Großer Andrang am Schloss in Sulzbach-Rosenberg
Lebendige Blüte der Sulzbacher Grafen

Günter Haller zeigte das Fundament des achteckigen Wohnturms. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.09.2017
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Das Sulzbacher Schloss dominiert die Silhouette der Stadt. Jeder kennt den prächtigen Bau - von außen. Der Tag des offenen Denkmals bot die Gelegenheit, mit fachkundigen Führungen durch Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer und Stadtführer Günter Haller alias Baron Christian Knorr von Rosenroth auch das Innere kennenzulernen.

"Macht und Pracht", das war das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals, und kein anderes Gebäude hätte da besser passen können als das Sulzbacher Schloss. Rund 400 Personen aus der ganzen Oberpfalz nutzten die seltene Gelegenheit, den stolzen Bau zu besichtigen.

Ins 9. Jahrhundert

Haller nahm die Besucher mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte. Der älteste erhaltene Teil des Schlosses ist die Kapelle aus der karolingischen Epoche. Daneben fanden die Archäologen bei Untersuchungen 1992 bis 2001 Reste einer Memorialkapelle mit Kopfnischengräbern, die belegen, dass Sulzbach schon im 9. Jahrhundert ein bedeutendes Herrschaftszentrum im Nordgau war. Haller zeigte das Fundament eines achteckigen Wohnturms aus der Zeit, als in der Burg die Sulzbacher Grafen lebten, eine der mächtigsten Familien des deutschen Reichs im 11. und 12. Jahrhundert.

Vision der Eleonore

Von den mittelalterlichen Gebäuden sind nur noch Reste erhalten, weil Herzog August anlässlich seiner Hochzeit 1620 auf den alten Fundamenten ein neues, modernes Renaissanceschloss bauen ließ. Die Besucher bewunderten aus dieser Zeit den Stuck und einige Fassaden.

Die nächste Blüte erfolgte unter Herzog Christian August im 17. Jahrhundert. Haller in seiner Rolle als Knorr von Rosenroth ließ diese Epoche lebendig werden. Er führte die Gruppe hoch hinauf in den Palas, wo er mit einigen Männern und Frauen ein Fest am Hof des Herzogs nachspielte.

In dem Saal soll sich eine sonderbare Begebenheit zugetragen haben: Herzogin Eleonore trat auf einen Spiegel zu und sah nicht ihr Ebenbild, sondern einen jungen Mann mit Königskrone. Lange grübelte sie, was das bedeuten könne. Erst achtzig Jahre später, als sie schon lange nicht mehr lebte, erwies sich die Bedeutung der Vision: Ihre Enkelin Maria Franziska gebar Maximilian I., den ersten König von Bayern.

Zum Abschluss führte Haller die Gruppe außen um das Schloss herum durch die Gärten, die der Drucker und Verleger Johann Esaias von Seidel ab 1807 an dem steilen Berghang anlegen ließ. Die Terrassen mit alten Bäumen sind zauberhaft, aber, wie Haller erläuterte, der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich. Das Gelände gehört dem bayerischen Staat, außerdem sind die Mauern und Treppen überwachsen, baufällig und aus Sicherheitsgründen verschlossen. "Der Tag des offenen Denkmals ist ein Erfolg dank Ihres Besuchs", freute sich Dr. Lommer schließlich über die vielen interessierten Besucher.
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