04.04.2018 - 17:42 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Interview mit Tubist Andras Hofmeir über seine Solo-Karriere und sein Buch Wie Obelix und der Zaubertrank

Andreas Martin Hofmeir hat genau nachgerechnet: Bei Antonín Dvoráks Symphonie "Aus der neuen Welt" ist jeder der sieben Töne aus seiner Tuba 21,43 Euro wert, während die bedauernswerten Geigen-Kollegen rund 20 000 Noten zum Stückpreis von 1,5 Cent spielen.

Andreas Hofmeir mit seiner Tuba "Fanny". In seinem Buch erzählt der Musiker "schrecklich wahre Geschichten" aus seinem Leben mit der Tuba. Bild: Philippe Gerlach
von Anke SchäferProfil

Nachzulesen sind diese und andere hintersinnigen Betrachtungen in seiner von Carl-Heinz Daxl illustrierten Autobiografie "Kein Aufwand - Schrecklich wahre Geschichten aus meinem Leben mit der Tuba". Dass der herausragende Solist, Kammermusiker und Professor für Tuba am Salzburger Mozarteum seinen Humor nicht im Keller lässt, hat seine Zeit als Gründungsmitglied der Kult-Band "LaBrassBanda" ebenso bewiesen wie seine Kabarett-Programme oder die aktuellen Auftritte bei musikalischen Lesungen aus seinem Buch.

Die Fragen der Kulturredaktion zum nicht so bierernsten Blick auf sein Dasein mit Tuba "Fanny" und Konsorten erreichten den Künstler auf einer Südostasien-Tournee:

In Ihrem Buch bekennen Sie: "Und einen Aufwand, den schätzen wir überhaupt nicht". Wie aufwendig war es dennoch, bei Ihrem ohnehin bunt gemischten Tätigkeitsprofil auch noch diese "schrecklich wahren Geschichten" zu veröffentlichen?

Ich musste ja nur alles aufschreiben. Das war im Endeffekt Teil der Vergangenheitsbewältigung. Die schönen Bilder, Acryl auf Biertisch, hat ja der Carl-Heinz Daxl und die schlimmen Arbeiten wie Drucklegung und Ausfahren Gott sei Dank der Verlag gemacht.

An Ihrer kleinen, hintersinnigen Instrumentenkunde und manchem Einblick ins Musikerleben haben die Leser Spaß - die Kollegen auch?

Ich hoffe. Wenn sie mir nicht gerade übelnehmen, dass ich ihre Instrumente als rudimentär entwickelte prähistorische Vorläufer auf dem Weg hin zur Vollendung der Tuba beschimpfe. Aber ich schimpfe ja auch über mein Instrument, da bin ich ganz gerecht ...

So ganz ohne Üben wird man nicht gefragter Solo-Tubist, geschätztes Orchestermitglied, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs, "Echo" Klassik-Instrumentalist des Jahres und Tuba-Professor am Mozarteum in Salzburg. Wie viel Zeit nehmen Sie sich für diese profane Notwendigkeit?

Ich habe die Notwendigkeit des Übens tatsächlich erst sehr spät erkannt, als ich bereits Akademist bei den Berliner Philharmonikern war. Dann hab ich aber alles in kurzer Zeit aufgeholt, so acht bis zehn Stunden am Tag. Jetzt geht's mir wie Obelix mit dem Zaubertrank: Ich muss mit dem Üben ganz vorsichtig dosieren.

Als Gründungsmitglied der Kult-Band "LaBrassBanda" haben Sie Bühnen und Publikum gerockt - vermissen Sie die lockere Atmosphäre und Begeisterung in klassischen Konzerten?

Ach, wissen Sie, ich mach meine klassischen Konzerte schon locker. Nur getanzt wird nicht so viel. Aber die Begeisterung genauso groß.

Mehr Coolness, Humor und Entspanntheit - wäre das auch Ihr Rezept, um mehr junges Publikum in die Konzertsäle zu locken?

Auf jeden Fall. Die klassische Musik war ja auch die Popmusik seiner Zeit. Erst wir haben sie gewissermaßen elitärisiert und antiquiert. Aber das kriegen wir schon wieder hin. Die jungen Leute wissen gar nicht, was ihnen da teilweise entgeht.

Wie sieht es mit dem Tubisten-Nachwuchs aus? Haben Sie mit Ihrer Popularität eine neue Tuba-Begeisterung ausgelöst?

Die Tuba boomt, das kann man schon sagen. Bereits 5-jährige Mädchen fangen jetzt damit an! Ob das jetzt an mir liegt, das kann ich nicht sagen. Aber vielleicht hab ich einen kleinen Teil dazu beigetragen ...

Ist es für Sie jeweils anders, als Tuba-Solist, Kabarettist oder Schriftsteller vors Publikum zu treten?

Ach, ich mische das sowieso immer ein bisschen. Da komme ich gar nicht zum auseinander dividieren. Mittlerweile lachen die Leute ja schon, wenn ich ganz ernsthaft als Solist vor das Orchester trete. Und dabei hab ich noch gar nix gesagt!

Im Buch ist von Ortsumgehungen in der Oberpfalz die Rede, die dringend notwendig sind, "damit die dortigen Autofahrer an so gut wie jedem Wochenende des Jahres den Vollsperrungen der Ortskerne aufgrund frei herum marschierender Tubisten entgehen können, die verzweifelt versuchen, mit jungen Klarinettistinnen Schritt zu halten" - werden Sie in absehbarer Zeit die Lage vor Ort überprüfen?

Unbedingt: Ich war schon in den beiden Metropolen der Oberpfalz, in Cham und Nürnberg! Oje, jetzt hab ich das ganze Interview versaut, fürchte ich ...

Am Sonntag, 29. April (20 Uhr), ist Andras Hofmeir mit seinem Musikkabarett "Kein Aufwand! Teil 1" im E-Werk in Erlangen zu Gast bei der Theaterbühne "Fifty Fifty". Der Termin ist ein Nachholtermin.

Das Buch "Kein Aufwand - Schrecklich wahre Geschichten aus meinem Leben mit der Tuba", 224 Seiten, erschienen im btb Verlag, kostet 14,99 Euro.

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