Kabarett im Seidel-Saal
Miesepetriger Choleriker

"Wenn ich was vazähl, lacht kaaner", befürchtete Matthias Egersdörfer (allerdings grundlos) im Seidel-Saal. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.02.2018
115
0

Er ist ein Grantler, liebt Fäkalausdrücke und findet Opfer im Publikum, die er anstänkert. Er steht bald drei Stunden auf der Bühne plaudert über Alltägliches, philosophiert, brüllt, leidet. Und seine Gäste? "Niveaulose Leit, dene gfällt so was", sagt Matthias Egersdörfer, der schlecht gelaunte Entertainer aus Fürth.

"Lustig bin ich überhapt net. Wenn ich wos vazähl, lacht kaaner". Matthias Egersdörfer ist einer, der - zumindest auf der Bühne - nicht unbedingt eine Frohnatur darstellt. "Ein Ding der Unmöglichkeit" heißt sein neues Programm, mit dem der fränkische Kabarettist und Komiker sein Publikum im ausverkauften Seidel-Saal natürlich schon zum Lachen bringt.

Nicht umsonst wurden dem 57-Jährigen eine Reihe von Preisen zugesprochen, darunter der Bayerische Kabarettpreis und der Deutsche Kleinkunstpreis. Krimi-Fans ist er außerdem seit einiger Zeit bekannt als Michael Schatz, Leiter der Spurensicherung im Franken-Tatort.

Die profanen Dinge des Alltags sind es, die Egersdörfer auf Gemüt und Nerven drücken: Der verlegte Geldbeutel, die verpasste U-Bahn, auch das "lapprige Käsbrot", das ihm in die Garderobe des Seidel-Saals gestellt worden ist. Da kommt sein Hang zum Choleriker durch, da kann er sich aufregen, schimpfen, derb, unflätig. "Um a Haar hätt ich mich aufgrecht", beruhigt er sich dann wieder mit seiner Lieblingsmusik aus "Elektra" von Richard Strauß.

Bei seinem Therapeuten geht es um Themen wie Chips-Krümel im Bett und Filme mit Christine Neubauer. Seine Mord- und Selbstmordphantasien seien dagegen das kleinere Übel. Ins Schwärmen kommt der miesepetrige Fürther dagegen, wenn es ums Essen und Trinken geht. Das "Dässle Kaffee" am Morgen, die sauren Zipfel seiner Mutter, das ungarische Letscho mit Debrezinern, das Salzknöchla und das Schlehen-Schnäpsla, "damit der Magen zur Ruhe kommt", dazu eine "Mindestliegezeit" auf der Chaiselongue, so ließe sich für ihn der Alltag bewältigen.

Das Publikum hält gut drei Stunden durch, durchleidet mit ihm seine Wohlstandsdepression, übersteht die cholerischen Anfälle, teilt seine Tagträume und Fantasien. Letztendlich ist es erleichtert, dass zumindest ein Rat des verstorbenen Egersdörfer Seelenverwandten Philipp Moll vermieden werden konnte. Der hatte einst empfohlen, es müsse sich endlich einmal einer im weißen Anzug vor sein Publikum stellen und sich gründlich in die Hosen machen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.