine Kanonenkugel? Viermal so schwer wie ein großes Nutella-Glas? Es war keine einfache Aufgabe, denn schnell verschätzt man sich um ein oder zwei Kilo. Aber mit geschickten Fragen an die Kanoniere des Stiber-Fähnleins konnten alle Kinder die Frage richtig beantworten.

Welche Lebensmittel hatte man im Mittelalter zur Verfügung? Was aßen die armen Leute, was konnten sich die Reichen leisten? Allzu leicht ließ man sich dazu verleiten, die Kartoffel in die Kategorie des Arme-Leute-Essens einzuordnen. Aber dazu musste erst Amerika entdeckt und die Kartoffel von Südamerika nach Europa gebracht werden. Über die Braukunst im Mittelalter informierte Stefan Kalkbrenner. Er setzte zudem ein Red Ale an, ein Bier aus zwei Röstmalzen. Leider muss man sich noch ein paar Wochen in Geduld üben, bevor es verkostet werden kann.

Wie schrieb Christian Putzier auf der Facebookseite über den Museumstag? Zwei Stunden waren geplant, fünf sind es geworden. Nächstes Jahr gerne wieder. Diesen Wunsch werden die Macher des Museumstages wohl gerne aufnehmen.

Stiber-Spaziergang

Der Museumstag am Sonntag wurde bereits am Freitag mit dem Stiber-Spaziergang "Vom Kaiser zu den Bayern" eingeläutet. Jede Menge Spektakel und Einlagen brachten den Teilnehmern eine für die Stadt wichtige Zeitperiode und deren Lebensumstände näher. Wer war Doktor Schnabel? Wie wurde mit der Pest umgegangen? Warum wurden die Amberger, die schon vor den Toren Sulzbachs standen, wieder zurückgedrängt? Und mit welchen Foltermethoden wurden im Lochgefängnis die Gefangenen malträtiert? Das will man vielleicht gar nicht so genau wissen, wenn grausige Schreie aus den Tiefen des Rathauses ins Ohr dringen. Wegen des regen Interesses an dieser Veranstaltung sind weitere Termine geplant. (mfh)

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