18.01.2018 - 16:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Interview mit Autor Gerhard Köpf Erinnerungen aus dem "Blauen Land"

Jedes Dorf hütet seine Erinnerungen und Geheimnisse. Was passiert, wenn sich ein unspektakulärer Reportageauftrag zur Reise in die eigene Vergangenheit entwickelt, malt Gerhard Köpf in seinem neuen Roman "Das Dorf der 13 Dörfer" in allen Farben von düster bis schrill aus. Am Freitag, 2. Februar (19.30 Uhr), auf Einladung der Buchhandlung Volkert im Literaturhaus Oberpfalz zu Gast.

Eine Reise führt einen älteren Journalisten in die Provinz der 1950er Jahre. Eigentlich ist er spezialisiert auf Nachrufe und schreibt im Radio für das Kalenderblatt. Aber ein neuer Auftrag für eine Reportage über das Dorf der 13 Dörfer führt den Erzähler zurück in das Land "Innerfern" - seit 1983 der Ausgangspunkt des literarischen Kosmos von Gerhard Köpf (Bild) und mittlerweile in zahlreichen Romanen und Erzählungen ausgefaltet. Bild: privat
von Anke SchäferProfil

Festgefahren bei Kalenderblättern und Features zum "Zwölfuhrläuten" für den Rundfunk, tritt der Erzähler seinen Weg zurück in die Allgäuer Heimat an. Am Ende des Reigens mal alltäglicher, mal skurriler Dorfgeschichten bleibt die Frage, ob der "Sack voller Erinnerungen" endlich geleert werden oder man ihn doch "niemals loswerden" kann. Diese Frage hat die Kulturredaktion Gerhard Köpf auch zu Beginn des Interviews gestellt.

Haben Sie mit diesem Buch ein Stück weit Ihren persönlichen "Rucksack der Erinnerungen geleert"?

Gerhard Köpf: Jedes Buch enthält Teile der Erinnerungen des Autors, denn diese sind das Reservoir, aus dem er schöpft. Ohne Erinnerungen kein Erzählen.

Was hat überhaupt den Ausschlag gegeben, Ihr fiktives Allgäu literarisch zu reanimieren?

Jeder Erzähler hat seinen individuellen Raum, der ihm vertraut ist und den er fiktionalisiert, um ihn im Gedächtnis und am Leben zu erhalten. Er re-vitalisiert ihn nicht, sondern er vitalisiert ihn (Grass: Danzig; Joyce: Dublin; Böll: Köln; Siegfried Lenz: Masuren; Gerold Späth: Rapperswil).

Unterschiedliche Schicksale bilden den Erzählkern im "Dorf der 13 Dörfer". Wären diese Geschichten auch anderswo in Deutschland oder Österreich ansiedelbar oder ist die Allgäuer Mentalität dafür unersetzlich?

Im Individuellen steckt immer das Allgemeine - und umgekehrt. Menschen sind überall gleich und überall anders, aber sie bleiben Menschen.

Sie waren als Literaturprofessor ebenso tätig wie als Gastprofessor an der psychiatrischen Klinik der LMU München - nähern Sie sich der menschlichen Seele gerne auf verschiedenen Wegen?

Durchaus: Die menschliche Seele ist ein weites Feld, und viele Wege führen ins Herz der Finsternis

Mit einigen Jahren Abstand betrachtet: Haben Auszeichnungen wie der Jury-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 1983 oder der Raabe-Preis 1990 Ihr nachfolgendes Schaffen in irgendeiner Weise beeinflusst?

Vom Bachmann-Preis haben meine Frau und ich uns eine Warmwasserversorgung gekauft, und das Geld des Raabe-Preises floss in Reisen, die sich wiederum literarisch niederschlugen. Seitens der Kritik haben die Preise den Druck erhöht.

Ihr preisgekrönter Roman "Die Strecke" wurde unter dem Titel "Wallers letzter Gang" unter beachtlichem Medieninteresse auf die Leinwand gebracht. Könnten Sie sich so etwas auch für das "Dorf der 13 Dörfer" vorstellen?

Eine reizvolle Idee, wenn es einen mutigen Regisseur gäbe ...

Würden Sie als durchaus erfahrener Schauspieler dabei eine Rolle übernehmen und wenn ja, welche?

Außer dem Erzähler gerne die Rolle des Vaters bei der Skiwanderung.

Karten sind bei der Buchhandlung Volkert (Telefon 09661/812373) oder an der Abendkasse erhältlich. Der Roman "Das Dorf der 13 Dörfer" ist beim Verlag Braumüller erschienen und kostet 24 Euro.

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