21.09.2017 - 15:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ingo Schulze mit seinem Schelmenroman zu Gast im Literaturhaus Oberpfalz Hol(t)zkopf im Glück

In seinem neuesten Roman hat der Schriftsteller Ingo Schulze eine Art Forrest Gump für die jüngere deutsche Geschichte ersonnen. Peter Holtz heißt der Held, der sein glückliches Leben in der DDR und der wiedervereinigten Bundesrepublik erzählt.

Ingo Schulze stellt in Sulzbach-Rosenberg seinen Roman "Peter Holtz: Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst" vor. Bild: Gaby Gerster
von Anke SchäferProfil

Die erstaunlichen Erlebnisse der holzköpfig durchs Leben stolpernden Figur haben es schon auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017 geschafft und werden am 24. September mit dem Rheingau Literaturpreis ausgezeichnet. Am Dienstag, 26. September, stellt Ingo Schulze seinen Roman "Peter Holtz" um 19.30 Uhr im Literaturhaus vor. Der Kulturredaktion hat Schulze Fragen zu Roman und Lesung beantwortet:

28 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint die Mauer in vielen Köpfen noch zu stehen und auch die "Ostalgie" macht sich in der Gesellschaft breit. Setzt Ihr Roman genau zur rechten Zeit ein Zeichen gegen diese Tendenzen?

Ingo Schulze: Es geht in dem Buch um unsere heutigen Selbstverständlichkeiten, die uns leiten und lenken, ohne uns immer bewusst zu sein, sonst wären es ja keine Selbstverständlichkeiten. Peter Holtz, das ostdeutsche Heimkind, ist zuerst von der DDR erfüllt, wird dann christlich, was sich bestens mit seinen kommunistischen Idealen vereinbaren lässt, tritt in die CDU ein und gelangt ganz nach oben. Der Westen belohnt seine Uneigennützigkeit in der DDR - er hat sich um verfallende Häuser gekümmert und diese sich schenken lassen - mit Millionen. Seine Frage aber ist: Wie werde ich das Geld mit Anstand wieder los?

Haben Sie die Form des Schelmenromans gewählt, weil das Lachen, das oft im Halse stecken bleibt, die Schrecken des DDR-Unrechtsregimes und der Wende drastischer hervorhebt als zornige, verbitterte Anklagen das könnten?

Das Lachen soll einem ja nicht nur in Bezug auf die DDR im Halse stecken bleiben. In Deutschland, überhaupt im reicheren Teil Europas, leben wir trotz aller gravierenden sozialen Unterschiede innerhalb des Landes so gut, weil andere so schlecht leben. Das zu ändern ist unsere Aufgabe.

Würde Ihnen im echten Leben ein Mensch wie Peter Holtz begegnen - brächten Sie zumindest teilweise Sympathie für ihn auf?

Als Leser geht es mir ja so, dass ich in das Leben der Figuren eintrete, so wie sie in mein Leben eintreten, wenn sie im Buch lebendig werden. Ich hoffe, dass Peter Holtz bei all seiner Eigenart Interesse weckt, vielleicht sogar Zuneigung. Und man will wohl wissen, wie es mit ihm weitergeht. So ging es mir zumindest beim Schreiben.

Reagiert das Publikum bei Lesungen im Westen anders auf den Roman als die Leser im Osten und wenn ja, wo liegt der Unterschied?

Da muss ich sehr vage bleiben. Eigentlich kommt es mehr darauf an, wie eingeführt so ein Ort für Lesungen ist. Es ist ja ein Roman, in dem die zweite Hauptfigur das Geld ist. Und da lacht man oder weint man über ziemlich ähnliche Dinge.

Ihr Roman hat bereits den Rheingau-Literaturpreis erhalten. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für Ihre Arbeit?

Jede und jeder braucht Anerkennung. Dadurch arbeitet es sich leichter. Wenn sich diese in Form eines Preises ausdrückt und dieser obendrein zum Preisgeld zusätzlich 111 Flaschen Rheingau-Riesling beinhaltet, sollte sich das nächste Buch eigentlich von selbst schreiben ...

Ihre Lesung am 26. September im Literaturhaus Oberpfalz ist nicht Ihr erster Besuch in der Oberpfalz. Was verbindet Sie mit dem Literaturhaus und der Stadt Sulzbach-Rosenberg?

Für jeden Autor ist es eine Art Ritterschlag, ins hiesige Literaturhaus eingeladen zu werden. Das liegt zum einen an der von Walter Höllerer begründeten Tradition, hat aber auch seinen Grund in der Liste der eingeladenen Schriftsteller. Und an der Qualität der Moderation (Thomas Geiger - Anm. d. Red.).

Reservierungen unter Telefon 09661/8159590 oder E-Mail an info[at]literaturarchiv[dot]de. Der Roman ist bei S. Fischer erschienen und kostet 22 Euro.

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