Gerstensaft am Tag des Bieres im Mittelpunkt
Ur-Pils gewaltig unter Druck

Dieses Schauglas in der Kalkbrenner-Anlage nennt der Brauer Läuterlaterne. Hier kann sich der "Herr über Hopfen und Malz" einen ersten optischen Eindruck von der geklärten Bierwürze machen. Diese fließt zurück in die Sudpfanne, wo sie unter Zugabe von Hopfen gekocht wird. Es folgen Kühlung, Hefegabe, Gärprozess, Lagerung und am Ende der Genuss.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
21.04.2017
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Die vollautomatische Hausbrauanlage von Stephan Kalkbrenner ist pro Sud auf 150 Liter ausgelegt. Bilder: Royer (5)
 
Stephan Kalkbrenner legt bei Bedarf auch selbst Hand in seinem Braukeller am Seilbahnweg in Sulzbach-Rosenberg an. Da seine Gerstensäfte eben handwerklich eingebraut werden, könnten sie wie derzeit modern auch als "Craft-Biere" bezeichnet werden.

Wo schweres Eisen bearbeitet wird, vermutet man keinen Brauer. Doch sein Metier stellte sich für Stephan Kalkbrenner als vorteilhaft heraus. Der Metallbau-Meister fertigte seine erste Edelstahl- Brauanlage quasi von Berufs wegen in Eigenregie. Und zum Tag des Bieres reift in seinem kleinen Brauhaus schon wieder eine neue hopfige Überraschung.

Ganz am Anfang standen ein 30-Liter-Einkochtopf und zwei Sorten Bier - aber das ist jetzt gut 15 Jahre her. Ein Kumpel, der in Lauf Brauer und Mälzer lernte, brachte Stephan Kalkbrenner auf den Trichter, sich selbst einmal am Sudkessel zu versuchen. Schon seit dieser Zeit setzten die jungen Männer pro Jahr circa zehn Sude Bier an - oft natürlich auch ausschließlich, um an Erfahrung zu gewinnen.

Steigende Qualität


Sicher zahlte dabei auch ein Metallbau-Meister etwas Lehrgeld, aber die eigene Braukunst nahm dennoch immer klarere Formen an und gewann zusehends an Qualität. So blieb es nicht aus, dass bald Freunde und Bekannte auf die hausgebrauten Gerstensäfte aufmerksam wurden. "Ab 2006 haben wir erstmals für das Stiber-Fähnlein ein historisches Bier mit einer antiken Anlage eingebraut. Als Läuterbottich kam eine alte Heißwindleitung vom MH-Hochofen zum Einsatz. Das hat alles funktioniert", blickt der Hobbybrauer zurück.

Im Jahr des Kochtopfes stieg Kalkbrenner noch auf eine 90-Liter-Anlage um, drei Jahre später baute er sich dann ein Zwei-Geräte-Sudwerk mit 350 Litern Ausschlagsmenge - parallel war der Umzug in den eigenen Keller unterhalb der Garage am Seilbahnweg erfolgt. Die dort etwas beengten Verhältnisse führten schließlich 2013 zur Anschaffung einer vollautomatischen 150-Liter-Anlage aus Österreich. "Hierbei handelt es sich eigentlich um das gleiche Modell, wie es in Weihenstephan zur Ausbildung der Brauer eingesetzt wird."

Reinheitsgebot überwiegt


Inzwischen hat der Hausbrauer seine Bierherstellung so geregelt, dass abwechselnd immer zwei Lagertanks mit je 250 Litern Bier reifen oder abgefüllt werden können. "Wir brauen überwiegend, aber nicht ausschließlich nach dem Bayerischen Reinheitsgebot. Es wird immer wieder auch experimentiert, aber die gängigen Sorten wie Hell, Dunkel, Pils, Weizen, Zoigl oder Bock haben wir immer wieder im Sortiment", zählt Kalkbrenner auf. Erst kürzlich sorgte er beim St.-Patrick's-Day in Rosenberg mit dem irischen Stout-Bier Roseness für Aufsehen. Im Februar meldete der 36-jährige Chef der renommierten Metallbau-Firma Kalkbrenner sein Hobby offiziell als Brauhaus Rosenberg an.

Auf den besonderen Reiz seiner Freizeitbeschäftigung angesprochen, erklärt der Spezialist für Hopfen und Malz: "Ein Brauer sollte jeden Tag beim Bier sein, um den Gär- und Lagerprozess, also Druck und Temperatur, zu überwachen." Reizvoll sei es für ihn auch immer, neue Biersorten auszuprobieren oder einen Sud zweimal anzusetzen, um die Unterschiede herauszuarbeiten.

