Kabarett beim Feuerwehr-Jubiläum
Binser mit Schnupftabak und Quetschn

Kritsch, witzig und liebevoll beschreibt Helmut A. Binser seine Welt. Das Publikum beim Feuerwehrjubiläum war begeistert. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
02.07.2017
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Die Löschfahrzeuge waren ausgelagert, es gab einen Notfallplan, zum Glück aber keinen Brand. So konnte die Sulzbach-Rosenberger Feuerwehr mit ihren Gästen am Freitagabend den Beginn ihres 150. Geburtstags im Gerätehauses sorglos beginnen. Dafür sorgte Helmut A. Binser, Spaßmacher aus Runding bei Cham, sozusagen als Geburtstagsschmankerl der Kulturwerkstatt.

Den Seidel-Saal hat er in den vergangenen Jahren schon mehrmals gefüllt, der urige Waldler, der als Tourbusfahrer anfing und heute ein erfolgreicher Musikkabarettist ist. Sein Erfolgsrezept, das auch bei der Feuerwehr funktioniert: Die Leute zum Lachen bringen. Rund 170 Besucher an Tischen und Bänken füllten die große Fahrzeughalle, ließen sich Bier und Bratwürste schmecken und freuten sich über die Oberpfälzer Musi, mit der eine Gruppe vom Trachtenverein Stamm vorab unterhielt.

Dann sprang er auf die Bühne, ganz in Schwarz mit seinem obligatorischen Hut, ruft Servus - und im Nu verstummte das Stimmengewirr im Raum, herrschte erwartungsvolle Stille. Eigentlich heißt er Martin Schönberger, ist Mitte dreißig und sein Erfolg ist das Ergebnis akribischer Arbeit. Zu seinem aktuellen Programm "Wie im Himmel" bringt er auch wieder seine Ziehharmonika mit und die Gitarre, auf der sich zahlreiche Künstlerfreunde verewigt haben. Sein Beruf, die Leute zum Lachen zu bringen, ist für ihn der schönste der Welt, sagt er. Binser ist ein Künstler zum Anfassen und Gernhaben, einer "wie wir", der seine zwei Halbe auf der Bühne schluckt, der schnupft, der mit dem Publikum in Kontakt sein muss, der aus seinem Leben plaudert, der die gleichen Sorgen und Freuden hat "wie wir".

Als Ex-Fußballer des SV Runding - "war scho a scheena Sport" - beschrieb er das "Bürgerkriegs-Spiel" gegen den Nachbarverein Raindorf, spottete über 1860 München, fand ausgerechnet im Feuerwehr-Vorsitzenden Thomas Wiesent einen bedauernswerten 60er-Fan und engagierte ihn als Schiedsrichter. Wo bei ihm daheim der Metzger Bolzen-Berti einen Ausflug in den Streichelzoo macht, wo es einen Boccia-Platz gibt, den die Katzen als Klo nutzen und das Bier noch einen Euro neunzig kostet, das alles zeichnete er im schönsten Dialekt nach. Kritisch, witzig und trotzdem liebevoll waren seine Texte, die er - angeblich ohne selbst Noten lesen zu können - mit seinen Instrumenten begleitete. Sein Blick auf die Welt: scharfsinnig und verständnisvoll zugleich.

Spitzbübisch und lässig agierte er auf der Bühne, erfrischend sind seine Pointen und Wortspiele, hintersinnig und witzig die Anekdoten, die in seinem scheinbar recht beschaulichen Leben passieren. Dazu zitierte er aus seinem Beziehungsratgeber "Vom Hackstock zum Frauenversteher", bot seine Tonträger und Bierfilzl an, philosophierte über seine Hobbys Schnupfen und Mopedfahren.

Höhepunkte waren das "Hochzeitslied" und als eine der drei Zugaben das Lob auf die "greislichen Menschen dieser Welt", die Otto-Normalbürger, die für ihn aber immer noch die besten sind. Mehr als zwei Stunden lang brachte er seine Gäste bei der Feuerwehr zum Lachen, Jubeln und Klatschen. Auch für ihn sind das Glücksmomente. Er fühle sich dabei wie im Himmel, sagte er, hat sein Bühnenprogramm auch so genannt. Die Pointe der Geschichte von der Sau am österreichischen Grenzübergang spart er sich bis zum Schluss auf, und brachte bereitwillig ein paar Zugaben. Vor einem "super Publikum" zieht er schließlich seinen Hut, um sich dann unter dieses zu mischen, noch ein Bierchen zu trinken ein wenig zu schnupfen und den Abend ausklingen zu lassen auf echt bayerische Art.
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