Ganz aktuell zum Tag des Bieres hat Kalkbrenner die Sorte "Rosenberger Ur-Pils" aus dem Sudkessel gehoben. Es befindet sich seit Donnerstag in den Drucktanks. Und für dieses Jahr sind schon weitere Spezialbiere angekündigt - so zum Rosenfest oder Stiber-Jubiläum. Die Zeit der Wunder scheint bei uns also noch nicht vorbei zu sein, denn Rosenberg hat endlich wieder eine eigene Brauerei ...

Tag des BieresAm Sonntag, 23. April, steht der Tag des deutschen Bieres im Kalender. Damit wird der Erlass des Reinheitsgebots im Jahr 1516 gefeiert, des ältesten Lebensmittelgesetzes der Welt. Seitdem gilt nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes per Gesetz: Ins Bier gehört nur Wasser, Hopfen und Gerste (die Hefe wurde erst später erwähnt, als man in der Lage war, Hefe herzustellen). Dieses älteste Lebensmittelgesetz der Welt feiern die deutschen Brauer - wie das 500-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr - mit zahlreichen Veranstaltungen und Festen im ganzen Land.

Der bayerische Herzog Wilhelm IV. forderte also vor 501 Jahren: Zum Brauen sollten nur wenige natürliche Zutaten verwendet werden dürfen. Er wollte damit dem manchmal wüsten Treiben beim Bierbrauen den Garaus machen. Laut Brauer-Dachverband waren die Menschen im Lauf der Zeit auf die abenteuerlichsten Ideen gekommen, um ihrem Bier einen besonderen Geschmack zu verleihen oder um es haltbarer zu machen: Vom Zusatz von Kräutern ist zu lesen, von Ruß (für Dunkelbier), von Kreidemehl (um sauer gewordenes Bier wieder genießbar zu machen) und sogar von Stechapfel und Fliegenpilz wird berichtet - als besonderer geschmacklicher Verfeinerung.

Und Bier hat auch im Landkreis Amberg-Sulzbach und in Amberg viele Freunde. Mit zurzeit 14 Brauereien oder Braustätten erwartet den Gerstensaft-Liebhaber eine Bierlandschaft von über 100 verschiedenen Sorten. (oy)


Rückkehr der Zoigl-Kultur im Landkreis Amberg-Sulzbach: Gasthaus Sörgel in Prohof hängt den Brauer-Stern ausSeit fast 100 Jahren bewirtet das Gasthaus Sörgel in Prohof Gäste aus nah und fern. Aufbauend auf die Bekanntheit durch das Holzofenbrot und die deftigen Brotzeiten von Hans und Renate Sörgel, haben sich die jungen Wirtsleute Carola und Uwe Schall als Nachfolger nun zusätzlich auf eine alte Oberpfälzer Bier-Tradition besonnen und bieten im Jahr ab März (außer in den Monaten Juni, Juli und August) sieben Zoigl-Termine - jeweils über drei Tage - an.

Dabei arbeiten sie eng mit der Schnellinger-Bräu zusammen, die in Irrenlohe bei Schwarzenfeld beheimatet ist. Wie Hausbrauer Jürgen Schnellinger beim ersten Zoigl-Termin informierte, handelt es sich beim Zoigl um ein naturbelassenes, unfiltriertes Bier. "Regionalität und Tradition bedeuten mir auch beim Brauvorgang sehr viel. Deshalb stelle ich meine Biere handwerklich nach einem traditionellen bayerischen Brauverfahren sowie mit eigenem Naturhopfen her."

Bei dem gebürtigen Ursensollener sind das Einhalten des Bayerischen Reinheitsgebotes von 1516 sowie die Verwendung regionaler Rohstoffe (sein Hopfengarten wurde ursprünglich mit Pflanzen aus Illschwang angelegt) Ehrensache. "Kein Sud schmeckt exakt wie der andere, dadurch ist Vielfalt garantiert, gibt sich Schnellinger überzeugt. Pro Woche sorgt der gelernte Maschinenbaumeister mit einem Sud von fünf Hektolitern dafür, dass der Zoigl-Nachschub nicht versiegt.

Die Prohof-Wirtsleute Carola und Uwe Schall freuen sich schon auf die nächste Zoigl-Runde vom 28. bis 30. April. Dann fließt in Prohof wieder helles und dunkles Zoiglbier, stehen deftige Brotzeiten auf dem Tisch und es wird zünftig aufgespielt. Ein Stück Tradition kehrt so zurück in den Landkreis und trifft wie beim ersten Termin sicher auf viele gut gelaunte Gäste - so wie zu Zeiten unserer Altvorderen, als das Bier ja noch dunkel war ... (oy)


Als Läuterbottich kam eine alte Heißwindleitung vom MH-Hochofen zum Einsatz.Stephan Kalkbrenner
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